Interview mit Uschi Zietsch

(alias PR-Autorin Susan Schwartz)

von Werner Höbart (Juli bis August 1995)

 

Thema: Frauen in PR

  1. Frauen und PR. Nicht nur durch die Zusammensetzung der Autorenschaft hält sich eine gewisse männliche Sicht und Prägung der Serie. Auch bei der Zusammenstellung der Hauptfiguren, ergibt sich immer wieder jene männliche Dominanz, die sich letztendlich wieder in der Geschlechterverteilung der Leserschaft niederschlägt.
    Wie stehst Du als derzeit einzige AutorIN dazu?
    Würdest Du Dir weitere PR-Autorinnen wünschen?

    Science Fiction scheint eher eine Männerdomäne zu sein, wie Fantasy eher eine Frauendomäne zu sein scheint. Ich merke das immer wieder im Gespräch, in Umfragen und in der Korrespondenz mit Lesern oder den Medien. Woran das liegt, weiß ich nicht. Ich für mein Teil ziehe die Science Fiction vor. Das klingt vielleicht ein bißchen merkwürdig, da ich meinen Einstieg ja eigentlich in der Fantasy-Szene hatte, aber es ist ein Unterschied zwischen dem, was man liest, und dem, was man schreibt. Daß meine Erstveröffentlichung ein Fantasy-Roman war, war allerdings eher zufällig - genau zum richtigen Zeitpunkt das richtige Gefühl für die richtige Geschichte, den richtigen Lektor und den richtigen Verlag gefunden zu haben.

    Allerdings hegt die Redaktion der PERRY RHODAN-Serie keinerlei Vorurteile gegen weibliche Autoren, wie so mancher Fan schon einmal auf Cons andeutete. Marianne Sydow und ich sind der beste Beweis dafür. Daß ich derzeit die einzige Autorin bei PR bin, liegt ganz einfach daran, daß es auf diesem Gebiet überhaupt nur sehr wenige deutschsprachige Autorinnen gibt. Und Science Fiction zu schreiben bedeutet noch lange nicht, daß man auch für PERRY RHODAN schreiben will. Immerhin bedeutet es, teamfähig zu sein, nach genauen Exposévorgaben zu schreiben, bestimmte Richtlinien hinsichtlich des Leserkreises (besonders, was das Alter betrifft) zu beachten. Das alles muß man sich schon sehr gut überlegen, bevor man diesen Schritt wagt.

    Zum Zeitpunkt meines Einstiegs fühlte ich mich dazu in der Lage, aber zwischen Theorie und Praxis liegt hier ein gewaltiger Unterschied. Ich war mir nicht sicher, ob ich es tatsächlich schaffen könnte. Hinzu kommt der zeitliche Aufwand: nur von PERRY RHODAN allein kann man bei gut zehn Autoren nicht leben, und deshalb muß man sich bewußt sein, daß man einen Großteil seiner Freizeit dafür opfern muß, so wie es bei mir der Fall ist. Ich gehe im Alltag einem ganz normalen Vollzeitberuf nach und habe daneben auch noch eine Familie. Auch die Angehörigen müssen sich damit abfinden können, daß nur noch sehr wenig Zeit für sie übrig bleibt.

    Ich selbst sehe mich auch nicht als Besonderheit im Team, nur weil ich weiblich bin, und die Redaktion ebenfalls nicht. Ich muß genauso gute Arbeit abliefern wie alle anderen Autoren, und wenn ich danebenhaue, muß ich überarbeiten. Ich werde keineswegs bevorzugt behandelt, und das möchte ich auch gar nicht. Das würde nur meine eigene Leistung schmälern. Irgendwelche Statements wie "Quotenfrau" sind in diesem Metier völlig unangebracht. Wenn jemand gut arbeitet, bekommt er den Auftrag, für einen Verlag als Autor regelmäßig zu schreiben. Es spielt keine Rolle, ob Frau oder Mann, diese Vorurteile gibt es bei uns in Deutschland im belletristischen und vor allem im phantastischen Genre nicht. Das kann ich aus meiner mehr als 15jährigen Erfahrung mit vielen Verlagen getrost sagen.

    Ich denke auch nicht, daß nur deswegen männliche Dominanz in der Serie vorherrscht. Mein Kollege Peter Terrid beispielsweise schreibt sehr gern und einfühlsam über weibliche Protagonisten. Und im Verlauf der Serie hat es zahlreiche weibliche Hauptfiguren gegeben, die äußerst ausdrucksstarke Charaktere gewesen sind. Aufgebaut ist die Serie aber von Anfang an auf Perry Rhodan und seine Freunde Reginald Bull und Atlan.

