Faszination Science Fiction von Dr. Robert Hector
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Faszination Science Fiction

Publikationsformen der SF-Literatur


Magazine

Science Fiction, wie sie heute bekannt ist, wurde erst möglich mit dem Aufkommen einer Unterhaltungsliteratur in Massenauflage, welches im 19. Jahrhundert einsetzte. Früher wurden dem "Gemeinen Volk" Geschichten nur mündlich überliefert: schriftlich fixiert wurde nur gehobene Literatur, die nur von denen genutzt werden konnte, die des Lesens mächtig waren und die auch Zeit dazu hatten. Als mit der Industrialisierung eine allgemeine Schulpflicht notwendig wurde, nahm die Zahl der Lese- und Schreibkundigen zu, dem Lesebedürfnis wurde mit Lese- und Leihbibliotheken sowie Lesegesellschaften Rechnung getragen.

Ab 1860 wurden durch technische Erfindungen sowie Rechtsverordnungen die Grundlagen für die Massenliteratur geschaffen. In jenem Jahr wurde der Holzzellstoff (wood-pulp) zur Papierherstellung entwickelt, 1862 die Komplettgießmaschine eingeführt, 1863 folgte die Rotationsdruckmaschine, 1884 die Setzmaschine, 1890 die Falzmaschine. Urheberschutzgesetze und Verlagsrechtgesetze wurden verordnet, durch Verbesserung des Post- und Verkehrswesens (Eisenbahn, Lastwagen) konnten Magazine an jeden beliebigen Ort gebracht werden.

Profitabler Einsatz der neuen Drucktechnik verlangte die Ausnutzung der Kapazität durch Gründung neuer Zeitungen, Magazine sowie höhere Buchauflagen. Kapazitätsauslastung und Konkurrenz wiederum führten zu neuen, leistungsfähigeren Produktionsmethoden.

Als besondere Publikationsform entstanden in den USA ab 1860 die "Dime Novel" (Groschenroman) und ab 1880 die "Pulps", auf billigem Papier gedruckte Magazine im Format 7 mal 10 Inch. In solchen Magazinen wurden auch Geschichten futuristischen Inhalts abgedruckt. Die "Frank Reade Invention - Stories" in dem Magazin "Boys of New York" von 1876 waren so populär, daß später in den Jahren 1892-1898 eine eigene Reihe unter dem Titel "Frank Reade Library" lief. Ende des Jahrhunderts wurden in solchen Magazinen auch Erzählungen von Verne und Welles abgedruckt.

Um 1900 lagen viele Magazine Amerikas in der Hand Frank Munsay`s. Das Abenteuer-Pulp "Argosy" bot Geschichten aller Art: Wildwest-, Seefahrer-, Kriegs-, Reise-, Fantasy-und auch Zukunftsstories. 1905 gab Munsay das "All Story Magazine" heraus, unter anderem mit Geschichten von Burroughs und Merritt.

Die Herausgeber der Pulps nahmen zunächst an, daß alle Abenteuergeschichten bei den Lesern gleich beliebt waren, aus den Leserbriefen ging jedoch hervor, daß es doch Unterschiede gab. In der Folgezeit erschienen Magazine mit Erzählungen zum jeweils gleichen Thema: 1906 kam "The Railroad Man`s Magazine" mit Eisenbahngeschichten heraus, 1907 "The Ocean" mit Seefahrergeschichten, 1908 begründete Hugo Gernsback, ein von Luxemburg nach Amerika ausgewanderter Erfinder, das populäre Wissenschaftsjournal "Modern Electrics", im August 1923 gab er davon eine spezielle "Scientifiction" - Ausgabe heraus.

Am 5. April 1926 erschien die erste Nummer von Gernsback`s "Amazing Stories", dem ersten reinen SF-Magazin. Zunächst enthielt es nur Nachdrucke von Verne, Wells und Poe, später kamen neue Geschichten hinzu. Zu Gernsback`s Entdeckungen zählten u.a. E.E. Smith ("The Skylark of Space) und Philip Nowlan, der Schöpfer von "Buck Rogers".

1929 mußte Gernsback nach einem Verkauf seine Gesellschaft verkaufen, brachte aber kurz darauf zwei neue Magazine heraus: "Science Wonder Stories" und "Air Wonder Stories".

William Clayton warf 1930 das SF-Magazin "Astounding Stories of Super Science" (Herausgeber:: Harry Bates) auf den Markt. Dieses Magazin besaß einige Vorteile: bessere Löhne für die Autoren, bessere Vertriebsmöglichkeiten, billigere Preise und ein populäres Format.

