Faszination Science Fiction von Dr. Robert Hector
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Faszination Science Fiction

Themenbereiche der Science Fiction


Die Science Fiction beschäftigt sich mit Träumen und Ängsten, die sich aus der Weiterentwicklung der Naturwissenschaften und deren Anwendungen in der Technik ergeben. Jahrtausendelang war der Mensch dem Boden verhaftet, was lag da näher als der Wunsch zu fliegen, wie es die Vögel taten. Die Sage von Ikarus und Dädalus zeugt von diesem Traum. Nachdem die glitzernden Punkte am Nachthimmel als Planeten und Sterne identifiziert waren, wandten sich Sehnsüchte und Phantasie der Menschen fremden Sternenräumen zu. Und warum sollten einige dieser Welten am Firmament nicht auch Leben tragen, welches vielleicht höher entwickelt war als dasjenige auf der Erde? Aber schon meldete sich die tiefverwurzelte Furcht vor allem Fremden: was wäre, wenn diese Wesen der Menschheit nicht wohlgesonnen waren und die Erde erobern wollten? Die Horrorvision von schleimtriefenden Monstern, die die Erdenmenschen mit Laserpistolen auszulöschen versuchten, war geboren. Aus einzelnen Welten, die intelligentes Leben trugen, wurden bald ganze Sternenreiche, welche die Galaxis umspannten; in Einzelfällen gar das ganze Universum oder andere Dimensionen.

Vom Traum der Beherrschung des (Welt-) Raums war es nur ein kleiner Schritt bis zur Vorstellung von der Beherrschung der Zeit. So reisten die Helden mit Zeitmaschinen in die Vergangenheit zu ägyptischen Pyramidenbauern und Pharaonen, römischen Feldherren, mittelalterlichen Rittern und Mönchen oder wurden Zeugen des Dreissigjährigen Krieges.

Natürlich erschien auch die Zukunft verlockend. Aber die Zukunft war unbekannt, und das Unbekannte erzeugt oft Ängste. Würde man bei einer solchen Zeitreise vielleicht eine verstrahlte und unbewohnte Erde vorfinden? Angesichts der Entwicklung von Atom- und Wasserstoffbomben war dies so unwahrscheinlich nicht, und manche SF-Autoren erfanden immer neue Varianten des Untergangs. Riesige Meteoriten aus dem Weltall, gewaltige Erdbeben, eine neue Eiszeit oder die Zerstörungswut des Menschen drohten, aus dem fruchtbaren blauen Planeten eine Einöde zu machen.

Aber nicht nur der Todestrieb, auch das "Prinzip Hoffnung" bestimmt den Menschen, und statt eines globalen Desasters war in der Zukunft auch das Paradies auf Erden möglich. Und was lag näher, als dieses Paradies mit technischen Wundermitteln zu realisieren? Roboter befreiten die Menschen von der Fron körperlicher Arbeit, aber so ganz vertraute man den Blechkumpels nicht, wie die vielen Erzählungen von sich verselbständigenden und aufständischen Maschinen beweisen. "Elektronengehirne" und Computer übernahmen stumpfsinnige geistige Arbeiten, allerdings drohte auch die Gefahr, daß die denkenden Maschinen zu schlau wurden und die Menschheit unterjochten.

In den architektonisch eleganten Städten der Zukunft wurden Verkehrsprobleme durch Schwebebahnen und Gleiter gelöst; in Urwäldern, Wüsten und unter den Meeren entstanden Siedlungen, um dem Problem der Überbevölkerung Herr zu werden. Fortschrittliche Anbaumethoden und eine perfektionierte Medizin sorgten dafür, daß Hunger, Durst und Krankheiten in diesem paradiesischen Utopia Fremdworte waren. Aber wie rasch konnte ein solches Paradies zur Hölle werden, wenn der "Große Bruder" erschien und der Mensch zum Sklaven des Staates, der Konzerne oder Computernetze wurde.

Nicht nur das Schicksal der Gesellschaft, auch das des Individuums barg phantastische Perspektiven. Infantile Machtphantasien der Autoren ließen kraftstrotzende Supermänner entstehen, und Normalbürger konnten plötzlich Gedanken anderer lesen oder Gegenstände mit Geisteskraft bewegen. Die Entdeckung des genetischen Codes eröffnete schließlich die Möglichkeit, durch Manipulation der DNA bewußt Mutationen herbeizuführen.

Aber warum erst vorhandenes Material verändern, wenn dem Mensch die Möglichkeit gegeben ist, selbst künstliches Leben zu erzeugen? Vom Golem bis zu Frankenstein zieht sich die Linie des künstlichen Menschen, und die Erforschung des menschlichen Genoms läßt diesen Traum in einem neuen Licht erscheinen. Und ein anderer uralter Menschheitstraum steht an der Schwelle zur Realisation: das Streben nach Unsterblichkeit, die bisher den Göttern vorbehalten war.

Und warum sollte unsere Realität die einzig mögliche sein? Träumten die SF-Autoren früherer Tage von Reisen ins Erdinnere, in Unterwasserwelten oder zu versunkenen Kontinenten wie Atlantis, so wurden später Universen beschrieben, deren Zeitablauf andersartig war oder in denen Hitler den Zweiten Weltkrieg gewonnen hatte. Mikrokosmen, Hyperräume und Dimensionsfalten gehörten bald zum Standardrepertoire der SF, inspiriert durch neuere Erkenntnisse von Kosmologen und Elementarteilchenphysikern, die abenteuerliche Theorien über zerfallende Schwarze Löcher, Superkräfte oder sich multiplizierende Universen entwarfen.

Aber nicht nur dieser "Outer Space", der äußere Weltraum, sondern auch der "Inner Space" der menschlichen Psyche wurde zum Gegenstand der phantastischen Reisen der SF-Schöpfer. Die schillernden und bizarren Welten der Träume, Halluzinationen und paranoiden Erscheinungen faszinierten die Leser genauso wie Supernova-Ausbrüche oder Galaxienkollisionen. Neuronen und Mikrochips gingen eine Symbiose ein, und die Vernetzung von Gehirn und Computer eröffnete den Zugang zu elektronisch-virtuellen Zauberwelten.

Weltraumfahrt - Mit Warp 7 in die Unendlichkeit

Der Weltraumflug ist das klassische SF-Thema. Bereits im Jahre 165 n.Chr. ließ der Grieche Lukianos von Samosata seine Helden zum Mond fliegen. Der Astronom Johannes Kepler schilderte in "Somnium" (1634) die Bedingungen auf der Mondoberfläche und den Effekt der Schwerkraft auf den menschlichen Körper. In Francis Godwins "The Man in the Moon" (1638) ziehen Wildgänse den Protagonisten in einem Fluggerüst zum Mond.

Erst im 19. Jahrhundert erörterten die Autoren ernsthaftere technische Möglichkeiten, um einen Flug in den Weltraum zu verwirklichen. In Jules Vernes "De la Terre à la Lune" (1865) wird ein Projektil mit ein Projektil mit drei Passagieren an Bord mit Hilfe einer Kanone zum Mond geschossen. Percy Greg schilderte in "Across the Zodiac" (1880) eine Reise zum Mars mit Hilfe eines Anti-Schwerkraft-Antriebs. Mit einem Atomantrieb flog in "A Columbus of Space" (1909, G.P. Serviss) eine Raumschiffcrew zur Venus. Zeitgenössische Theorien über Raketenantriebe ließ der russische Raketenpionier Konstantin Ziolkowski in seinen Roman "Außerhalb der Erde" (1920) einfließen, in dem ein international besetztes Raumschiff zum Mond und zum Asteroidengürtel fliegt.

Als die Menschen der Zukunft begannen, die Sternensysteme der Galaxis zu erobern, mußten Möglichkeiten gefunden werden, die riesigen Entfernungen im Universum zu überwinden; denn nach Einstein war die Lichtgeschwindigkeit eine unüberwindliche Barriere für materielle Körper. So erdachte man sich "Generationenraumschiffe": diese meist riesigen "Weltraumarchen" durchstreiften jahrhundertelang das All, bis die entfernten Nachkommen der ursprünglich gestarteten Astronauten das lichtjahreweit entfernte Ziel erreichten. Die bekanntesten Stories dieser Art schrieb Robert A. Heinlein: "Universe" (1941) und "Common Sense" (1941), die später zu dem Buch "Orphans in the Sky" (1963) zusammengefaßt wurden. Die Raumschiffe bildeten darin ein geschlossenes ökologisches System, ganze Generationen werden geboren und sterben, schließlich sind Ursprung und Zweck der Reise vergessen. Andere berühmte Geschichten um Generationenraumschiffe stammen von Brian Aldiss ("Non Stop", 1958), E.C. Tubb ("Space Born", 1956) und Clifford D. Simak ("Spacebred Generations", 1953). Meist führte das enge Zusammenleben an Bord zu psychologischen Problemen, die entweder in Revolten mündeten oder die Ausbildung eines Kastenwesens nach sich zogen.

Um diesen Problemen zu entgehen, ersannen SF-Autoren die Möglichkeit, Raumfahrer in Tiefschlaf zu versetzen. Ein tiefgefrorener Körper benötigt weniger Luft, Wasser und Nahrung, und die Steuerung des Raumschiffs kann durch einen Computer übernommen werden. In A.E. van Vogt`s "Far Centaurus" (!942) dauert eine solche Reise zum nächsten Sternsystem 500 Jahre; bei Ankunft treffen die Raumfahrer auf irdische Kolonisten, die in der Zwischenzeit mit einem Überlichtantrieb die ferne Sonne erreicht haben. In Arthur C. Clarke`s "2001 - A Space Odyssee" (1968) werden die Tiefschläfer durch einen neurotischen Computer getötet.

In anderen Geschichten wurden tiefgefrorene befruchtete Eizellen auf die Reise geschickt; erst kurz vor Beendigung des Fluges entwickelten sich daraus erwachsene Individuen. Die Erziehung wurde durch Roboter und Computer wahrgenommen.

Zur Überbrückung interstellarer Distanzen wurden natürlich diverse Triebwerkssysteme entwickelt. Riesige Sonnensegel erzeugten die Antriebsenergie in Cordwainer Smith`s "The Lady who sailed the Soul" (1960). Einen Anti-Gravitations-Antrieb, genannt "Spindizzy", entwickelte James Blish in "Bridge" (1952); damit konnten ganze Städte transportiert werden.

Ein weiteres Konzept für Unterlichtflüge waren Photonenraketen, in denen Materie in Strahlung umgewandelt und dann zu einem Impulsstrahl gebündelt wurde. Auch die Energie von Wasserstoffbomben wurde auf ähnliche Weise zum Antrieb genutzt.

Um allerdings die Lichtschranke zu durchbrechen, mußten andere Triebwerkskonzepte realisiert werden. Die Theorie der Zeitdilatation besagt, daß bei Reisen nahe der Lichtgeschwindigkeit die Zeit für die Raumfahrer langsamer vergeht, je schneller sie fliegen (in Bezug auf das Standardsystem). Diese Folgerungen der Einsteinschen Relativitätstheorie wurden bereits frühzeitig in Geschichten von Miles J. Breuer ("The Fitzgerald Contraction" (1930) und L. Taylor Hansen ("Prince of Liars", 1930) verwendet. In L.Ron Hubbard`s "To the Stars" (1950) sind bei der Rückkehr der Astronauten deren Bekannte auf der Erde entweder gealtert oder bereits gestorben. In Poul Andersons "Tau Zero" (1970) erleben die Reisenden sogar den Untergang des Universums.