    Mir fällt es im übrigen auch leichter, männliche Charaktere zu beschreiben, denke ich da nur an bestimmte Macken, einen Sammlerfimmel oder ähnliches. Bei Frauen gibt es da nicht so viel, sollte es nicht ins "Mannweib" oder in eine "hysterische Ziege" abgleiten.

  2. Sicherlich passiert es Dir oft, daß man Dich an Deiner Vorgängerin Marianne Sydow mißt. Sie hat es wohl wie keiner ihrer Kollegen geschafft, Spannung auch ohne vordergründige Gewalt zu erzeugen. Als ich vor kurzem PR-Band 1765 las, erinnerte mich Deine ausgezeichnete Darstellung des Imprint-Süchtigen Schiller an die legendären Personenstudien von Marianne.

    Dürfte ich Dich bitten, die Schiller-Episode vielleicht mit dem herausragenden Sydow-Roman 1505 "Dorina, die Friedensstifterin" zu vergleichen? Welche Gemeinsamkeiten, welche Unterschiede siehst Du?

    Ich weiß nicht, ob man mich an Marianne Sydow mißt. Persönlich hat mir das noch keiner gesagt, und auch aus den Leserbriefen oder Fragen auf Cons kann ich das nicht erkennen. Uwe Anton hat 1992 in der SFT einmal befürchtet, ich würde es "sehr, sehr schwer" haben. Nach nunmehr 4 Jahren seit meinem Einstieg und 3 Jahren seit meiner Erstveröffentlichung kann ich gelassen sagen, daß er absolut Unrecht hatte.

    Ich denke, das hat zwei Gründe:

    Erstens erfolgte die Veröffentlichung meines ersten Heftromans ungefähr 2 Jahre nach Marianne Sydows letztem Heftroman. Dazwischen lag eine lange Zeit und ein komplett neuer Zyklus, infolgedessen die Leser sich zuerst mit Marianne Sydows Ausstieg und dann mit meinem Einstieg abfinden konnten. Der Abstand war schon so groß, daß Vergleiche gar nicht erst aufkamen.

    Zweitens schreibe ich völlig anders als Marianne Sydow, sowohl vom Stil wie auch von der Konzeption her. Ich glaube nicht, daß es da viele Vergleichsmöglichkeiten gibt. Ein direkter Vergleich ist ohnehin nicht mehr möglich, da die Serie sich inzwischen durch den neuen Zyklus weiterentwickelt hat. Ich denke, hier wie auch bei meinen männlichen Kollegen gibt es einfach die persönliche Präferenz, wen man lieber liest. Das hält die Serie sehr lebendig und abwechslungsreich.

    Ich selbst vergleiche meine Arbeiten grundsätzlich nicht mit denen anderer Autoren. Ich halte das auch nicht für möglich, da es sich stets um völlig verschiedene Geschichten handelt. Gemeinsamkeiten gibt es wohl manchmal von der Idee her, die Unterschiede finden sich jedoch sofort im Stil.

  3. Im Gegensatz zu Marianne, aber auch einigen männlichen Autoren, hast Du Dir noch keine wirklich große RomanheldIN zusammengebastelt. Fehlt Dir die Lust, oder siehst Du keine Möglichkeit, diese im Team durchzusetzen?
    Eine neue UNSTERBLICHE, die frauenspezifische Probleme hat, vielleicht ein Kind bekommt ....
    Gibt es zu diesem Themenkreis nichts einzubringen, was Dich als Frau reizen würde?

    Bisher hat sich mir noch kein Protagonist vorgestellt, der gern weitergeführt werden möchte. Ich bin im Augenblick ganz zufrieden damit, den vorhandenen Unsterblichen ein wenig von dem Profil zu verleihen, das mich als Jugendliche gereizt hat. Es ist für mich momentan viel faszinierender, nunmehr über die Helden meiner SF-Anfänge selbst schreiben zu können. Deshalb habe ich mich beispielsweise auch sehr darüber gefreut, den "ewigen Zweiten" und schon fast zum Hauskasper verkommenen Reginald Bull in meinem ersten Heftroman zum Leben erwecken zu dürfen.

    Eigene Charaktere habe ich schon in vielen eigenen Veröffentlichungen bilden können, deshalb habe ich da momentan keinen allzu großen Ehrgeiz. Wenn das trotzdem mal der Fall sein sollte, muß dies natürlich konzeptionell mit der Redaktion abgesprochen werden. Eine neue Unsterbliche mit vordergründig frauenspezifischen oder familiären Problemen halte ich im Rahmen dieser Serie nicht für durchführbar. Es wäre schlichtweg langweilig. Ich halte es aber für durchaus denkbar, daß sich im neuen Zyklus ab 1800 wieder Möglichkeiten für bisher noch unbekannte Protagonistinnen ergeben werden.sönliche Präferenz, wen man lieber liest. Das hält die Serie sehr lebendig und abwechslungsreich.

