| Faszination Science Fiction von Dr. Robert Hector |
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Die Science Fiction hat in Deutschland eine großartige Tradition, erwähnt seien Kurt Laßwitz oder Fritz Lang. Nach dem Zweiten Weltkrieg dominierten amerikanische Werke, originär deutsche SF entstand später auf dem Heftromansektor. Heute wird der deutsche SF-Markt von wenigen Verlagen bestimmt, im Bereich der Taschenbücher vor allem von Heyne, weniger von Bastei. Bei Heyne ist eine zunehmende Dominanz von Serientiteln wie "Star Trek", "BattleTech" oder "Shadowrun" zu beobachten, erfolgreichere Romane (etwa "Hyperion" von Dan Simmons) tauchen gar nicht mehr unter dem Label SF, sondern in der allgemeinen Reihe auf. Der Verlag VGS hat sich auf Hardcover-Ausgaben von Fernsehserien wie "Akte X", "Earth 2" oder "Babylon 5" spezialisert. Deutsche Autoren sind in den Verlagsprogrammen nur wenige bis gar keine zu finden. Einzig die Heftromanserie "Perry Rhodan" ist ein originär deutsches Produkt.
Qualitativ hochstehend ist der Hörspielsektor, mit einem zahlenmäßig kleinen, aber anspruchsvollen Publikum. Ein größeres Publikum erreichen inzwischen deutsche Filmregisseure wie Roland Emmerich und Wolfgang Petersen, die ihr Glück in Hollywood fanden.
Reflektionen zur SF fanden sich in Zeitschriften wie der "Science Fiction Times" (inzwischen eingestellt) oder in Artikelsammlungen wie dem "Quarber Merkur" von Franz Rottensteiner. Ein semiprofessionelles Nachrichtenmagazin ist "Science Fiction Media". In neueren Magazinen wie "Space View" oder "Moviestar" werden vor allem amerikanische Fensehserien und Filme vorgestellt.
An Lexika erwähnenswert sind das "Lexikon der Science Fiction -Literatur" (Heyne), "Reclams Science Fiction Führer" (Reclam) sowie die Loseblattsammlung "Lexikon der Phantastischen Literatur" von Joachim Körber (Corian).
Das Fandom konzentriert sich um die Serien "Perry Rhodan" und "Star Trek", ein serienübergreifender Verein ist der "Science Club Deutschland" (SFCD).
Science Fiction ist in Deutschland ein beliebtes Genre, wobei sicherlich die meisten Anhänger jüngeren Lebensalters sind (vor allem die Fans der Fernsehserien und Filme), aber auch ein großes Stammpotential von "Altfans" vorhanden ist, die sich eher von Romanen faszinieren lassen. In den folgenden Artikeln werden die Geschichte sowie einzelne Facetten der deutschen SF näher betrachtet.
Science Fiction in Deutschland vor dem Zweiten Weltkrieg
Die Wurzeln der deutschen Science Fiction können bis ins 17.Jarhhundert zurückverfolgt werden. Der Astronom Johannes Kepler reflektierte in "Somnium" (1634) über Lebensformen auf dem Mond. "Der abenteuerliche Simplizissimus" (1669) von Johann Jakob Christoffel von Grimmelshausen enthält Episoden über utopische Gesellschaften ebenso wie über eine Reise zum Mond. Abenteuerliche Zukunftsgeschichten wurden in Johann Gottfried Schnabels "Insel Felsenburg" (1741-43, anderer Titel: "Wunderliche Fata einiger Seefahrer") erzählt. Weitere utopische Novellen aus dem 18.und frühen 19.Jahrhunert waren "Dreyerley Wirkungen: eine Geschichte aus der Planetenwelt" (1789) und "Urania: Königin von Sardanopalien im Planeten Sirius" (1790), beide von Johann Friedrich Ernst Albrecht. "Die Schwarzen Brüder" (1791-95) von Heinrich Zschokke ist eine Trilogie einer Geheimgesellschaft; im 24. Jahrhundert wird die Menschheit als einer Art Lebensstock für Außerirdische benutzt.
Von E.T.A. Hoffmann, dem bedeutendsten Autor der Schwarzen Romantik, stammt die Geschichte "Der Sandmann" (1816), eine der ersten Roboter-Stories: sie erzählt von einem Dr. Coppelius, der einen menschenähnlichen Automaten konstruiert. "Die Elixiere des Teufels" (1815) behandeln in düsterer Manier das Thema einer Bewußtseinsspaltung.