Trotz der damit verbundenen Verletzung der bekannten Naturgesetze wurde der Überlichtflug in der SF-Literatur relativ schnell verwirklicht. Dazu stießen die Raumschiffe meist in ein fremdes Raum-Zeit-Kontinuum vor, in dem die Gesetze unseres Universums nicht mehr galten. In Jack Williamson`s "The Legion of Space" (1934) wurde ein Kraftfeld erzeugt, welches mit der Raumkrümmung reagiert, so daß die Raumschiffe um den Raum herum fliegen statt in ihm.

Meist stellt dieses fremde Raum-Zeit-Kontiuum einen dimensional übergeordneten Hyperraum dar, der von vielen Autoren als graues oder farbig waberndes Etwas beschrieben wurde, in dem man mit milliardenfacher Lichtgeschwindigkeit reisen kann.

Die von theoretischen Physikern postulierten Tachyonen, Teilchen, die nur schneller als das Licht fliegen können, dienten in diversen SF-Stories als grundlegende Komponenten interstellarer Kommunikationssysteme und Materietransmitter. Beim Durchgang durch einen solchen Transmitter wird ein Objekt in seine subatomaren Bestandteile zerlegt, als Informationspaket durch den Hyperraum gejagt und in einer Empfangsstation wieder zusammengesetzt.

Eine neuere Möglichkeit zur Realisierung des Überlichtflugs bietet die Theorie der Black Holes. Einige SF-Autoren postulieren, daß ein solches Schwarzes Loch das Tor zu weit entfernten Bereichen des Universums oder gar zu fremden Kontinuen darstellen kann. Wie jedoch ein Mensch die gigantischen Gravitationskräfte in der Nähe eines Black Holes überleben soll, bleibt unklar.

Fremde Welten, außerirdisches Leben - Dort, wo nie ein Mensch zuvor gewesen ist

Triebwerke und Raumschiffe wurden natürlich nicht zum Selbstzweck gebaut, die Menschen wollten damit fremde Sternensysteme mit ihren Planeten kennenlernen, Kolonien gründen und vielleicht auch außerirdischen Lebensformen begegnen. Zunächst bot unser eigenes Sonnensystem eine weiten Raum für Forschungsflüge. Erstes Objekt der Neugier war natürlich der Mond. In H.G. Wells` "The First Men in the Moon" (1901) hausten die Mondbewohner, die Seleniten, in Höhlen. In Arthur C. Clarke`s Kurzgeschichte "The Sentinel" (1951, später zu "2001" verfilmt) wurde ein Monolith auf dem Mond entdeckt, der dort vor Jahrmillionen von einer außerirdischen Intelligenz installiert wurde. In Clifford D. Simak`s "The Trouble with Tycho" (1960) existiert lunares Leben auf der Basis von Energie. Auch Mondkolonien waren ein häufiges Thema der SF-Geschichten. In John W. Campbell`s "The Moon is hell" (1950) kämpfen Mondkolonisten ums Überleben. In Robert A. Heinlein`s "The Moon is a harsh Mistress" (1965) revoltieren die Bewohner einer lunaren Strafkolonie mit Hilfe eines Computers gegen die Erde. Spätestens seit den Apollo-Missionen nahm der Reiz einer Reise zum Mond jedoch ab, zumal die kraterübersäte Oberfläche der Entstehung von Leben keine Chance ließ.

Auch der Mars beflügelte schon früh die Phantasie der Menschen. Als der italienische Astronom Schiaparelli 1877 Marskanäle entdeckt zu haben glaubte, schien die Existenz von grünen Marsmännchen gesichert. H.G. Wells beschrieb in "The War of the Worlds" (1897) eine Invasion durch monströse Marsmenschen. Auch in Edgar Rice Burrough`s "Under the Moons of Mars" (1912) trug der Rote Planet vielfältiges Leben. Unvergessen auch der Pseudo-Strauß "Tweel" in Stanley G. Weinbaum`s "A Martian Odyssee" (1954). In den wunderschönen "Martian Chronicles" (1951) von Ray Bradbury erschien der Mars als ein Paradies, das von den Menschen zerstört wurde. Um eine Marskolonie und den Abbau von Rohstoffen ging es in Arthur C. Clarke`s "The Sands of Mars" (1951). Zu einem Kultroman der Hippies entwickelte sich Robert A. Heinlein`s "A Stranger in a strange Land" (1961), in dem der erste auf dem Mars geborene Mensch zur Erde zurückkehrt und dort zu einer Messiasfigur wird. Über eine Kolonisierung des Roten Planeten spekulierten in neuer Zeit wie Jack Williamson ("Beachhead", 1992) oder Kim Stanley Robinson in seiner Mars-Trilogie (1992), bestehend aus den Romanen "Red Mars", "Green Mars", "Blue Mars".

Ebenso wie der Mond nach den Apolloflügen war auch der Mars nach diversen Raumsondenmissionen wie Mariner und Viking entmystifiziert, zumal die Atmosphäre für jede Form pflanzlichen oder tierischen Lebens ungeeignet scheint. Dies änderte sich erst 1996, als Hinweise auf primitive Lebensformen in einem vom Mars stammenden Meteoriten gefunden wurden.

Auch die Venus war lange Zeit eine lohnendes Ziel fiktiver irdischer Raumfahrer. In Gustavus Pope`s "Journey to the Venus" (1895) war der Abendstern von prähistorischen Monstern bevölkert, die in einer Sumpflandschaft lebten. In anderen Geschichten war der Planet vollständig von Wasser ("The Oceans of Venus", 1954, Isaac Asimov) oder von Landmassen ("Sustained Pressure", 1953, E.F.Russell) bedeckt. Nach neueren Erkenntnissen durch Raumsonden wie Pioneer und Venera ist die Venus eine lebensfeindliche Wüstenwelt, die von einer geschlossenen, unter hohem Druck stehenden kohlendioxidhaltigen Wolkenhülle umgeben ist. Die Vorstellung einer Dschungelwelt mit Dinosauriern mußte begraben werden. 1961 schlug Carl Sagan in dem Journal "Science" vor, die Wolkenhülle der Venus mit widerstandsfähigen Mikroorganismen zu beimpfen, die mittels Photosynthese Kohlendioxid in Sauerstoff und Kohlenstoff aufspalten, um sie für Menschen atembar zu machen.

Merkur schien auch den SF-Schreibern durch seine Nähe zur Sonne nicht gerade lebensfreundlich zu sein. In Robert Silverberg`s "Sunrise on Mercury" (1957) beherbergt dieser Planet eine geschmolzene Form von Leben, während in Edmond Hamilton`s "Sunfire" (1962) dort Flammenwesen existieren.

Hinter dem Mars liegt der Asteroidengürtel. Viele SF-Stories handeln vom Rohstoffabbau in dieser Region, so Clifford D. Simak`s "The Asteroid of Gold" (1932) oder Robert Sheckley`s "Beside still Waters" (1953). Einige Hypothesen gehen davon aus, daß die Asteroiden Überreste eines größeren Planeten sind, der in ferner Vergangenheit zerbrach. Hierzu gibt es Geschichten von Brian Aldiss ("T", 1956) und Harry Harrison ("Plague Ship", 1969).

Hinter dem Asteroidengürtel liegen riesige Gasplaneten mit Methan-Ammoniak-angereicherten Atmosphären, die kaum für herkömmliches Leben geeignet erscheint. Attraktiver hingegen sind die Monde dieser Planeten. Die Jupitertrabanten Io, Europa, Ganymed und Callisto spielen in diversen Stories eine Rolle: Io war in Stanley Weinbaum`s "The mad Moon" (1935) eine heiße, dampfende Welt, Callisto besaß in "Monsters of Callisto" (1933) von Edward H. Hinton ein großes Meer, Ganymed wurde in "The Snows of Ganymede" (1955) von Poul Anderson zu einer erdähnlichen Welt umgeformt. In Arthur C. Clarke`s "A Meeting with Medusa" (1971) tauchte ein Ballon in die Atmosphäre von Jupiter selbst ein, und auch in "Bridge" (1955, James Blish) war der Planetengigant der Hauptschauplatz.

Eine Exkursion in die Atmosphäre des Saturn wurde von Harry Harrison in "Pressure" (1969) beschrieben. In Neil R. Jones` "Hermit of Saturn`s Rings" (1940) floh der Überlebende einer Raumschiffkatastrophe in das Ringsystem des Planeten, wo eine gasförmige Lebensform existierte. Der größte Mond des Saturn, Titan, war Schauplatz von Kurt Vonnegut`s "The Sirens of Titan" (1959) und Arthur C. Clarke`s "Imperial Earth" (1975).

Uranus und Neptun wurden selten in SF-Geschichten beschrieben. Stanley Weinbaum schilderte in "Planet of Doubt" (1935) eine seltsame Lebensform auf Uranus, und Neptun war in "A Baby on Neptune" (1929) von M.J. Breuer und C.W. Harris eine eisbedeckte Welt, die von gasförmigen Wesen bewohnt ist.

Der 9. Planet, Pluto, 1930 entdeckt, ist auch heute noch ein Rätsel für die Wissenschaftler. In Stanton A. Coblentz` "Into Plutonian Dephts" (1931) wurde er von einer bienenartigen Gesellschaft bevölkert. In "Construction Shack" (1973) von Clifford D. Simak war er ein Außenposten einer fortgeschrittenen Zivilisation, die einst das Sonnensystem erschaffen hatte.

Lange Zeit wurde hinter Pluto noch ein zehnter Planet vermutet. In Edmund Cooper`s "The Tenth Planet" (1973) war diese Welt eine Heimat für Flüchtlinge von der Erde. In Larry Niven`s "The Borderland of SOL" (1975) war Pluto ein verirrter Satellit von Neptun, und hinter Pluto wurden noch vier weitere Planeten entdeckt.

Die Voyager-Mission bereicherte unser Wissen um die äußeren Planeten des Sonnensystems, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun, bedeutend, aber nirgendwo wurden Hinweise für Leben entdeckt. Den SF-Autoren war das Sonnensystem sowieso schon recht frühzeitig zu eng geworden, und so ließen sie ihre Helden zu fernen Sternen fliegen.

Bereits im Jahre 1900 beschrieb R.W. Cole in "The Struggle for Empire" eine interstellare Raumschlacht zwischen unserem Sonnensystem und einem Planeten des Sirius.

In den 20er und 30er Jahren wurde das Universum zumindest literarisch erobert. In gigantischen Space Operas lieferten sich kosmische Supermächte Raumschlachten mit ultimaten Waffen. Besonders E.E. "Doc" Smith hatte mit seinen "Skylark"- und "Lensmen" - Serien entscheidenden Anteil an dieser Entwicklung. Ein anderer Autor dieser Richtung war Edmond Hamilton, in dessen Kurzgeschichtensammlung "Crashing Suns" (1928) ganze Sonnensysteme zerbarsten und dessen "Captain Future" - Reihe ein Vorläufer späterer SF-Serien war. Ähnliche Space Opera - Zyklen, die kosmische Konflikte beinhalteten, schrieben John W. Campbell ("Aarn-Munro" - Serie) und Jack Williamson ("Legion"-Trilogie). Später folgten die "Foundation" - Trilogie von Isaac Asimov und der "Cities in Flight" - Zyklus von James Blish.