Die Themen der Magazine der frühen 30er Jahre waren Abenteuer und Mysterien, die Herausgeber bestimmten, was die erschien, die Autoren waren reine Lohnschreiber, die sich deren Wünschen beugen mußten. Durch die einseitige Verlagerung auf die Magazine verschwand die Science Fiction aus dem literarischen Blickfeld: das Genre wurde als trivial und einer Kritik nicht mehr würdig befunden. Gernsback hatte ein Ghetto geschaffen, die neu entstandene SF-Gemeinde war jedoch voller Enthusiasmus und Tatendrang: nachdem in Gernsback`s Magazinen Leserbriefe mitsamt Adresse der Schreiber abgedruckt wurden, entwickelten sich bald Briefkontakte und Clubs, Fanzines (Fan-Magazine) wurden herausgegeben, sogar Treffen unter Fans (Conventions) organisiert.

Ende 1937 wurde John W. Campbell Herausgeber von "Astounding". Er machte mit Ausnahme der populären Weltraumabenteuer Doch Smith`s der Space Opera den Garaus und verlangte von den Autoren einen höheren Schreibstandard, wobei sich der Inhalt der Geschichten weg von der Glorifizierung der Technik hin zur Darstellung der Beziehung Mensch-Technik wandelte. Die folgenden Jahre wurden zum "Goldenen Zeitalter" der Science Fiction; für "Astounding" schrieben Asimov, de Camp, del Rey, Heinlein, Sturgeon, van Vogt.

Infolge der durch den Kriegseintritt der USA 1941 verursachten Papierrestriktion starben viele Magazine aus, erst nach Kriegsende erfolgte eine gewisse Erholung.

Aber erst 1949 war in den USA der Beginn eines neuen Booms zu verzeichnen, gleichzeitig war dies der Anfang vom Ende für die Pulps, stattdessen wurden Magazine im Digest-Format (7 ¾ mal 5 ½ Inch) populär. In diesem Format erschien "The Magazine of Fantasy and Science Fiction" (F&SF), herausgegeben von Anthony Boucher, der die SF aus dem Ghetto-Dasein herausbringen und eine breitere Leserschaft ansprechen wollte.

1950 war das Geburtsjahr von "Galaxy", dessen Herausgeber eher auf Geschichten mit sozialem und psychologischem Hintergrund setzte und unter dem Autoren wie Blish, Kornbluth, Nourse und Sheckley schrieben.

Ende des Jahrzehnts war der Markt für Magazine übersättigt, viele wurden eingestellt. Paperbacks und Taschenbücher spielten eine immer größere Rolle, und die Ära der Magazine ging langsam zu Ende. In Großbritannien erschien 1964 "New Worlds", das bald von Michael Moorcock übernommen und zum Organ der "New Wave" wurde, in dem mit neuen sprachlichen und inhaltlichen Möglichkeiten experimentiert wurde.

Bedeutende Magazine jener Zeit Jahre waren auch "Science Fantasy" (ein Gefährte von "New Worlds"), "Analog" (welches aus "Astounding" hervorging), "F&SF", "Galaxy", "If" (das sich später mit "Galaxy" vereinigte), "Nebula Science Fiction" und "Fantastic Universe".

Nach 1970 beherrschte die SF in Buchform die Szene, und die Magazine gerieten ins Hintertreffen. Dennoch blieben sie ein Forum, auf dem neue Talente entdeckt wurden. Bedeutend ist derzeit "Isaac Asimov`s Science Fiction Magazine". Asimov schrieb darin bis kurz vor seinem Tod Leitartikel, 1986 hatte Gardner Dozois die Redaktion übernommen. In den letzten Jahren erschienen Geschichten so bedeutender Autoren wie Orson Scott Card, Lucius Shepard, Robert Silverberg, Connie Willis und Roger Zelazny.

"Omni" enthält eine Mischung aus Erzählungen, pupulärwissenschaftlichen Artikeln und Graphiken und hat eine Auflage von über einer Million. "Interzone" wurde zu einem Forum für jüngere Autoren, von denen einige später Berühmtheit erlangten: Greg Egan, Stephen Baxter oder Ian McDonald.

Aus Frankreich stammt "Antares", aus Deutschland "Alien Contact", halbprofessionale Magazine aus Osteuropa sind "Ikarie" (Tschechien), "Anticipatia" (Rumänien), "String" (Rumänien) oder "Fantastyka" (Polen).

Bücher

Nachdem Vorläufer der modernen Science Fiction wie Shelley, Verne oder Wells in Buchform publiziert hatten, wurde mit dem Aufkommen der Magazine die Buchproduktion in diesem Genre fast völlig eingestellt. Nur die Fantasy-Romane von A. Merritt wurden weiterhin verlegt, und Edgar Rice Burroughs gründete einen eigenen Verlag, um seine Werke veröffentlichen zu können. Bewährtes von Verne, Wells, Haggard oder Conan Doyle wurden neu aufgelegt, selten erschienen aktuelle Romane wie "Last and first Men" von Stapledon (1930) oder "Brave new World" von Huxley (1932).

