| Faszination Science Fiction von Dr. Robert Hector |
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Viele der eingefleischten Anhänger der Science Fiction meinen, Fandom sei ein "Way of Life", und es ist interessant, auf welche vielseitigen Aktivitäten sich diese Anhängerschaft stützt. Betrachten wie einmal den typischen Weg vom SF-Leser zum SF-Fan:
Lesen und Sammeln von SF ist der erste Schritt zum Fandom. Dann folgt das Schreiben eines Leserbriefs an ein Magazin, einen Buchverlag oder einen Autor. Die Veröffentlichung eines Leserbriefs ist meist der erste Schritt zur Kontaktaufnahme mit anderen Fans. Existiert bereits ein SF-Club in der näheren Umgebung eines Leserbriefschreibers, so wird dieser dann auf ein Clubtreffen eingeladen. Entschließt sich der Schreiber dann, die Clubtreffen regelmäßig zu besuchen, ist er bereits mitten drin im Fandom. Fandom ist die Gemeinschaft aktiver SF-Fans, die sich in Clubs zusammengeschlossen haben und miteinander kommunizieren.
Meistens bleibt es allerdings nicht bei Clubtreffen. Conventions oder kurz "Cons" werden veranstaltet, um SF-Anhänger aus der weiteren Umgebung kennenzulernen und mit ihnen zu diskutieren. Diese Cons finden auf regionaler, nationaler, kontinentaler und auch weltweiter Ebene (Worldcon) statt, auf denen neben Diskussionen auch Autorenlesungen, Filmvorführungen, ein Quiz, Preisverleihungen, Modeschauen und ähnliche Dinge geboten boten. Auf diese Weise nimmt das Fandom natürlich Einfluß auf Autoren und Verlage und wird zu einem wichtigen Bestandteil des Phänomens Science Fiction.
Hugo Gernsback schrieb in der Ausgabe von "Amazing Stories" vom Juni 1926, daß die SF-Fans, die sein Magazin kauften, kaum Möglichkeit zur Kontaktaufnahme untereinander hätten. Um diesen Zustand zu verbessern, ermunterte er die Leser zum Schreiben von Diskussionsbeiträgen, und druckte diese Artikel dann mit voller Anschrift des Verfassers ab. Daraufhin schrieben sich die Leser auch untereinander, und es war wiederum Gernsback, der die Entstehung von Briefclubs förderte.
Von hier aus war es dann nur noch ein kleiner Schritt bis zur Bildung des ersten "richtigen" SF-Clubs, den "Scienceers". Gernsback stimulierte die Entwicklung weiter mit Preiswettbewerben und führte in "Wonder Stories" 1934 die "Science Fiction League" ein, die bald eine breite Anhängerschaft hatte. Daraus entstanden bald unabhängige lokale Gesellschaften, wovon die "Los Angeles Science Fantasy Sodiety" (LASFS) zum ältesten überlebenden SF-Club wurde.
In Großbritannien ging die Entwicklung ähnlich rasch voran. 1931 gründete dort Walter H. Gillings den ersten SF-Club, die "Ilford Science Literary Society". 1937 wurde die landesweite "Science Fiction Association" ins Leben gerufen, aus der die "British Science Fiction Association" (BSFA) hervorging.
Die ersten Clubs waren klein, aber sie vollzogen schnell den ersten Schritt des Fandoms: die Herstellung von Fanzines, das sind Amateurzeitschriften, die als Kommunikationsmittel und Diskussionsforum dienten. Die ersten Beispiele dieser Amateurpublikationen stammen von Siegel und Shuster (den späteren Schöpfern von "Superman"), die 1929 "Cosmic Stories" und "Cosmic Stories Quaterly" herausgaben, von denen allerdings keine Exemplare mehr erhalten sind. Der "Science Correspondence Club" produzierte "The Comet", die "Scienceers" "The Planet", das meistgerühmte frühe Fanzine war allerdings Allen Glasser`s "The Time Traveller" (1932/33), an dem auch der spätere "Big Name Fan" Forrest J. Ackerman mitarbeitete.
Der Inhalt der Fanzines war vielfältig, die meisten enthielten Illustrationen unterschiedlichster Qualität, einen Leitartikel, eine Leserkontaktseite, Stories, populärwissenschaftliche Beiträge, Artikels übers Fandom, Rezensionen von SF-Werken oder anderen Fanzines.
Die ersten Fanzines waren handgeschrieben und wurden mit Hilfe von Kohlepapier vervielfältigt, später folgten mechanische Druckverfahren wie Mimeographie und Hektographie, in den 50er Jahren dann Lithographie und Offset-Druck, allerdings galt dies nur für die größten und einflußreichsten Fanzines.