Diese Space Operas waren vielfach in den Weltraum verlegte Wildwest-Abenteuer. Die Pferde wurden durch Raumschiffe ersetzt, der Revolver durch Thermostrahler, und statt Indianern waren Aliens die Todfeinde.

Diesen durch Konflikt und Spannung bestimmten Geschichten folgten aber bald Stories, bei denen die Faszination fremder Welten im Vordergrund stand. Isaac Asimov beschrieb in "Nightfall" (1940) einen Planeten, der sich in einem System mit mehreren Sonnen befindet. Für dessen Bewohner brach nur einmal in zwei Jahrtausenden die Nacht herein, als aufgrund einer speziellen Sonnenkonstellation eine Sonnenfinsternis entstand. Bei dieser Gelegenheit sahen die dortigen Menschen zum ersten Mal die Sterne.

In Hal Clement`s "Mission of Gravity" (1953) wurde ein Extremplanet mit einer hohen Gravitation beschrieben. Neuere Theorien über Neutronensterne und Schwarze Löcher verarbeitete Larry Niven in seinen Kurzgeschichten "Neutron Star" (1966) und "The Hole Man" (1974).

In Poul Anderson`s "The Ancient Gods" (1966) entdeckten Forscher einen Planeten am Rand der Milchstraße, deren Bewohner die von dort aus sichtbare wolkige Spirale der Galaxis als Gottheit anbeteten. "Starfog" (1967) vom gleichen Autor spielte im Innern eines Sternenclusters, in dem die Sonnen so dicht gepackt sind,, daß jegliche Navigation unmöglich ist.

Der Phantasie der Autoren waren keine Grenzen gesetzt, und so schufen sie Eis-, Wasser-, Wüsten-, Kristall-, Metall- oder auch erdähnliche Welten, auf denen meist auch fremde Lebensformen vorgefunden wurden.

Diese Wesen waren meist Mixturen aus bekannten irdischen Tieren oder Pflanzen. "Intelligente" Außerirdische wurden meist "humanoid", menschenähnlich, dargestellt,mit Kopf, Rumpf und ein paar Extremitäten. Zwar konnte das Äußere durch physikalische Umweltbedingungen (Schwerkraft, Klima) ein wenig verändert sein und die Mentalität durch historische und soziologische Gegebenheiten sich von der des Menschen unterscheiden, aber oft schien in den SF-Geschichten ein Anthropozentrismus durch, der den Eindruck erweckte, daß die Autoren den Menschen für das Maß aller Dinge hielten.

Nur selten wurden wirklich fremde Intelligenzen beschrieben. Ein Beispiel war der planetenumspannende Ozean in Stanislaw Lem`s "Solaris"(1961), der sich jeglichen Erklärungsversuchen irdischer Wissenschaftler widersetzte, ein anderes war die elektromagnetische interstellare Gaswolke in Fred Hoyle`s "The Black Cloud" (1957). Auch die psychedelische Schlußsequenz in Stanley Kubrick`s Film "2001 - A Space Odyssee" (1968) erzeugte ein Ahnung von etwas unvorstellbar Fremden.

Vielfach wurden in der Trivial-SF Aliens als Invasoren dargestellt. Der klassische Invasionroman war sicherlich H.G. Wells` "The War of the Worlds" (1898). In der Pulp-Ära wimmelte es dann von sogenannten "Bug-Eyed-Monsters", wie die glubschäugigen furchterregenden Fremden genannt wurden. Nach kurzer Unterbrechung wurde das Invasionsthema in den 50er Jahren, zur Zeit des Kalten Krieges, wieder populär. Filme wie "Invaders from Mars" (1953), "It came from Outer Space" (1953) oder "Invasion of the Body Snatchers" (1955) zeugten davon. Vielfach konnten die Außerirdischen auch Menschen übernehmen und in deren Gestalt auftreten, wie in John W. Campbell`s "Who goes there?" (1938) oder in Robert A. Heinlein`s "The Puppet Masters" (1951).

In anderen Fällen traten die Aliens als Erlöser oder Warner auf. In dem Film "The Day the Earth stood still" (1951), basierend auf der Geschichte "Farewell to the Master" (1940) von Harry Bates, tauchte ein Abgesandter vom Mars mit Namen Klaatu auf der Erde auf, um die Menschheit vor einem atomaren Wettrüsten zu warnen. In Arthur C. Clarke`s "Childhood`s End" (1953) verhalfen die Overlords, Außerirdische mit dem Aussehen von Teufeln, der Menschheit dazu, sich zu einer kosmischen Gemeinschaft fortzuentwickeln.

Vielfach fand die Begegnung mit den Aliens auch auf anderen Planeten statt, und selten verlief sie problemlos. Murray Leinster beschrieb in "First Contact" (1945) die Ängste vor einer falschen Reaktion der Fremden, die bei einem solchen Treffen entstanden. In "Proxima Centauri" (1935) tauchten fleischfressende Pflanzen auf, in "The Plants" (1946), ebenfalls von Leinster, erwies sich eine fremde Vegetation als ebenso gefährlich wie tierisches Leben. Pflanzliche Organismen beschrieb auch John Wyndham in "The Day of the Triffids" (1951), und in Arthur C. Clarke`s "Before Eden" (1961) wurden prähistorische Pflanzen auf der Venus entdeckt.

In den Pulp-Magazinen bedrohten oft insektenförmige Wesen in Gestalt von Ameisen und Heuschrecken die Menschheit. Faszinierende Aliens schuf Stanley G. Weinbaum. In "A Martian Odysssee" (1934) tauchten das straußenartige Wesen "Tweel", eine Tentakelpflanze sowie faßförmige Wesen auf.

Weitere Beispiele außerirdischer Lebensformen sind Drachen (Jack Vance: "The Dragon Masters", 1963), Reptilien (James Blish: "A Case of Conscience", 1958), Metallesser (Robert A. Heinlein: "The Star Beast", 1954) oder Methanatmer, wie die "Maahks" aus der Perry Rhodan-Serie. In J.R. Fearn`s "Waters of Eternity" (1953) war der Hyperraum von Drachen und lebenden geometrischen Symbolen bevölkert, vierdimensionale Entitäten existierten in Theodore Sturgeon`s "Ether Breather" (1939). In anderen Geschichten kamen Gas-, Flammen-, Energie- oder Geistwesen vor.

Bei den meisten außerirdischen Lebewesen in der SF ist Kohlenstoff das Basiselement; es kann sich aufgrund seiner vier Bindungselektronen mit vielen anderen Elementen verbinden. Leben auf Silizium-Basis beschrieb Isaac Asimov in "The Talking Stone" (1955). Der Physiker Gerald Feinberg und der Biochemiker Robert Shapiro vertraten in ihrem spekulativen Sachbuch "Life beyond Earth" (1980) die Ansicht, Leben könne sich auf Plasma, die Energie elektromagnetischer Felder, magnetischer Bezirke in Neutronensternen oder anderer System stützen. Letztlich kann man sich einen seit der Schöpfung existierenden Übergeist vorstellen, der alle Grundfelder der Natur umfaßt, für den also unser Universum ein Medium ist ähnlich wie das Gehirn mit seinen Nervenzellen das Medium für unseren Geist ist. Die ultimate Existenz schließlich ist der gottähnliche Sternenschöpfer, beschrieben in Olaf Stapeldon`s grandiosem "Star Maker" (1937).

Zeitreisen - Wells` Zeitmaschine und Einsteins Zeitdilatation

Die Zeit wird oft als vierte Dimension angesehen, als Ergänzung zu den uns bekannten drei räumlichen Dimensionen. Abe sie ist auch ein Maß des Zerfalls, der mit dem allmählichen Zerfall des Universums korrespondiert. Diese allmähliche Zunahme der Unordnung wird im Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik mathematisch formuliert.

Eine bekannte frühe Zeitreisestory war Mark Twain`s "A Connecticut Yankee in King Arthur`s Court" (1889), in der ein amerikanischer Waffenschmied durch einen Schlag auf den Kopf ins englische Mittelalter befördert wurde. 1895 schrieb H. G. Wells den Prototyp aller Zeitreisegeschichten: "The Time Machine". Der Protagonist reiste mit einer Zeitmaschine in die ferne Zukunft der Erde, die von zwei Rassen bewohnt ist.

Danach wurde die Zeitreisethematik von den SF-Autoren in allen möglichen Facetten abgehandelt. Die Vergangenheit bot ein unerschöpfliches Reservoir an Schauplätzen für solche Stories. In "Around a distant Star" (1904) von John Delaire entfernte sich ein Raumschiff mit Überlichtgeschwindigkeit von der Erde. Als die Besatzung schließlich mächtige Teleskope in Richtung Erde justierte, empfing sie Lichtwellen aus biblischer Zeit und konnte Jesus beobachten. Fast alle wichtige historischen Daten wurden in Zeitreisegeschichten benutzt, sei es die Ära der Dinosaurier, die Eiszeiten, das Römische Imperium oder das Mittelalter. Nur mit der Methodik der Zeitreise taten sich die Schreiber schwer. In Jack London`s "Before Adam" (1906) reiste der Held durch Träumen in die Vergangenheit, in W.W: Cook`s "Marooned in 1492" (1925) geschah dies mit Hilfe von Drogen. Die Methodik der "Mentalprojektion" während eines Trancezustands beschrieb Stanley G. Weinbaum in "The Circle of Zoo" (1936); er ging davon aus, daß die Zeit irgendwann in sich zurückläuft und sich alle Ereignisse wiederholen.

Was aber würde passieren, wenn die Vergangenheit durch einen Zeitreisenden verändert würde? In William Tenn`s "The Brooklyn Project" (1948) bewirkte ein Eingriff in die Vergangenheit, daß sich Menschen zu monströsen Wesen veränderten. Diese Umwandlung wurde jedoch nicht bemerkt, weil sich das Gedächtnis der Menschen mit verändert hatte. In Moorcock`s "Behold the Man" (1966) reiste der Protagonist in die Zeit der Kreuzigung von Jesus und wurde schließlich selbst zu diesem.

Obwohl in vielen Stories gerade durch den Eingriff der Zeitreisenden den Verlauf nahm, wie wir ihn heute kennen (häufig praktiziert in der Fernsehserie "Time Tunnel"), wurde die Gefahr von Zeitparadoxa klar gesehen. Was passierte, wenn ein Enkel in die Vergangenheit reiste und seinen Großvater tötete? Er würde nie gezeugt werden, könnte also nie in die Vergangenheit reisen, um seinen Großvater zu töten, der ihn dann doch zeugen würde usw... In "Ancestral Voices" (1933) von Nathan Schachner tötete die Hauptperson einen frühen Vorfahr, was dessen und anderer Nachfahren Tod zur Folge hat. Zwei berühmte Geschichten zum Thema Zeitparadoxon schrieb Robert A. Heinlein: In "By his Bootstrap" (1941) begegnete der Held sich selbst in verschiedenen Zeiten, in "All You Zombies" (1959) ließ der Protagonist in der Vergangenheit eine Geschlechtsumwandlung an sich vornehmen, schlief mit sich selbst und zeugte sich dann auch noch selbst - ein wahrer Egomane.