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Buchproduktion zu. Der Verleger Thomas P. Hadley gab 1946 die erste Buchausgabe von "The Skylark of Space" heraus, 1947 folgte Joh W. Campbell`s "The Mightiest Machine". Shasta Publishers in Chicago veröffentlichten Campbell`s "Who goes there" (1948), Hubbard`s "Slaves of Sleep" (1948) und die ersten drei Bücher von Heinlein`s "Future History". Gnome Press publizierte SF-Klassiker wie Asimov`s "I Robot" (1950) und die Foundation-Trilogie (1951-53).

Viele dieser auf Science Fiction spezialisierten Verleger gingen bankrott, doch um 1950 war SF bei einem weiten Publikum gefragt, und viele der führenden US-Verleger begannen, SF in ihr Programm aufzunehmen. Einer der ersten war Frederick Fell aus New York, der 1949 "The Best Science Fiction STories" herausgab. 1950 wurde Doubleday & Co zum führenden US-Verleger und gab Asimov`s "Pebble in the Sky" heraus. 1952 wurde Donald Wollheim Herausgeber für die Ace Paperback Line, im gleichen begann Ballantine Books ebenfalls SF zu verlegen. 1972 etablierte Wollheim seine eigene SF-Verlagsgruppe DAW Books, die zusammen mit Ballantine, Avon und Berkley den amerikanischen Markt anführte.

Um die Größenordnungen der amerikanischen SF-Publikationen zu verdeutlichen, hier einige Zahlen aus dem Jahr 1985: Insgesamt wurden 1332 Titel phantastischen Inhalts herausgegeben, davon 389 Hardcover, 184 großformatige Paperbacks und 759 Taschenbücher. 715 Erstveröffentlichungen standen 617 Nachdrucke gegenüber. Unter den Originaltiteln waren 249 SF-Romane, 177 Fantasy-Romane, 74 Sekundär- und Nachschlagewerke, 64 Anthologien, 48 Kurzgeschichtensammlungen eines Autors, 39 Romane zum Film bzw. Rollenspiel, 28 Kunstbücher, 20 Sammelbände, 16 weitere Bücher. Die produktivsten Verlagsgruppen waren Ace/Putnam/Berkley mit 237 Titeln, Tor Books mit 102, Ballentine/Del Rey/Fawcet mit 100 und DAW mit 80 Titeln.

Diese Aufstellung ist umso bemerkenswerter, da etwa 90 Prozent der jährlich in anderen Ländern herausgegebenen SF-Titel Übersetzungen angloamerikanischer Werke sind, so daß die SF heutzutage weltweit ein fast rein amerikanisches Geschäft ist.

Eine Sonderform der Bücher stellen die Anthologien dar, Sammlungen von Stories von verschiedenen Autoren. Eine der ersten phantastischen Sammlungen war "The Moon Terror & Other Stories" (1927) mit Horrorgeschichten, die erste "richtige" SF-Anthologie war "Adventures to come" (1937, geschrieben von fast gänzlich unbekannten Autoren.

Deswegen setzen die meisten Historiker das Jahr 1941 als Geburtsjahr der SF-Anthologie an; in jenem Jahr gab Philip Stong "The Other World" heraus, mit Geschichten von Sturgeon, del Rey, Binder und Lovecraft. Erwähnenswert auch zwei von Donald Wollheim übersetzte Sammlungen, "The Pocket Book of Science Fiction" (1943) und "The protable Novels of Science" (1945). Groff Conklin gab 1946 die Anthologie "The Best of Science Fiction" mit Werken von Heinlein, Simak, Sturgeon und Wells heraus, und wurde zu einem der führenden Anthologisten der 50er Jahre. Im gleichen Jahr erschien "Adventures in Time and Space", die auf 997 Seiten jeden damals bekannten SF-Autor enthielt. 1949 starteten Bleiler / Dikty ihr regelmäßig jährlich erscheinendes "Best Science Fiction". In der Folgezeit wurden auch viele Stories aus den Pulp-Magazinen in Anthologien veröffentlicht.

Um eine Anthologie inhaltlich geschlossener zu machen, wurden Sammlungen unter einem Oberthema herausgegeben. Groff Conklin brachte Werke zu den Themen Dimensionen, Denkmaschinen, Mutanten, Raumfahrt und Medizin. Martin Greenberg verfaßte Artikel zur Eroberung des Weltraums, Geschichte des Menschen und zu Robotern.

Manchmal wurden auch Anthologien eines einzigen Autor herausgegeben, manchmal auch die besten Stories eines Jahres. Es erschienen auch Originalanthologien mit Geschichten, die speziell für solche Sammlungen geschrieben wurden, wie Wollheim`s "The Girl with the hungry Eyes" (1949) oder die "Star Science Fiction Stories", herausgegeben von Frederick Pohl, die als Serie erschien. Bedeutende Anthologien sind auch Damon Knight`s "Orbit" (1966), Harlan Ellison`s "Dangerous Visions" (1967, 72), Robert Silverberg`s "New Dimensions" und Terry Carr`s "Unverse" (1971). Viele Stories aus Anthologien gewannen Preise, obwohl Anthologien nicht so erfolgreich sind wie die Romane.


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