Die Clubaktivitäten beschränkten sich allerdings nicht auf die Herstellung von solchen Clubmagazinen. Diskussionen über neuere SF-Ereignisse fanden statt, gemeinsame Kinobesuche, Bücherbesprechungen, manche versuchten sich mit Raketenstarts, und in jüngerer Zeit sind Computer- und Rollenspiele populär geworden. Nicht zu vergessen sind natürlich der Besuch oder gar die Veranstaltung von Cons.
1936 fand in Philadelphia der erste, schnell organisierte Con statt, der allerdings kaum typische Programmpunkte enthielt. 1937 wurde in Leeds ein von der "Science Fiction Association" organisierter Con veranstaltet, der in Großbritannien zu einem jährlichen Ereignis wurde. Auch das Philadelphia-Treffen wurde von nun an jährlich durchgeführt, ähnliche Veranstaltungen fanden in anderen Teilen der USA statt. Durch Poster in Büchereien und Treffhalle wurde versucht, neue Mitglieder zu werben. Die Anzahl der Teilnehmer an den Cons betrug zwischen 10 und 50 Personen, auf einem von Sam Moskowitz und William S. Sykora in Newark (New Jersey) 1938 abgehaltenen Treffen fanden sich 125 Teilnehmer ein.
Dies veranlaßte die Organisatoren, 1939 anläßlich der New Yorker Weltausstellung den ersten "Worldcon" zu veranstalten, der von nun an jährlich stattfand. Allerdings wurden die ersten "Weltcons" jeweils nur von Einheimischen aus der näheren Umgebung besucht, erst 1947 kam eine Anzahl von Fans aus Toronto nach Philadelphia, so daß dies der erste internationale Con war. Der erste Worldcon außerhalb der USA fand 1948 in Toronto statt, der erste außerhalb Nordamerika 1957 in London, der erste in einem nicht englisch sprechenden Land 1970 in Heidelberg.
In den USA finden jährlich Hunderte von Cons statt, teilweise mit Tausenden von Fans. Wichtige Treffpunkte sind Los Angeles, Boston, Baltimore und Philadelphia. Bekannte regelmäßige Treffen in Großbritannien sind der "Eastercon", der jedes Jahr zu Ostern in jeweils einer anderen Stadt abgehalten wird, un der "Novacon" in Birmingham. Der Eurocon, der seit 1972 veranstaltet wird, bringt Fans aus West- und Osteuropa zusammen.
Filme sind die Hauptattraktionen solcher Cons, dazu kommen Diskussionen, Vorträge von Autoren und Fans, ein Bankett, Maskenball, Versteigerung von SF-Gegenständen, Mitgliederversammlungen und die Vergabe von Preisen. Der etablierteste Preis ist der "Hugo"-Award, benannt nach Hugo Gernsback, der zuerst 1953 und ab 1955 jährlich auf dem jeweiligen Worldcon verliehen wird. Dabei wird der beste Roman, die beste Kurzgeschichte, das beste Fanzine, der beste Künstler und auch der beste Fanautor ausgezeichnet, manchmal gibt es noch weitere Unterteilungen.
Der seit 1966 von der Schriftstellervereinigung SFWA (Science Fiction Writers of America) vergebene Nebula Award basiert auf der Idee eine jährliche Anthologie-Reihe von Originalstories herauszugeben, genannt "The Science Fiction Hall of Fame".
Weitere wichtige Preise sind der John W. Campbell Award für den besten neuen Autor (seit 1973), und der "Grand Master of Fantasy" (Gandalf) Award (seit 1974) für den besten Fantasy-Autor.
Die meisten Preise werden auf Cons verliehen, die Nominierung und Abstimmung geschieht durch die registrierten Mitglieder. Teilweise gibt es Geldpreise, teilweise Trophäen.
Eines der Hauptanliegen der Cons ist es jedoch, daß die Fans untereinander Kontakte knüpfen bzw. diese durch die regelmäßigen Treffen aufrechterhalten, und so ist es kein Wunder, daß auch informelle Cons ohne großes offizielles Programm recht beliebt sind.
Unterdessen finden auch Cons statt, die nur bedingt zur SF zu zählen sind: Mythcons, eher für Fantasy-Freunde gedacht, Comicons für Anhänger von Comics, oder Filmcons. Sehr bekannt und immer stark besucht sind die Star Trek - Cons, auf denen sich die "Trekkies", die Anhänger der Fernsehserie um das Raumschiff Enterprise, einfinden. Kostümierungen sind an der Tagesordnung, fast immer sind Schauspieler zugegen, und die gesamte Merchandising Palette wird angeboten.
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