In "A Sound of Thunder" (1952) von Ray Bradbury reiste ein Mann in prähistorische Zeiten, um Dinosaurier zu jagen. Als er unabsichtlich einen Schmetterling tötete, hatte dies unerwartete Auswirkungen auf die Gegenwart - gewissermaßen die Vorwegnahme einer "temporalen Chaostheorie". In Robert Silverberg`s "Up the Line" (1969) wurden Besichtigungstouren in die Vergangenheit organisiert. Die beliebteste Tour war diejenige zur Kreuzigung von Jesus; im Laufe der Zeit sammelten sich aber am Berg Golgotha so viele Menschen an, daß diese sicherlich in den Geschichtsbüchern vermerkt sein müßten.

Neben der Vergangenheit bot auch die Zukunft interessante Perspektiven für Zeitreisende. In "When the Sleeper wakes" (1899) von H.H. Wells und "Looking Backward" (1888) von Edward Bellamy erwachten die Protagonisten nach jahrzehntelangem Schlaf und fanden sich in einer total fremden Zukunftswelt wieder. Als R.C. W. Ettinger im Jahre 1964 seine Schrift "The Prospects of Immortality" veröffentlichte, wollten sich viele Menschen "einfrieren" lassen, um in besseren Zeiten wiedererweckt zu werden. Ettinger beschrieb die Möglichkeit, den Körper von todkranken Menschen tiefzukühlen und auf diese Weise am Leben zu erhalten, um ihn dann irgendwann wieder aufzutauen, wenn die Medizin ein Heilmittel gegen die betreffende Krankheit entdeckt hat.

In anderen Geschichten wurden Menschen durch radioaktive Strahlen (Isaac Asimov: "Pebble in the Sky", 1950) oder durch Atomexplosionen (Robert A. Heinlein: "Farnhams Freehold", 1964) in die Zukunft geschleudert.

Einsteins Relativitätstheorie eröffnete die Möglichkeit einer Reise in die Zukunft unter Ausnutzung der "Zeitdilatation". James Blish beschrieb in "Common Time" (1953) die unmittelbar erfahrbaren Effekte dieser Zeitdehnung durch die Astronauten, während L. Ron Hubbard in "Return to tomorrow" (1950) die Auswirkungen einer solchen Zeitreise erörterte.

Eine weitere Version des Zeitthemas sind Reisen von der Zukunft in die Gegenwart. In Edmond Hamilton`s "The Time Raider" (1927) rekrutierte ein Besucher aus der Zukunft eine Armee von Kämpfern aus der irdischen Vergangenheit. In John Wyndham`s "Pawley`s Peepholes" (1951) verängstigten Touristen aus der Zukunft Bewohner der Gegenwart, in Noel Loomis` "If the Court pleases" (1953) wurde ein Zeuge aus der Zukunft in die Gegenwart transferiert, um vor Gericht einen Sachverhalt zu klären. In John Varley`s verfilmten Roman "Millenium" versuchten die Bewohner einer ökologisch verseuchten Erde der Zukunft, Menschen aus der Gegenwart zu entführen.

Da Veränderungen von Vergangenheit und Zukunft die Gefahr von Zeitparadoxa in sich bergen, wurden Institutionen erfunden, um solche Eingriffe zu verhindern. Eine solche "Zeitpolizei" beschrieb Poul Anderson in "Guardians of Time" (1960). In Isaac Asimov`s "The End of Eternity" (1955) verhinderte eine solche "Zeitkontrolle" allerdings die freie Entwicklung der Menschheit.

Nicht nur Reisen in der Zeit, sonder auch Veränderungen des Zeitflusses selbst waren Themen von SF-Stories. Bereits 1901 beschrieb H.G. Wells in "The new Accelerator" eine Droge, die die Stoffwechselvorgänge des Körpers beschleunigte, mit dem Resultat, daß die Zeit stillzustehen schien. Mit dem vollkommenen Zeitstillstand, der Stasis, beschäftigte sich auch J.G. Ballard in "The Voices of Time" (1960). In "The Crystal World" (1966) vom gleichen Autor bewirkte ein Zusammenstoß von Materie und Antimaterie ein Auslaufen der Zeit, was sich durch die Kristallisation organischen Lebens bemerkbar machte.

In "Cryptozoic" (1967) von Brian Aldiss war der Zeitfluß in die Vergangenheit gerichtet, in Philip K. Dick`s "Counter-Clock World" (1967) kehrte sich der Zeitablauf um, so daß Tote wieder lebendig wurden.

Ein interessantes Essay über Zeitreisen schrieb Larry Niven im Jahre 1971: "The Theory and Practice of Time Travel"; aber trotz aller hypothetischen Überlegungen und bizarrer neuer Theorien in Elemtarteilchenphysik und Kosmologie wird eine Zeitreise wohl niemals realisiert werden können.

Reisen in andere Dimensionen - Von Flatland zum Cyberland

Parallel- und Alternativwelten oder auch fremde Universen übten seit jeher eine große Faszination auf die Menschen aus. Der Hades, die Unterwelt der Griechen, und das Inferno, die Hölle in Dantes "Göttlicher Komödie" waren Orte, welche die Menschen fürchteten. Später wurden von Fantasy-Autoren seltsame Regionen im Dschungel Südamerikas, im Innern Afrikas, in Bergklöstern des Himalaya oder gar im Erdinnern entdeckt. Meist waren diese Welten von urweltlichen Tieren oder einer vergessenen menschlichen Zivilisation bewohnt, oft waren dort unermeßliche Schätze verborgen.

Die bekannteste dieser Welten war der verlorenen Kontinent Atlantis, der bereits von Platon erwähnt wurde. Eine der ersten Geschichten zu diesem Thema war Frank Aubrey`s "A Queen of Atlantis" (1899). In "The Sunken World" (1928) von Stanton A. Coblentz" wurde der Untergang der hochzivilisierten atlantischen Rasse beschrieben, die sich eine neue Heimat am Meeresgrund unter einem gigantischen Glasdom aufbaute. Umfassend wurde das Thema in dem Sachbuch "The Mystery of Atlantis" (1974) von Charles Berlitz abgehandelt. Eine Variation des Unterwasserwelt-Themas schuf Jack Williamson mit "The Green Girl" (1930), wobei unter dem Pazifik eine Pflanzenrasse existierte.

Auch der Mikrokosmos ist eine Welt der Mythen und Legenden. Die bekanntesten Miniaturwesen sind wohl die Liliputaner aus Jonathan Swift`s "Gullivers Travel" (1726). Der Pulp-Schreiber Ray Cummings verfaßte viele Geschichten zu diesem Thema, beispielsweise "The Girl in the Golden Atom" (1919). In "The Incredible Shrinking Man" (1957) von Richard Matheson wurde der Protagonist durch ein Insektenvertilgungsmittel immer kleiner. James Blish versuchte in "Nor Iron Bars" (1957) die Verkleinerung auf kernphysikalische Gründe zurückzuführen.

Fremde Dimensionen sind in SF-Geschichten nur schwer zu beschreiben. Bisher unerreicht blieb "Flatland: a Romance of many Dimensions" (1884) von Edwin Abbott, die Geschichte eines zweidimensionalen Quadrates, welches einen Ausflug in höhere Dimensionen unternahm. 1984 versuchte Rudy Rucker in seinem Sachbuch "The Fourth Dimension", höhere Dimensionen begreifbar zu machen. In vielen SF-Stories ist von einem Hyperraum die Rede, in dem Reisen mit Überlichtgeschwindigkeit möglich sind.

In "Another World" (1895) von J.H. Rosny-Ainè konnte ein Kind durch Veränderungen seiner Sinneswahrnehmungen in andere Dimensionen sehen. Edmond Hamilton beschrieb in "Locked World" (1929) eine Parallelwelt, in der sich die Elektronen in entgegengesetzter Richtung bewegen als auf der Erde. Eine Invasion aus einer fremden Dimension schilderte Murray Leinster in "The Fifth-Dimensional Catapult" (1931). In H.G. Wells` "The Plattner Story" (1896) entdeckte ein Mann eine vierdimensionale Welt, die von den Toten der Erde bewohnt ist, die im Moment ihres Todes in bizarren Körpern dort wiedergeboren wurden. Ein Universum mit anderen Naturgesetzen als den unsrigen beschrieb C.A. Smith in "The Dimension of Change" (1932).

Im "World of Tiers" - Zyklus (1965-70) von Philip Josè Farmer erschufen Halbgötter ihre eigenen Universen und bevölkerten diese mit Phantasiegestalten. Roger Zelazny verfaßte von 1971-76 den "Amber" - Zyklus. Amber ist eine Welt, von der unser Universum und andere Paralleluniversen die Schatten sind. Michael Moorcock schuf in diversen Zyklen (u.a. der Elric-Saga) ein Multiversum, welches eine Kette von Paralleluniversen darstellt. Der Energieaustausch zwischen zwei parallelen Universen war das Hauptthema von Isaac Asimov`s "The Gods Themselves" (1972).

Eine Alternativwelt ist eine Erde, in der die Geschichte von einem bestimmten Zeitpunkt an einen anderen Verlauf nahm als die Wirklichkeit. Die berühmtesten Romane zu diesem Thema sind "The Man in the high Castle" (1962, Philip K. Dick), in dem die Achsenmächte Deutschland und Japan den Zweiten Weltkrieg gewonnen haben, "Bring the Jubilee" (1962, Ward Moore), in dem die Südstaaten im amerikanischen Bürgerkrieg siegten, und "Pavane" (1968, Keith Roberts), in dem nach der Ermordung von Königin Elizabeth I Philip von Spanien den englischen Thron bestieg.

Als ultimate Form der phantastischen Reise in anderen Dimensionen und Universen kann man die Suche nach der Realität bezeichnen. Der Autor, der am nachhaltigsten das Wesen der Realität hinterfragte, war Philip K. Dick. Die Helden seiner Romane verlieren sich in den Labyrinthen verschiedener Wirklichkeitsebenen, ohne daß eine "objektive" Realität erkennbar wäre. Durch Drogen (The Three Stigmata of Palmer Eldritch", 1964), Tiefkühlen ("Ubik", 1969) oder Psychosen werden Menschen in Illusionswelten versetzt, aus denen es kein Entrinnen gibt.

Die technologische Entwicklung in der Zukunft - Beam me up, Scotty

Die Beschreibung fortgeschrittener Technologien war lange Zeit ein Hauptanliegen der SF-Autoren. Versuchten früher finstere Wissenschaftler ("mad scientist) mit geheimnisvollen Apparaturen ihre absolutistischen Machtansprüche durchzusetzen, so verlagerte sich später der Schwerpunkt auf die Schilderung gesellschaftlichen Auswirkungen und Gefahren, die eine neue Hochtechnologie nach sich zog. So wurde die Technik einmal als Schlüssel zum Paradies auf Erden abgesehen, ein andermal war sie ein Werkzeug des Teufels.

Für die Trivial-SF war der Krieg der Vater aller Dinge, obwohl angesichts der realen Existenz atomarer, biologischer und chemischer Waffen Thermostrahler und Antimateriebomben nur Ausdruck pubertärer Machtphantasien sind und die Pulpschreiber sich nie mit den schrecklichen Auswirkungen solcher Waffen ernsthaft auseinandergesetzt haben.