    Ich selbst vergleiche meine Arbeiten grundsätzlich nicht mit denen anderer Autoren. Ich halte das auch nicht für möglich, da es sich stets um völlig verschiedene Geschichten handelt. Gemeinsamkeiten gibt es wohl manchmal von der Idee her, die Unterschiede finden sich jedoch sofort im Stil.

  4. Natürlich besteht auch die Gefahr, als einzige AutorIN auf Küche-Kind-Kegel festgelegt zu werden. Marianne hat sich nicht nur einmal darüber beklagt, immer bei Kartanin und Linguiden, bei schwangeren Frauen und Kindern, beziehungsweise bei sensiblen, gefühlsbetonten Handlungen schreiben zu müssen.
    Liegt etwa darin Deine Zurückhaltung begründet?
    Fürchtest Du eine ebensolche Festlegung und anschließende Zuweisung im Team?

    Das einzige Problem, das ich ganz allgemein in der phantastischen Szene habe, besteht in meiner fast ausschließlichen Zuweisung zur Fantasy, obwohl ich auch schon andere Sachen veröffentlicht habe. Phantastische Welten einfühlsam zu beschreiben, halte ich nicht als Beweis für meine "Domäne" als "Fantasy"-Autorin.

    Was PR betrifft: In der Antwort zur ersten Frage habe ich schon angedeutet, daß es in unserem Team keine Unterschiede gibt. Ich fürchte weder eine Festlegung noch Zuweisung, und ich habe in dieser Hinsicht ganz und gar nichts zu beklagen. Vor allem Ernst Vlcek weiß sehr gut, worin meine und die Stärken eines jeden Autors liegen, und entsprechend erhalten wir die Exposés.

    Und wenn ich mal das Bedürfnis habe, ein wenig aus dem "braven" PR-Universum und meiner weiblichen Einfühlsamkeit auszubrechen, kann ich das jederzeit in den PR-TB's tun, wie in "Welt der Prospektoren" geschehen.

  5. Wie unterstützt fühlst Du Dich vom Team? Welche Ambitionen hast Du, Ideen aus dem Dir nahestehenden Fantasybereich auch ins Gesamtexposé einzubringen? Auf dieser Schiene dürfte ja die Zusammenarbeit mit Ernst Vlcek fruchtbar sein, da er ja auch ein Meister im Schreiben phantastisch-geheimnisvoller Geschichten ist.

    Die Zusammenarbeit klappt bisher ohne Schwierigkeiten, und ich denke auch, daß das so bleibt. Wir haben unsere regelmäßigen Autorenkonferenzen, bei denen wir ausführlich über neue Ideen und den weiteren Verlauf der Serie diskutieren. Wenn Ideen in den Rahmen der Serie passen, werden sie in die Konzeption übernommen, oder es entsteht daraus sogar ein wichtiger Handlungsrahmen in einem neuen Zyklus. PERRY RHODAN entsteht ausschließlich durch Teamarbeit, und ich habe als Autor jederzeit die Möglichkeit, neue Vorschläge zu unterbreiten oder Kritik anzubringen.

  6. Als Abschlußfrage: Michael Thiesen hat Dich im September 1992 gefragt, ob Du den Sprung ins PR-Universum bereuen würdest. Damals kam die Antwort - Du warst etwa ein Jahr dabei - es würde Dir Spaß machen und Du würdest auf alle Fälle weiter dabeibleiben.
    Können wir auch heute noch auf diese Antwort hoffen?

    Ja!

    Vielen Dank für die Bereitschaft zu diesem Interview!


Uschi Zietsch

Bibliographie

Romane:

Sternwolke und Eiszauber, Heyne Fantasy 1986

Der Traum der Wintersonne, Fabylon 1988

HADES, Fabylon 1989

Der Stern der Götter, Fabylon 1990

DER ALP, Fabylon 1993

"Das Schwarze Auge":

Túan der Wanderer (Heyne Fantasy Mai 1995)

in Vorbereitung: Der Drachenkönig (Heyne Fantasy November 1995)

Stories:

Schneeblume, SAGITTARIUS 1987

Rattenfeuer, 1. Fabylon 1989 (in: HADES)

2. Heyne allg. Reihe 1993, (in: RATTEN, Hg. Joachim Körber)

Der chinesische Weihnachtsmann, Heyne 1991 (in: Frohes Fest!,

Hg. Uwe Luserke/Wolfgang Jeschke)

Projekt Lindling, 1. Souvenir Book FreuCon 1992

2. i.Vorb. Anthologie im Heyne-Verlag 1996

Faschingszeit, dtv 1994 (in: Teufelsweiber, Hg. Birgit&Uwe Luserke)

Das Andere in dir, ("Die Spinne"-Prosa-Story), Spinne-Comic-Album Nr. 55,

Februar 1995

Anthologien:

1999 oder Der Geist in der Flasche, Fabylon 1990 (als Hg. + Rahmenhandlung)

Uschi Zietsch

Bibliographie Seite 2

Perry Rhodan (als Susan Schwartz):

Heftromane:

Im Netz des Quidor, VPM April 1993 (Heftroman Nr. 1652)

Welt ohne Schatten, VPM Juni 1993 (Heftroman Nr. 1662)

Die Offenbarung der Veego, VPM September 1993 (Heftroman Nr. 1673)

Kurs Milchstraße, VPM November 1993 (Heftroman Nr. 1681)

Rendezvous auf Phegasta, VPM Januar 1994 (Heftroman Nr. 1689)

Die Schule der Theans, VPM März 1994 (Heftroman Nr. 1698)

Im Bann der Abruse, VPM Juni 1994 (Heftroman Nr. 1713)

Kommandant der Abruse, VPM August 1994 (Heftroman Nr. 1720)

Der Verbündete, VPM Oktober 1994 (Heftroman Nr. 1730)

Der alte Thean, VPM Dezember 1994 (Heftroman Nr. 1738)

Der Tabubrecher, VPM Dezember 1994 (Heftroman Nr. 1739)

Phantome auf Schimos, VPM April 1995 (Heftroman Nr. 1754)

Der Imprint-Faktor, VPM Juni 1995 (Heftroman Nr. 1765)

Kommando Gonozal, VPM August 1995 (Heftroman Nr. 1775)

derzeit in Vorbereitung: Heftromane Nr. 1788, 1796

PR-Taschenbücher:

Chandris Welt, VPM 1992 (PR-Taschenbuch Nr. 357)

Welt der Prospektoren, Heyne 1994 (PR-Taschenbuch Nr. 370)

Stand: September 1995


Uschi Zietsch

Biographische Daten

Ich bin am 3. August 1961 in München geboren. Verheiratet bin ich seit 1983 und nach wie vor wohnhaft mit Mann, Hund und Kater in der Nähe von München.

Nach dem Abitur im Sommer 1980 studierte ich an der LMU München, zunächst Jura, später Theaterwissenschaft, Politik und Geschichte. Aus finanziellen Gründen mußte ich zusätzlich eine kaufmännische Lehre beginnen, die 1986 abgeschlossen wurde. Seither bin ich hauptberuflich im Marketing/Vertrieb tätig, zunächst EDV, dann Sicherheitstechnik bis heute.

Die leidenschaftliche Liebe zu Büchern ist mir von beiden Eltern in die Wiege gelegt worden. Das Bedürfnis, Geschichten zu erzählen und später aufzuschreiben, erwächst schon in frühester Kindheit und steigert sich zur Besessenheit, so daß mit 11 Jahren die erste Geschichte in die Reiseschreibmaschine der Mutter getippt wird.

1979 ist die erste lange Erzählung, ein 800 Seiten starker Fantasy-Roman, fertiggestellt. Die ersten Kontakte zu Verlagen wie Thienemanns, Goldmann, Heyne, Knaur und Bastei-Lübbe werden 1980 geknüpft.

Die erste Veröffentlichung erfolgt 1986 mit dem Ende 1983 angenommenen Fantasy-Roman "Sternwolke und Eiszauber" im Heyne-Verlag.

Da zu dem Zeitpunkt bereits abzusehen ist, daß der "Fantasy-Boom" bereits wieder im Abklingen ist, werden die Publikationsmöglichkeiten für Einzelausgaben junger deutscher Autoren bald darauf nahezu vollends gestrichen. So auch im Heyne-Verlag.

Dies bietet den Anstoß zur Gründung des FABYLON-Verlags im August 1987. Die ersten Publikationen erscheinen im Frühjahr 1988, mit dem preisgekrönten SF-Werk "New York ist himmlisch" des deutschen Autors Norbert Stöbe und einer eigenen Erzählung, "Der Traum der Wintersonne", die sich sehr stark an einer irischen Legende und der ausführlichen Interpretation von Heinrich Zimmer orientiert und durch historische Elemente erweitert wurde. Aufgrund guter Besprechungen u.a. in BRIGITTE entwickelt sich das Buch sehr rasch zum "Renner" des jungen Verlags, so daß weitere eigene Veröffentlichungen wie "HADES" und "Der Stern der Götter" und andere Autoren folgen können, beispielsweise im Hardcover "DER ALP", eine in vier Episoden aufgeteilte Erzählung über die Urängste des Menschen.

Ende 1992 erfolgt mit der Veröffentlichung des PR-Taschenbuchs "Chandris Welt" der Einstieg in die Perry-Rhodan-Serie unter dem Künstlernamen Susan Schwartz mit etwa 5-7 Heftromanen pro Jahr und bisher 2 Taschenbüchern.