Der erste eigentliche Pionier de deutschen SF war Kurd Lasswitz, dessen Hauptroman "Auf zwei Planeten" (1897) war. Es ist die Geschichte de Konfrontation der irdischen und marsianischen Kultur, wobei die Zivilisation vom Mars technisch und ethisch höher entwickelt ist. Lasswitz sah die ethische Entwicklung als abhängig vom wissenschaftlich-technischen Fortschritt; seine Zukunftsvision enthält einige erstaunliche technologische Voraussagen über Raumstationen, Rollende Straßen, synthetische Werkstoffe und Nahrungsmittel, Solarzellen transportable Häuser oder ein "Retrospektiv", mit dem vergangene Ereignisse sichtbar gemacht werden können.
Neben der Weitsichtigkeit der technischen Extrapolationen besticht das Werk durch den hervorragend herausgearbeitete Konflikt zwischen den Menschen und den auf einer höheren Entwicklungsstufe stehenden Marsbewohnern, die in utopischer Absicht die Ideale Immanuel Kants verkörpern ("Numenheit" = Sittlichkeit) und die von habgierigen und säbelrasselnden Machthabern regierten Menschen. Die humanistische und pazifistische Tendenz des Romans ist unverkennbar gegen den vorherrschenden Zeitgeist des "Hurra-Patriotismus" gerichtet.
Von dem amerikanischen SF-Experten Anthony Boucher ist der Einfluß von "Auf zwei Planeten" auf die deutschen Raketenpioniere wie Wernherr von Braun hervorgehoben worden; literarische Einflüsse auf H.G.Wells oder Hugo Gernsback sind wahrscheinlich.
Das Werk von Paul Scheerbart (1863-1915) zeichnet sich durch skurille Visionen und exotische Phantasien aus; am bekanntesten wurden der Roman "Lesabendio" (1913) und die Storysammlung "Astrale Noveletten" (1912).
Schauplatz de "Astralen Noveletten" ist der Kosmos, die handelnden Personen sind in der Regel bizarr ausfabulierte Extraterrestrier. In "Zack und Sidi und der große Kopf" werden Bewohner des Asteroiden Ceres beschrieben, deren Leidenschaft die Hohlspiegelmalerei ist, eine Ausdrucksform, in der Kunst und Wissenschaft zusammenfließen. Zack und Sidi sind darüber hinaus noch von der "Sehnsucht nach dem großen Unbekannten", das sich hinter ihrer Welt verbirgt, besessen. In "Professor Kienbaums Abenteuer" trifft ein Neptunwesen - "Trillionen mal dünner als ein Spinngewebsfaden" - auf einen deutschen Professor und weiht diesen in die Geheimnisse von Kosmos und Materie ein. So heißt es: " Es sind die Sterne große lebende und denkende Wesen - ja selbst die Sternschnuppe ist ein denkendes Wesen." Und die sich selbst bewegende Erde ist das leibhaftige Perpetuum mobile. In "Steuermann Malwu" ist der Asteroid Vesta von undurchsichtigen Wolken umhüllt, die den Bewohnern die Sicht auf das geheimnisvolle Unbekannte versperren. Die Vestabewohner leben auf schwimmenden Inseln inmitten eines elektrisierten Meeres. Die schwimmenden Inseln stoßen öfter zusammen und verursachen dadurch Katastrophen. Schließlich werden die Bewohner auf die mit stahlähnlichen Konstruktionen gesicherten Leuchttürme des Asteroiden umgesiedelt. So sind die Vestaianer dem unbekannten "Höheren" nähergekommen und haben viel Zeit zum Denken und Schreiben, was ihrer Mentalität nahekommt.
Auch in "Lesabendio" dreht sich alles um das "Höhere". Das Ziel der Pallasianer, der Bewohner des Asteroiden Pallas, ist die Verschmelzung mit dem Größeren, dem Lesabendio. Lesabendio war der erste Pallasianer, der auf die Idee kam, die Welt als eine Ingenieur zu erforschen und zu verändern, statt lediglich dem Kunstgenuss nachzuhängen. Ein zehn Meilen hoher Turm wird errichtet, um die "große weiße Wolke" zu erforschen und letztlich verschmilzt Lesabendio selbst mit dem Größeren, dem Universum. Lesabendio entdeckt das "Wichtigste der großen Sonnenphilosophie": größte Selbständigkeit anzustreben und gleichzeitig darauf bedacht sein, sich dem Größeren unterzuordnen.. Der Tod nimmt dabei eine zentrale Rolle ein als harmonischer Übergang in ein "Höheres".