1893 sah George Griffith einen Weltkrieg mit Luftschiffen und Unterwasserbooten voraus ("The Angel of the Revolution", in H.G. Wells`"The Land Ironclads" (1903) kamen Panzer vor. Wells schilderte in "The World set free" (1914) einen Atomkrieg.

Die Entdeckung von Röntgenstrahlung und Radioaktivität beflügelte die Phantasie der SF-Autoren. Todes- und Hitzestrahlen gehörten bald zum Standardrepertoire der SF, beschreiben beispielsweise in Edmund Snell`s "The Z Ray" (1932) oder P.F. Westerman`s "The War of the wireless Waves" (1923). Paralysatoren, Blaster und Desintegratoren wurden zu gängigen Handwaffen, und bald erfanden "Doc" Smith ("The Skylark of Space", 1928), Jack Williamson ("The Legion of Space", 1934) und Edmond Hamilton Superwaffen, die ganze Raumflotten, Planeten oder Sonnensysteme mit einem Schlag vernichten konnten. In "The last Man" (1940) von Alfred Noyes zerstörte eine ultimate Waffe die ganze Welt, fünf Jahre später wurde der Zweite Weltkrieg durch eine Waffe beendete, die dasselbe konnte.

Das Waffengeschäft florieren ließ A.E. van Vogt in "The Weapon Shops of Isher" (1941) und "The Weapon Makers" (1943), eine Hymne an den Krieg verfaßte Robert A. Heinlein mit "Starship Troopers" (1959). Dem Einfallsreichtum der Autoren waren keine Grenzen gesetzt. In B. Prout`s "The Singing Weapon" (1945) versetzte eine Vibrationswaffe Moleküle in Schwingung und konnte dadurch jegliche Materie zerstören. In "Gateway to Darkness" (1949) beschrieb Frederic Brown eine Waffe, die Elektronen von ihren Bahnen in den Atomkern stürzen läßt, so daß schließlich eine Art Neutronenmaterie entsteht. Ein Planetoid kollabierte zu einem golfballgroßen Objekt. In Edmond Hamilton`s "Doomstar" (1966) wurden Gefechtsköpfe mit Kobaldisotopen in die Sonne geschossen; sie reagierten mit dem Sonnenatomen und ließen ein instabiles Isotop entstehen, welches die Sonne in eine gigantische Kobaldbombe verwandelte und alles Leben in der Umgebung zerstörte.

In Poul Anderson`s "The perfect Weapon" (1950) zerstörte eine Waffe alles Papier, so daß schriftliche Aufzeichnungen unmöglich wurden. In "Doomsday Morning" (1957) von C.L. Moore verhindert eine Waffe das Funktionieren von elektrisch betriebenen Maschinen. Und dann gab es noch "Friedensstrahler", welche das Denken von Wesen so veränderten, daß sie zu friedliebenden Geschöpfen wurden ("The Master Minds of Venus", 1934, W.K. Sonneman).

Auch die Beschreibung einer zukünftigen Energietechnologie war ein beliebter Plot der SF. Man sah schon früh voraus, daß fossile Energien wie Kohle, Erdöl oder Erdgas nicht die einzigen Energiequellen der Zukunft sein konnten, weil der Energiebedarf ständig wuchs. In Bulwer Lytton`s "The Coming Race" (1871) war "Vril", eine Art "atmosphärischer Magnetismus", die energiespendende Kraft für ein ganzes Volk. Auch die "Antigravitation" war eine beliebte Energieform, beispielsweise in Percy Greg`s "Across the Zodiac" (1880). Bald wurde die Atomenergie populäre, etwa in "Blowups Happen" (1940, Robert A.Heinlein), aber bereits in "Nerves" (1942, Lester del Rey) wurden Unfälle in Atomkraftwerken vorweggenommen.

Die photovoltaische Umwandlung von Sonnenenergie in Elektrizität beschrieb Heinlein in "Let there be Light" (1950), in Arthur C. Clarke`s "Sunjammer" (1964) wurde die Energie des Windes ausgenutzt.

Die Energie des Wasserstoffs, die Kernfusion oder auch die Energiegewinnung beim Zusammenprall von Materie und Antimaterie wurden in SF-Geschichten diskutiert, aber auch exotischere Möglichkeiten wie das Anzapfen Schwarzer Löcher oder die Energiegewinnung aus einem dimensional übergeordneten Hyperraum.

Ein weiteres breites Technologiefeld in der SF ist der Verkehr. Eisenbahn, Automobil, Flugzeug, Schiff und schließlich Raketen und Raumfahrzeuge haben die Welt kleiner werden lassen. Gehen ist in der Zukunft nicht mehr erforderlich, seitdem es "rollende Straßen" ähnlich den Transportbändern gibt, die sowohl Frachtgut als auch Personen befördern, wie in Heinlein`s "The Roads must roll" (1940) beschrieben. Für längere Reisen schlug Heinlein in "If this goes on" (1940) Atmosphärengleiter, Helikopter und Luftkissenfahrzeuge vor.

Eine bequeme und schnelle Transportform in der SF-Literatur sind "Materietransmitter", in denen ein Objekt in seine atomaren Bestandteile zerlegt, überlichtschnell durch den Hyperraum ans Ziel gesendet und in der Empfangsstation wieder in seine urprüngliche Form zurückverwandelt wird. Diese Methode ist sowohl für den Transport auf der Erde als auch für interstellare Reisen geeignet (Kenneth Balmer: "Behold the Stars", 1965). Eine bekannte Form der Materietransmission ist das "Beamen" in der Star Trek - Serie.

Ehemals futuristisch anmutende Projekte wie Hochgeschwindigkeitszüge, Überschallflugzeuge oder kilometerlange unterirdische oder unterseeische Tunnels sind heute fast schon Alltäglichkeit. Den größten Einfluß auf unser Alltagsleben gewann Ende des 20. Jahrhunderts die Kommunikationstechnologie. Computer, Glasfaser und Satelliten bildeten die Hardware für die Entstehung eines globalen Dorfes, in dem Multimedia, Datenautobahnen oder das Internet zu neuen Zauberwörtern wurden. Da mutet es fast schon nostalgisch an, daß Arthur C. Clarke bereits 1945 in "Extra Terrestrial Relays" Nachrichten- und Fernsehsatelliten prophezeite.

Roboter und Computer - R2D2, HAL und der Terminator

Roboter können definiert werden als bewegliche Blechkästen mit meist menschenähnlichem Aussehen, die selbständig denken und handeln können. Bereits die griechische Legende erzählt vom Metallmann Talos, der die Insel Kreta bewachte. Der Golem der jüdischen Legende, ein aus Lehm erschaffener Mensch, war der Vorläufer heutiger Androiden. E.T.A. Hoffmann beschrieb in "Der Sandmann" (1815) einen weiblichen Tanzroboter.

Die Mehrzahl der Roboter des 19. Jahrhunderts dienten zur Dekoration und Unterhaltung, erst später übernahmen sie Diensleistungsfunktionen. In "The Psychophonic Nurse" (1928) von David H. Keller übernahm ein Roboter die Kindererziehung für eine Mutter. Harl Vincent`s Geschichte "Rex" (1934) erzählte von einem Robotchirurgen, und Haushaltsroboter wurden in Frederic Pohl`s "The Midas Plague" (1954) beschrieben. Polizeiroboter kamen in Harry Harrison`s "Arm of the Law" (1958) vor, ebenso wie in den "Robocop" - Filmen, dort allerdings als Cyborg. In Kriegszeiten wurden Kampfroboter eingesetzt, in A.E. van Vogt`s "Final Command" (1949) kämpften sie gegen Aliens. Ihre körperliche Stabilität prädestinierte Roboter dazu, auch in vollkommen lebensfeindlichen Umgebungen zu agieren. In Isaac Asimov`s "Victory unintentionel" (1942) agierten sie auf der Jupiteroberfläche.

Asimov schrieb einige der berühmtesten Robotergeschichten, gesammelt in "I Robot" (1950). In "Liar" (1941), der fünften Episode des Buches, formulierte er die berühmten drei Robotgesetze:

  1. Ein Roboter darf kein menschliches Leben verletzen oder durch Untätigkeit gestatten, daß einem menschlichen Wesen Schaden zugefügt wird.
  2. Ein Roboter muß den ihm von einem Menschen gegebenen Befehlen gehorchen, es sei denn, ein solcher Befehl würde mit Regel (1) kollidieren.
  3. Ein Roboter muß seine Existenz beschützen, solange dieser Schutz nicht mit Regel (1) oder (2) kollidiert.

Das Wort "Roboter" tauchte erstmals in Karel Capek`s Bühnenstück "R.U.R." (1920) auf und leitete sich von dem tschechischen Wort "robota" für "arbeiten" ab.

In einigen Geschichten tauchten Roboter auf, die von fremden Wesen erschaffen wurden. In "The lost Machine" (1932) von John Wyndham wanderte ein Roboter vom Mars auf der Erde herum und fand sie so ungesund, daß er Selbstmord verübte. In Harry Bates` "Farewell to the Master" (1940) war ein Roboter überraschend der Herr des außerirdischen Sendboten Klaatu, der die Menschheit vor den Gefahren eines Atomkrieges warnte. In Kurt Vonnegut`s "The Sirens of Titan" (1959) strandete ein außerirdischer Roboter auf Titan und förderte die Entwicklung der menschlichen Zivilisation, um ein Ersatzteil für sein defektes Raumschiff zu bekommen.

Auch Roboterzivilisationen sind ein beliebtes Thema der SF. Meist sind sie in einer fernen Zukunft angesiedelt, wenn der Mensch ausgestorben ist, so in Brian W. Aldiss` "But who can replace a Man" (1958). In Fred Saberhagen`s "Berserker" - Serie zogen Kampfroboter durch die Galaxis, um alles Leben zu vernichten. In A.E. van Vogt`s "Automation" (1950) verdoppelten sich Roboter heimlich, bis sie stark genug waren, um ihren Erbauern den Krieg zu erklären.

Während beim typischen Roboter die mechanischen und elektronischen Teile überwiegen, setzt sich ein "Android" vorwiegend aus biologischen Komponenten zusammen. Ein "Cyborg" ist ein Mensch, dessen Körper bis auf sein Gehirn durch künstliche Teile ersetzt wurde.

Ein Roboter unterscheidet sich von einem Computer dadurch, daß er vorwiegend für mechanische Tätigkeiten erschaffen wurde, während ein Rechner schnell und zuverlässig "geistige" Arbeiten erledigt. Vorformen der Computer wurden bereits in den Pulp-Magazinen beschrieben. In Edmond Hamilton`s "The Metal Giant" (1928) wandte sich ein künstliches Hirn gegen seine Schöpfer. In John W. Campbell`s "The Machine" (1935) wurden Menschen vom Computer abhängig, und auch Gordon R. Dickson demonstrierte in "Computers don`t argue" (1965) die Gefahren eines zu großen Vertrauens in diese Maschinen. Auch der angeblich unfehlbare Supercomputer HAL wandte sich in dem Film "2001 - A Space Odyssee" gegen die Besatzung eines Raumschiffs und mußte schließlich abgeschaltet werden. In D.F. Jones` "Colossus" (1966) vereinigte sich ein Großcomputer der USA mit seinem Zwilling in der Sowjetunion und übernahm die Kontrolle über die Erde.

Olaf Johannesson beschrieb in "The Tale of the big Computer" (1966) die Entwicklung der Computer bis zu einem Zeitalter, in dem die Menschheit total von einer Maschinenintelligenz kontrolliert wurde. In E.C. Tubb`s "Production Job" (1956) brach eine außerirdische Intelligenz in unser Universum ein und integrierte sich in die fortgeschrittenen irdischen Computer, um eine neue Welt zu erschaffen.

Aber es gab auch "gute" Computer in der SF. F.G. Rayer schrieb eine Serie über die Entwicklung eines Supercomputers. Dieser spielte in "Deus ex Machina" (1951) einen Richter, übernahm in "Tomorrow sometimes comes" (1951) die Kontrolle über die Erde nach einem Atomkrieg und half in "The Peacemaker" (1952) im Kampf gegen eine außerirdische Invasion.

Isaac Asimov schilderte in "The Last Question" (1956) die Entwicklung eines ultimaten kosmischen Computers, der die Antwort auf die Frage geben soll, ob die Richtung der Entropie umgekehrt werden kann und ob das Universum vor dem Untergang gerettet wird. Am Schluß die Antwort: "Es werde Licht" - der Computer war zum Gott geworden.

Die Cyberpunk-Bewegung mit William Gibson`s "Neuromancer" als Schlüsselroman reflektierte neuartige Trends der Computerevolution, die Stories handeln von Direktverbindungen zwischen Mensch und Computer, Reisen durch Computernetze und von künstlicher Intelligenz.

Biologische Perspektiven - Kloning und Unsterblichkeit

Nachdem Charles Darwin im 19. Jahrhundert mit seiner Evolutionstheorie das Weltbild des Menschen entscheidend verändert hatte, kamen in den 50er Jahren unseres Jahrhunderts Watson und Crick mit der Entdeckung des genetischen Codes dem Geheimnis der Schöpfung auf die Spur. Der Traum von der Erschaffung künstlichen Lebens schien wahr zu werden, und auch der Traum von der Unsterblichkeit rückte in den Bereich des Möglichen, wenn man den Extrapolationen der Science Fiction Glauben schenkte.

Der klassische Roman über die Schaffung künstlichen Lebens ist Mary Shelley`s "Frankenstein" (1818). Der Protagonist, Dr. Frankenstein, setzte aus Organen von Toten ein Monstrum zusammen und erweckte es mit Hilfe elektrischer Energie zum Leben. H.G. Wells variierte das Thema in "The Island of Dr. Moreau" (1896), wobei ein verrückter Wissenschaftler versuchte, Tiere in Menschen umzuwandeln. In dem Essay "The Man of the Year Million" (1893) spekulierte Wells darüber, ob sich das Gehirn des Menschen in Zukunft weiter vergrößern und der Körper schrumpfen werde.

Aber Leben wurde nicht nur durch menschliche Eingriffe und die natürliche Evolution verändert, auch Röntgen- und kosmische Strahlen konnten durch genetische Veränderungen Mutationen entstehen lassen. In Edmond Hamilton`s "The Man who evolved" (1931) setzte sich ein Mann kosmischen Strahlen aus, so daß sein Gehirn riesig groß wurde und seine Intelligenz wuchs. Als weitere Strahlendosen auf ihn einwirkten, verwandelte er sich schließlich in Protoplasma; die Evolution war zyklisch verlaufen. In "Devolution" (1936) beschrieb Hamilton den umgekehrten Weg der Evolution: in der Vergangenheit besuchten hochentwickelte Außerirdische die Erde, entwickelten sich aber durch die intensive terrestrische Strahlung zurück. Ihre letzten Abkömmlinge sind die heutigen Menschen.

Die Atombombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki im August 1945 wurden zum Kainsmal der Wissenschaft. Auch in der SF-Literatur wurden die Folgen radioaktiver Strahlung ausführlich beschrieben. In Poul Anderson`s "Tomorrows Children" (1947) entstanden nach einem Atomkrieg bei Menschen und Tieren vor allem mutierte Nachkommen. Zwar versuchten Wissenschaftler, die Mutanten zu sterilisieren, dennoch waren sie bald gegenüber den normalen Menschen in der Überzahl. Judith Merril beschrieb in "That only a Mother" (1948) die Geburt eines mutierten Kindes, wobei die Mutter nicht wahrhaben will, daß sie ein schreckliches schlangenartiges Monster geboren hat.

In Stanley G. Weinbaum`s "Proteus Island" (1936) entdeckte ein Zoologe eine Insel, auf der alle Lebensformen mutiert sind, seien es Pflanzen, Insekten oder Wirbeltiere. Olaf Stapledon schilderte in "Sirius" (1944) einen Superhund, dessen Intelligenz die des Menschen überragte. In Poul Anderson`s "Brain Wave" (1953) stieg die Intelligenz der Tiere beim Durchgang der Erde durch ein kosmisches Kraftfeld an.

In Nat Schachner`s "The Ultimate Metal" (1935) wurde ein neues Metall mit phantastischen Eigenschaften entdeckt, welches sich schließlich zu metallischem Leben entwickelte.

Die Genmanipulation war natürlich ebenfalls ein beliebtes Thema der SF. In Aldous Huxley`s klassischer Dystopie "Brave New World" (1932) wurden auf diese Weise Menschen erzeugt, die für bestimmte Tätigkeiten besonders geeignet waren. In "The Seedling Stars" (1956) von James Blish wurden Menschen biologisch verändert, um sie für die Verhältnisse auf fremden Planetenoberflächen anzupassen. Das "Kloning", die Herstellung identischer Individuen aus einzelnen Zellen, wurde beispielsweise in Kate Wilhelm`s "Where late the sweet Birds sang" (1976) beschrieben.

Der uralte Menschheitstraum der Unsterblichkeit wurde in der SF auf verschiedenartige Weise realisiert, etwa durch seltsame Strahlen, Lebenselixiere oder technische Instrumente wie die "Zellaktivatoren" der Perry Rhodan - Serie. Abgehandelt wurde das Thema in Romanen wie "To live forever" (1956) von Jack Vance, "The Immortals" (1962) von James Gunn oder "Time enough for Love" (1973) von Robert Heinlein.

Die Fortschritte der Medizin waren ebenfalls ein beliebter Plot der SF, und Romane über unheimliche Seuchen, Organtransplantationen oder verrückte Ärzte wurden gern gelesen. 1886 erschien Robert Louis Stevenson`s Klassiker "Dr. Jekyll and Mr. Hyde", in dem durch eine Droge das negative Ich eines Wissenschaftlers hervorbrach. In Huxley`s "Brave New World" (1932) kamen Retortenkinder, konfliktverhindernde Drogen und Psychokonditionierung vor. In Richard Matheson`s "I am Legend" (1954) verwandelte ein Virus Menschen in Vampire. Murray Leinster ließ in seiner "Medship" - Serie (1957-63) eine medizinisches Raumschiff verschiedene Planeten anfliegen, um deren Bewohner zu behandeln. C.M. Kornbluth beschrieb in "The little black Bag" (1950) die Medizintechnologie der Zukunft. Ein riesiges interstellares Hospital war der Schauplatz der "Sector General" - Serie von James White. Michael Crichton verfaßte einige medizinisch inspirierte SF-Romane, so "The Terminal Man" (1972), in dem elektronische Kontrolleinrichtungen im menschlichen Gehirn implantiert wurden, oder "Coma" (1977), welcher von verbrecherischen Machenschaften bei Organspenden handelt.

Die Kräfte des Geistes - Vom Homo Gestalt zum Homo superior

Mutationen können nicht nur zu Veränderungen der körperlichen Struktur führen, sondern auch Gehirn und Geist beeinflussen. Dies führt entweder zu phänomenaler Intelligenz oder zu parapsychologischen Fähigkeiten wie Telepathie oder Telekinese. Dr. Joseph Rhine schuf in den 30er Jahren den Begriff "ESP" (Extra-Sensory Perception) und führte wissenschaftliche Experimente zum Gedankenlesen durch. Telekinetische Fähigkeiten wurden in den 70er Jahren populär, als Uri Geller in Fernsehsendungen Löffel und Gabel angeblich nur mit Hilfe rein geistiger Kräfte verbog.

A.E. van Vogt beschrieb in "Slan" (1940) eine Mutation, die dem Menschen physisch und geistig überlegen war und telepathische Begabungen hatte. Der Telepath in Robert Silverberg`s "Dying inside" (1973) hatte moralische Skrupel, mit seinen Gedanken in die Intimsphäre anderer einzudringen. In "The Demolished Man" (1953) verfolgte ein telepathisch veranlagter Polizist einen Mörder. Heilende Kräfte der Telepathie wurden von L.Ron Hubbard in seiner Geschichte "The Tramp" (1938) erörtert, wobei der Autor seine hier erwähnten Gedanken später zu der Wissenschaft der "Dianetics" ausweitete.

Wesen mit hypnosuggestiven Fähigkeiten, die kraft ihrer Gedanken andere Menschen beeinflussen konnten, wurden spätestens seit den Filmen um "Dr. Mabuse" populär. In Curt Siodmak`s "Donavan`s Brain" (1942) gewann ein kriminelles Gehirn Macht über einen Mediziner, der dessen Rachepläne ausführen soll.

Teleportation ist der sofortige Transport eines lebenden Objektes mit Hilfe psionischer Kräfte. Der berühmteste Teleporter ist Gully Foyle aus Alfred Bester`s Roman "The Stars my Destination" (1956). Wesen, die nicht nur durch den Raum, sondern auch durch die Zeit teleportieren können, beschrieb Anne McCaffrey in ihren "Drachenwelt"-Romanen (z.B. "Dragonflight", 1967). Eine ähnliche Methode, die "Astralprojektion", benutzte der Held in David Lindsay`s "A Voyage to Arcturus" (1920), um ein fremdes Sternensystem zu erreichen.

Die Fähigkeiten des Hellsehens bzw. der Vorhersehung sind selten Themen von SF-Geschichten, weil sie zu sehr mit Astrologie und Prophetie verhaftet sind. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts werden die zuweilen düsteren Prophezeiungen des Nostradamus populär. Eine etwas wissenschaftlichere Grundlage gab Robert Silverberg diesem Thema in ""The Stochastic Man" (1975), wo von einer statistischen Vohersehung die Rede ist, bei der von allen Möglichkeiten das Ereignis mit der größten Wahrscheinlichkeit eintritt.

Eine andere esoterisch anmutende Fähigkeit ist die Erinnerung an zurückliegende Ereignisse oder an ein früheres Leben. Reinkarnation und das kollektive Unterbewußtsein passen in diesen Zusammenhang, erwähnenswert sind hierzu Geschichten von David H. Keller wie "Unlocking the Past" (1928), in der sich ein Kind an Ereignisse aus früheren Leben zu erinnern begann und "The Lost Language" (1934), in der ein Junge plötzlich in einer fremden Sprache zu reden und zu schreiben begann, welches sich als eine alte Form des Walisischen herausstellte.