So gehören zu den immer wiederkehrenden Motiven in Scheerbarts Phantastik das Streben und die Suche nach dem Anderen, dem Neuen, dem Höheren, das mittels Kunst und Wissenschaft zu erkennen gibt. Immer ist der Erkenntnisprozeß auf die Vervollkommnung der Kunst und des eigenen Wesens bis hin zur Verschmelzung mit dem Höheren gerichtet, nie ist Wissenschaft Selbstzweck.
Zukunftsabenteuer im Stile eines Jules Verne wurden durch Robert Kraft und F.W.Mader publiziert. Kraft beschrieb in seiner Kurzgeschichtensammlung "Aus dem Reiche der Phantasie" (1901) Reisen in die Steinzeit und zum Mond. Dies war der Beginn der Groschenheft-Ära. Typische Buchveröffentlichungen von Kraft waren "Im Panzermobil um die Erde" (1906), "Im Aeroplan um die Erde" (1908), "Der Herr der Lüfte" (1909), "Die Nihilit-Expedition" (1909) oder die Post-Holocaust-Story "Die neue Erde"
F.W. Mader schrieb Abenteuergeschichten für Jugendliche, die häufig in Afrika spielen, in der Tradition eines H. Rider Haggard. Bekannt wurden "Die Messingstadt" und das Weltraumabenteuer "Wunderwelten" (1911)
Weitere SF-Autoren dieser Zeit waren Oskar Hoffmann ("Mac Milfords Reisen im Universum", 1902; "Unter Marsmenschen", 1905; "Die vierte Dimension", 1908), Robert Heymann ("Der unsichtbare Mensch vom Jahr 2111", 1909; "Wunder der Zukunft", 1909), Carl Grunert ("Der Marsspion und andere Novellen", 1908) oder Albert Daiber ("Vom Mars zur Erde", 1910).
Eine der erfolgreichsten SF-Serien dieser Zeit im Bereich des Groschenromans war "Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff" (1908-1911), ein von einem anynomen Autor geschriebenes Periodikum mit insgesamt 165 Abenteuern. An Jules Verne anlehnend ließ der Autor den geheimnisvollen Kapitän Mors mit seiner aus Indien rekrutierten Mannschaft vielfältige Abenteuer auf der Erde und im Weltraum bestehen. Mit seinem lenkbaren Luftschiff durchlebt der Luftpirat Abenteuer auf fremden Planeten und Asteroiden. Bewohner von Mars und Venus tauchen auf, Kristallroboter und Ungeheuer treiben ihr Unwesen. Die abenteuerliche Handlung, farbige Titelbilder und Rißzeichnungen machten diese utopisch-phantastische Heftserie zu einem Klassiker.
Zwischen den beiden Weltkriegen war der wissenschaftlich-technische "Zukunftsroman" in Deutschland sehr populär. Bekanntester Autor war Hans Dominik (1872-1945), dessen fast 20 Bücher insgesamt eine Millionenauflage erreichten. Seine erste Geschichte war "Die Macht der Drei" (1922), es folgten Romane wie "Atlantis" (1925), "Der Brand der Cheopspyramide" (1926), "Das Erbe der Uraniden" (1928), "Befehl aus dem Dunkel" (1933); "Ein Stern fiel vom Himmel" (1934) oder "Himmelskraft""(1939).
Dominiks Romane sind technisch orientiert, wobei die Elektrizität eine große Rolle spielt. Immer wieder wird der Elan des deutschen Ingenieurs betont: "Wo clevere deutsche Ingenieure eine Erfindung machen, erweist sich stets, daß sie dazu dient, der Welt zu zeigen, wer man ist,.". Die Charaktere werden idealisiert dargestellt, und Ausländer werden selten vorurteilsfrei gesehen.
Andere repräsentative Verräter des "Zukunftsromans" waren Rudolf H.Daumann ("Gefahr aus de Weltall", 1939; Protuberanzen", 1940), Stanislaw Bialkowski, Karl August von Laffert ("Der Untergang der Luna", 1920; "Feuer am Nordpol", 1924; "Flammen aus dem Weltraum", 1927), Hans Richter ("Der Kanal", 1923; "Turmstadt", 1926; "Ozeania 3000 PS", 1928), Walther Kegel und Otfried von Hanstein ("Der Kaiser der Sahara", 1922; "Elektropolis", 1927; "Mond-Rak 1, 1929).