Auch die geistige Evolution wird in der SF-Literatur in verschiedenen Varianten geschildert. H.G. Wells spekulierte 1893 in seinem Essay "The Man of the Year 1000 000" über Menschen mit einem überdimensionierten Gehirn und einem verkümmerten Körper. Eine Entwicklungsgeschichte der Menschheit in den nächsten zwei Milliarden Jahren entwarf Olaf Stapledon in "Last and first Men" (1930); der gleiche Autor beschrieb in "Odd John" (1935) eine Spezies von Übermenschen. Die gleiche Thematik behandelte Stanley G.Weinbaum in "The New Adam" (1939). Hier scheiterte der Homo superior am Ende, weil er die Sinnlosigkeit des Lebens einsah. In E.F.Russel`s "Metamorphosite" (1946) mutierten Menschen zu Miniatursonnen und schließlich zu reinen Energiewesen. In "More than human" (1953) von Theodore Sturgeon fusionierten mehrere Mutanten mit besonderen Fähigkeiten und nahmen eine neue Daseinsform an, den "Homo Gestalt". In Poul Anderson`s "Brain Wave" (1954) vergrößerte sich die Intelligenz von Tieren und Menschen, als sich die Erde aus einem kosmischen Strahlungsfeld herausbewegte. A.E. van Vogt beschrieb Wesen mit vielen Spezialsinnen (The Silkie", 1969) und Superintelligenzen ("Supermind", 1977).

Ähnlich wie die Beschreibung anderer Dimensionen stößt aber ein solches Unterfangen auf unüberwindliche Schwierigkeiten: Wie soll ein SF-Autor mit seiner beschränkten menschlichen Intelligenz Wesenheiten mit ihrem Denken und Fühlen darstellen, die dem heutigen Menschen geistig unendlich überlegen sind?

Der Inner Space - LSD-Astronauten im Weltraum der Psyche

In den 60er Jahren versuchte die SF, neue Wege zu gehen. Der äußere Weltraum mit seinen Milliarden Sternen und Galaxien sowie fremde Dimensionen waren durchforstet worden, aber der Mensch selbst mit seinen Hoffnungen, Wünschen und Träumen war fast unberücksichtigt geblieben, er war ein Objekt im Gewirr kosmischer und gesellschaftlicher Ereignisse. Zu dieser Zeit forderte insbesondere der Engländer J. G. Ballard eine neue Richtung der Science Fiction, welche die menschliche Psyche in den Mittelpunkt stellte. Die Bewegung der "New Wave" setzte sich in der Folgezeit dann auch mit Drogenerlebnissen, Träumen, Psychosen und der Natur der Realität auseinander, was auch dem neuen Zeitgeist entsprach, in dem Rauscherlebnise unter LSD oder Meskalin und fernöstliche Religionen eine zentrale Rolle spielten.

Die "Inner Space" - Bewegung kündigte sich bereits in den 50er Jahre durch zwei der ganz großen SF-Autoren an: Alfred Bester und Philip K. Dick. Bester`s "The Demolished Man" (1952) war eine psychedelische Reise in das Unterbewußtsein eines Wirtschaftsbosses des 24. Jahrhunderts, der Kindheitserinnerungen und Rachegefühle verarbeiten muß, um schließlich geistig wiedergeboren zu werden. Auch in "The Stars my Destination" (1956, ebenfalls von Bester) vollzog der Held, Gully Foyle, eine innere Wandlung. Er wurde von der Besatzung eines Raumschiffs im All zurückgelassen, konnte sich jedoch retten, indem er zum Teleporter wurde. Von Rachegefühlen getrieben, rächte er sich an der Besatzung. Aber seine innere Einstellung wandelte sich, sein Destruktionstrieb kehrte sich in die Bereitschaft zur Liebe um, und er entwickelte sich zum einem geistig und moralisch überlegenen Übermenschen. Seine Sinne verschmolzen zu neuen Wahrnehmungen, die Bester durch stilistische Mittel unterstrich.

Nicht die Innenwelt selbst, sondern die Konfrontation dieser Innenwelt mit einer äußeren Realität, die sich langsam zersetzt und in die neue Wirklichkeiten hineinbrechen, ist das Generalthema in den Werken Philip K. Dick`s. In "Time out of Joint" (1959) verbrachte der Held seine Zeit mit dem Lösen von Kreuzworträtseln, bis er bemerkt, daß seine Umwelt Illusion ist und er in Wirklichkeit die Bahnen von Interkontinentalraketen berechnet. In "Eye in the Sky" (1957) erleben acht Menschen, die bewußtlos in einer Art Teilchenbeschleuniger liegen, subjektive Realitäten, die jeweils vom stärksten Bewußtsein der acht modelliert werden. Auch in seinen späteren großen Romanen ("The Three Stigmata of Palmer Eldritch", 1964; "Ubik", 1969) erfolgte eine langsame Demontage der Wirklichkeit.

Einer der Wortführer der New Wave war J.G. Ballard, dessen Werke durch Symbolik und bildhafte Sprache bestechen. In "The Astrocity Exhibition" (1970) erleidet der Protagonist einen Nervenzusammenbruch und erlebt in den Rollen symbolträchtiger Zeitgenossen surrealistische Ereignisse, in denen er mit Sex, Gewalt und Wahnsinn konfrontiert wird. Die Kurzgeschichtensammlung "Vermilion Sands" (1971) spielt in einem vom Zerfall bedrohten Wüstenkurort, in dem Maler, Literaten und Musiker ihren Träumen nachgehen.

In Brian W. Adliss` "Report on Probability A" (1968) beobachten verschiedene Personen ihre Welt und stellen Theorien über sie an. Hinter dieser vordergründigen Ebene befinden sich wiederum Beobachter, die die ursprünglichen Personen beobachten usw. Die Realität ist subjektiv und stellt sich jedem auf andere Art dar. In "Barefoot in the Head" (1969, ebenfalls von Aldiss) durchstreift ein junger Mann ein surrealistisches, durch psychedelische Bomben zerstörten Europa und wird zum Messias.

Auch Roger Zelazny schrieb zwei Schlüsselromane zur New Wave. In "The Dream Master" (1966) dringt ein Therapeut mit einer neuen Technik in das Unterbewußtsein einer Patientin ein, um sie zu heilen. Er verstrickt sich allerdings dort so sehr, daß es für ihn kein Entkommen mehr gibt. In "Lord of Light" (1967) herrschen die Nachfahren irdischer Raumfahrer auf einem fremden Planeten wie die Götter des hinduistischen Pantheons. Brahman, Vishnu, Shiva und andere bekämpfen sich, bis sich die Unterdrückten des Planeten erheben.

Eine psychedelische Reise durch die Mythen der Vergangenheit und Gegenwart ist das Thema von Samuel Delany`s "The Einstein Intersection" (1967).

Harlan Ellison wurde besonders durch seine Kurzgeschichten bekannt. In "Repent Herlequin, said the Ticktockman" (1965) rebelliert der Protagonist gegen ein Gesellschaftssystem, welches durch Zeitplan und Stechuhr bestimmt ist. In "A Place with no Name" (1969) flieht der Held vor der Polizei in eine Phantasiewelt, wo er ein neuer Prometheus wird.

Weitere wichtige Romane der 60er Jahre waren "Camp Concentration" (1968) von Thomas M. Disch, in dem an politischen Gefangenen ein Erreger ausprobiert wird, der deren Intelligenz steigert, "The Reproductive System" (1968) von John Sladek, eine Satire auf den Fortschrittsglauben Amerikas, wobei sich außer Kontrolle geratene Roboter über das ganze Land ausbreiten, sowie "Bug Jack Barron" (1967) von Norman Spinrad, eine Geschichte über Sex, Gewalt und Korruption in Politik und Medien.

Utopien und Dystopien - Schöne neue Welten und große Brüder

Utopia, der ideale Staat, in dem die Bewohner glücklich miteinander leben und alle Bedürfnisse erfüllt sind, ist ein wahrscheinlich von Menschen nie erreichbares Ziel, eher ein Wunschtraum, der aus der Unzufriedenheit mit dem jeweils bestehenden System resultiert. Locke und Montesquieu entwickelten ihre demokratischen Gesellschaftsentwürfe aus dem Bewußtsein der Ungerechtigkeiten eines absolutistischen Systems heraus, und auch die Sozialismustheorien von Marx und Engels waren eine Antwort auf die zunehmenden gesellschaftlichen Gegensätze einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung.

Das älteste Konzept eines utopischen Staates stammt von Platon, der im 4. Jahrhundert v.Chr. "Politeia" verfaßte. Platon legt darin ein gewaltiges Konzept eines in drei Stände gegliederten autarken Stadtstaats vor, welcher allerdings von unseren Vorstellungen weit entfernt ist und eher an Orwell erinnert: ein staatliches Erziehungswesen sorgt dafür, daß von frühester Jugend an die traditionellen Normen des Idealstaats gepflegt werden, Aufseher überwachen und kontrollieren das öffentliche Leben, die Kunst wird reglementiert und Auslandsreisen werden nur älteren Bürgern gestattet. Wer diesen "besten" Staat ändern will, ist entweder geistesgestört oder kriminell.

Der Begriff "Utopia" stammt von Thomas Morus, der 1516 ein Werk dieses Namens verfaßte, das eine Anklageschrift gegen die Zustände im England Heinrich VIII darstellt. Die Bewohner der Insel Utopia arbeiten nur sechs Stunden am Tag und widmen sich danach ihrer Familie, die in einem schönen Haus wohnt. Um nicht den Schein von Privateigentum aufkommen zu lassen, werden die Häuser alle zehn Jahre nach Los gewechselt. Es gibt unentgeltliche Speisehäuser, die Lehranstalten stehen jedem zur Verfügung, die Ehe ist unlöslich und es besteht Religionsfreiheit.

Im Kerker schrieb Tommaso Campanella seinen "Sonnenstaat" (Citta des Sole, 1623), eine Stadt mit sieben konzentrischen Ringen, die von einem Philosophen-König regiert wird. Es gibt nur Gemeineigentum, wissenschaftliche Erkenntnisse sind an großen Mauern niedergeschrieben, die Bewohner haben fliegende Maschinen und Schiffe ohne Segel entwickelt.

Francis Bacon schilderte in "The new Atlantis" (1627, Nova Atlantis) eine Kolonie in der Südsee, in der Wissenschaftler an Unterwasserschiffen und der Nachahmung des Vogelflugs arbeiten. 1772 erschien "L`An 2440" von Louis Sebastian Mercier: Der Erzähler erwacht im Paris des Jahres 2440 und wandert durch die Straßen und Plätze der Metropole. Es gibt Straßenbeleuchtung, Dachgärten und Verkehrspolizei, ein Museum demonstriert die Entwicklungsgeschichte des Menschen, die Medizin kann Gallensteine und Syphilis heilen, Armee und Prostitution sind abgeschafft.

Im 19.Jahrhundert erschienen drei große Utopien, die sich mit der Rolle von Wissenschaft und Technik in einer zukünftigen Gesellschaft auseinandersetzten: In "The Coming Race" (1871) von E. Bulwer-Lytton" und "Looking backward 2000 - 1887" (1888) von Edward Bellamy sind Wissenschaft und Technik Garanten für das Wohlergehen der Massen, während in Samuel Butler`s "Erewhon" (1872) alle Maschinen abgeschafft werden, da sie die Zukunft der Menschheit bedrohen.

In den Werken von H.G.Wells liegt es in der Hand des Menschen, das Utopia zu verwirklichen. In "A modern Utopia" (1905) entsteht nach mörderischen Kriegen ein neuer Weltstaat, in "Men like Gods" (1922) wird das Problem der Überbevölkerung durch strikte Geburtenkontrolle gelöst. Hugo Gernsback prognostizierte in "Ralph 124 C 41+" (1925 als Buch erschienen) eine Technik, die heute bereits realisiert ist: Tonbandgeräte, Mikrofilme, Bildschirmtelefone usw. Der Russe Iwan A. Jefremov entwarf in "Andromedanebel" (1957) das Bild einer kommunistischen Zukunftsgesellschaft, in der Forschung und Technik eine entscheidende Rolle einnehmen.

Die positiven Utopien wurden im 20.Jahrhundert allerdings selten. In "The Machine stops" (1909) beschrieb E.M. Foster einen Zukunftsstaat, in dem das Leben der Menschen total von Maschinen geregelt wird. Jewgenij Samjatin berichtet in "Wir" (1920) von einem Staat, der mit technischer Perfektion das Leben das Leben seiner Bürger bis ins kleinste Detail kontrolliert, sogar das Liebesleben. Aldous Huxley`s "Brave New World" (1932) ist eine Wohlstandsgesellschaft der Zukunft, in der Elend und Krankheit überwunden, in der aber auch Freiheit, Kunst und Humanität auf der Strecke geblieben sind; jede Art von Individualismus wird unterdrückt. Die berühmteste Anti-Utopie stammt von George Orwell: "Nineteen Eighty-four" (1949): ein totalitärer Staat, repräsentiert durch den "Großen Bruder", überwacht und kontrolliert seine Bürger vollkommen.

Kurt Vonnegut schilderte in "Player Piano" (1952) ein vollautomatisiertes Nachkriegsamerika, in dem ein Computer die gesellschaftliche Entwicklung bestimmt. In Ray Bradbury`s "Fahrenheit 451" (1953) ist das Lesen von Büchern verboten, da Bücher eine Gefährdung für den Staat darstellen und dieser das Denken und Handeln seiner Bürger kontrollieren will. "The Space Merchants" (1953) von Frederic Pohl und C.M. Kornbluth ist eine böse Satire auf den Kapitalismus, wobei gigantische Werbeagenturen die zukünftige Welt beherrschen.

Ein Portrait der Welt des 21. Jahrhunderts entwarf auch John Brunner mit "Stand on Zanzibar" (1968). Überbevölkerung, Drogen und die Macht internationaler Konzerne sind nur einige Themen des Buches. Das Problem der Umweltverschmutzung griff der gleiche Autor in "The Sheep look up" (1972) auf.

Katastrophen - Vom Mad Scientist zum Superterrorist

Katastrophen haben schon immer die Gemüter der Menschen erregt. In der Bibel kamen Sintflut und Heuschreckenplagen vor, im Mittelalter raffte die Pest einen Großteil der Menschen dahin, Mißernten riefen Hungersnöte hervor. In heutiger Zeit verpesten Umweltgifte Wasser und Luft, breiten sich unheimliche Seuchen wie AIDS aus, operieren Terroristen mit gigantischen Bomben und Giftgas.

So ist es kein Wunder, daß auch SF-Autoren mit Weltuntergangsängsten spielen. In "The Conversation of Eiros and Charmion" (1839) von E.A. Poe streift ein Komet die irdische Atmosphäre, ändert deren Zusammensetzung und löscht damit alles irdische Leben aus. In Richard Matheson`s "The Last Day" (1953) kommt es zum Chaos unter den Menschen, als bekannt wird, daß sich die Sonne zur Nova entwickelt. In Eando Binder`s "Life Disinherites" (1937) löst sich der Große Rote Fleck vom Jupiter und kollidiert mit der Erde. In A.M. Phillips` "The Death of the Moon" (1929) wird der Mond aus seiner Umlaufbahn geworfen, und in Nat Schachner`s "Beyond Infinity" (1937) wird das ganze Universum zerstört, als sich das Nichts immer mehr ausbreitet. In Michael Moorcock`s "Last Vigil" (1970) kollabieren Galaxien unter dem Gravitationsfeld von riesigen Quasaren. Die kondensierten Massen implodieren schließlich unter ihrem eigenen Gewicht, und ein neues Universum wird geboren. In Larry Niven`s "At the Core" (1966 ereignet sich im Zentrum der Galaxis eine Explosion, die den bewohnten Teil der Milchstraße mit tödlicher Strahlung überschwemmt. In Edmund Cooper`s "All Fool`s Day" (1966) treibt eine anwachsende Sonnenaktivität normale Wesen in den Selbstmord, während nur Psychopathen überleben. In J.G. Ballard`s "The Crystal World" (1966) führt die Kollision von Galaxien aus Materie mit solchen aus Antimaterie zu deren gegenseitiger Vernichtung, woraufhin der Zeitvorrat des Universums aufgezehrt wird und auf der Erde sich alles organische Leben in Kristallstrukturen umwandelt.

Die häufigsten Gründe für Katastrophen in SF-Geschichten sind jedoch nicht kosmische Naturereignisse, sondern Invasionen durch außerirdische Wesen. In H.G. Wells` "The War of the Worlds" (1897) stammen die Außerirdischen vom sterbenden roten Planeten Mars und wollen die Erde wegen ihrer Vorräte an Wasser und Luft erobern. Sie sehen aus wie Monster und setzen Hitzestrahlen gegen die Menschen ein. Dieses Thema wurde in der Folgezeit endlos ausgeschlachtet, bis zu den Comic Strips und Filmen unserer Tage ("Independence Day").

Aber auch zu diesem Plot entstanden ideenreiche Variationen: In Edmond Hamilton`s "The Moon Menace" (1927) wird die Erde plötzlich in totale Dunkelheit getaucht, die durch eine lunare Zivilisation verursacht wird, die nur im Dunkeln sehen kann. In "The Metamorphosis of Earth" (1949) von C.A. Smith wird die Wüste Sahara durch Invasoren von der Venus in einen Dschungel umgewandelt. In Thomas M. Disch`s "The Genocids" (1965) transformieren Fremde die Erde in eine gigantische Farm, indem sie Sporen aussäen, aus denen riesige grüne Pflanzen entstehen, die bald den ganzen Planeten bedecken.

Katastrophen können auch natürliche irdische Ursachen haben. H.G. Wells beschrieb in "The Empire of the Ants" (1905) eine Invasion durch Ameisen, in "The Mad Planet" (1920) von Murray Leinster bewirkt ein Klimawechsel ein gigantisches Insektenwachstum. In "The Day of the Triffids" (1950) von John Wyndham entwickelt eine künstlich gezüchtete Pflanzenart Intelligenz und vernichtet die Menschen. In Ward Moore`s "Greener than you think" (1946) überwuchert eine mutierte Spezies von Gras die Erde.

Auch J.G. Ballard schilderte einige globale Katastrophen. In "The Drowned World" (1962) kommt es durch eine Veränderung im Van-Allen-Gürtel zu einem Temperaturanstieg auf der Erde, wodurch die Meeresspiegel ansteigen und gemäßigte Zonen in Dschungelgebiete umgewandelt werden. In "The Drought" (1965) verhindert ein chemischer Film industrieller Rückstände die Verdunstung des Meerwassers, wodurch eine Dürrekatastrophe eintritt. Von einer neuen Eiszeit wird die Erde in Michael Moorcock`s "The Ice Schooner" (1969) heimgesucht.

Auch die SF-Autoren haben erkannt, daß der größte Feind des Menschen der Mensch ist und die Erde weniger durch kosmische oder irdische Naturkatastrophen als durch menschliche Handlungen und Unterlassungen bedroht ist. In der Pulp-Ära war es meist der "Mad Scientist", der verrückte Wissenschaftler, der durch seine gefährlichen Erfindungen die Existenz der Erde bedroht.

Bereits sehr frühzeitig wurde vor den Kräften des Atoms gewarnt. Atomar geführte Kriege waren das Thema von Robert Cromie`s "The Crack of Doom" (1895) und H.G.Wells` "The World set free" (1914). Robert A. Heinlein beschrieb in "Blowups Happen" (1940) die Gefahren der Nutzung von Atomkraftwerken, während es in Lester del Rey`s "Nerves" (1942) zu einer Explosion in einem solchen Kraftwerk kam. Die Konstruktion der Atombombe nahm Cleve Cartmill in "Deadline" (1944) vorweg. Sein Roman kam der Realität des Manhattan-Projekts so nahe, daß er vom FBI als Spion verdächtigt wurde.

Nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki entstanden eine Vielzahl von Geschichten zu diesem Thema, beispielsweise "Atom War" (1946) von Rog Philips und "Thunder and Roses" (1947) von Theodore Sturgeon.

Größere Popularität erlangten jedoch diverse Filme zu diesem Thema. "Dr. Strangelove" (1963) von Stanley Kubrick (basierend auf der Geschichte "Red Alert", 1958, von Peter George) ist eine bitterböse Satire auf den Wahnsinn des Rüstungswettlaufs. Ein verrückter Kommandant eines amerikanischen Luftwaffenstützpunktes schickt seine Bomberflotte in Richtung Rußland los und verursacht den Weltuntergang. "The War Game" (1966) ist ein fiktiver Dokumentarfilm über die schrecklichen Folgen eines Atombombenabwurfs in einer englischen Stadt. In den 80er Jahren entstanden mit "The Day after" (1983, USA) und "Briefe eines Toten" (1986, UDSSR) zwei eindringliche Filme zu dieser Horrorvision.

Aber auch die fortschreitende Umweltverschmutzung wurde zu einer Gefahr für die gesamte Erde. In Edmond Cooper`s "Seed of Light" (1959) ist die Erde durch den ansteigenden Kohlenmonoxidgehalt derart vergiftet, daß sich die Menschen in klimatisierte Kuppeln zurückziehen müssen. In Brian W. Aldiss` "Earthworks" (1966) ist die Erde total überbevölkert und durch Insektizide und Pestizide vergiftet. Auch in Don Pendleton`s "1989: Population Doomsday" (1970) hat der Mensch die Biosphäre zerstört. In "Brainreck" (1974) von Kit Pedler und Gerry Davis führen Autoabgase zum Absterben der Großhirnrinde des Menschen.

Einen umfassenden Überblick über die möglichen Apokalypsen, die die Menschheit bedrohen, gab Isaac Asimov in seinem Buch "The Choice of Catastrophes" (1979). Er diskutiert darin das zukünftige Schicksal des Universums, den Lebensweg der Sonne, irdische Katastrophen, die sich aus Klimaveränderungen, der Abbremsung der Erdrotation, der Umkehr des Erdmagnetfeldes, der Drift der Kontinente oder den Einschlag von Meteoriten ergeben; weiterhin die Bedrohung durch Infektionskrankheiten, Kriege sowie die Verknappung von Bodenschätzen und Energievorräten.

Doch die Wirklichkeit scheint die Prophezeiungen der SF-Autoren noch zu übertreffen: der Super-GAU von Tschernobyl, die Giftgasanschläge auf die U-Bahn von Tokio, AIDS- und Ebola-Viren, Bombenanschläge auf das World Trade Center in New York und eine Behördengebäude in Oklahoma City, gesprengte Passagierflugzeuge usw. Die Kastastrophenmeldungen häufen sich zum Ende des Jahrtausends.


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