Ein weiterer populärer Autor dieser Zeit war Freder van Holk, ein Pseudonym von Paul Alfred Müller, der auch als Lok Myler veröffentlichte. Er schrieb die erfolgreichen Groschenheftserien "Sun Koh, der Erbe von Atlantis" (1933-36, 150 Ausgaben) und "Jan Mayen" (1935-39, 120 Ausgaben)
Sun Koh war der Erbe der untergegangenen Kultur des mythischen Kontinents Atlantis. Er taucht - ohne Gedächtnis - plötzlich nachts in London auf. "Blitzschnell branden die Ereignisse hoch, ungeheure Prophezeiungen raunen, die Welt hält den Atem an. Im Wirbel unerhörter Abenteuer kämpft ein Mann gegen verbrecherische Schurkerei, satanische Bosheit und verwirrende Irrlichter mächtiger, geheimnisvoller Feinde um seine Bestimmung. Über das tosende, brüllende Chaos der Wolkenkratzer wie über versunkene Riesenstädte verschollener Völker rasen die Sensationen. Spitzenergebnisse letzter wissenschaftlicher Forschung, uralte Weisheit interessanter Grenzgebiete, modernste Technik und kaum geahnte Erfindungen werden zu furchtbaren Waffen dieses Kampfes voll hinreißender Wucht und atemberaubender Spannung. Riesige Schätze, Macht, Haß und Liebe sind die Einsätze, aber hinter ihnen dämmert als wahres Ziel ein versunkener Erdteil, das sagenumwobene Atlantis." (Einleitende Sätze des Leipziger A. Bergmann-Verlags).
Mit der "Jan Mayen"-Serie versuchte Paul A. Müller an den Erfolg von "Sun Koh" anzuschließen. Deutsche Wissenschaftler tauen durch Spiegel im Weltraum Grönland auf - und Supermann Jan Mayen führt die Leser durch phantastische Abenteuer.
Ein weiterer bemerkenswerter Autor der Vorkriegsära war Otto Willi Gail (1896-1956). Gail stand ständig in Kontakt zu den damaligen Raumfahrtpionieren Hermann Oberth und Max Valier, und so zeichneten sich seine Romane durch große technische Detailtreue aus.. In seinen bekannteren Romanen geht es um die Reise zum Mond. "Der Schuß ins All" (!925) handelt von einem Prestigewettlauf zwischen Deutschen und Russen zum Mond, in "Der Stein vom Mond" (1926) wird der Erdtrabant erreicht,, und in "Hans Hardts Mondfahrt" (1928) schleicht sich ein Journalist an Bord eines Weltraumschiffs. Alle drei Romane wurden ins Amerikanische übersetzt und hatten einen nicht zu unterschätzenden Einfluß auf die dortige SF-Szene.
Der im Ausland bekannteste deutsche SF-Autor dieser Zeit war Thea von Harbou, die zusammen mit Ehemann, dem Regisseur Fritz Lang, an Filmklassikern wie "Metropolis" (1926) und "Die Frau im Mond" (1929) mitwirkte. Außerdem arbeitete sie an dem Filmen "Das Testament des Dr. Mabuse", "M - eine Stadt sucht ihren Mörder" und "Das indische Grabmal" mit.
"Metropolis" entstand mit einem Aufwand von fünf Millionen Mark und 36 000 Statisten und trieb die Ufa fast in den Bankrott. Metropolis, eine Superstadt der Zukunft, wird von dem Großkapitalisten Joh Fredersen beherrscht. Während eine kleine Oberschicht einen aufwendigen Lebensstil führt, vegetieren die Massen der Arbeiter im Elend dahin und schuften unter unvorstellbaren Bedingungen in unterirdischen Fabriken, deren Zeittakt von Maschinen bestimmt wird. Eine Liaison zwischen dem Kapitalistensohn Freder und der Arbeiterführerin Maria führt nach dramatischen Auseinandersetzungen zu einem Kompromiß zwischen Fabrikanten und Arbeitern.. Lang schuf eine mythologische Zukunftsvision, die perfekt mit der faschistischen Ideologie übereinstimmte. Aber vor allem blieben die phantastischen Kulissen der Zukunftsstadt im Gedächtnis der Zuschauer hängen.
Friedrich Fleksa schrieb mit "Druso: Oder die gestohlene Menschheit" (1931) einen von rassistischen und faschistischen Untertönen gefärbten Roman, in dem es um eine Rasse von Supermenschen geht. Im politischen Gegensatz dazu steht Werner Illings sozialistische Zukunftsvision "Utopolis" (1930), die auch als Satire auf Personen und Konflikte der Weimarer Zeit ausgelegt war.
Eine grandiose Dystopie stellt Paul Gurks "TUZUB 37. Der Mythos von der grauen Menschheit oder von der Zahl 1" (1935) dar. In der Ära der letzten Menschheit verfolgen die herrschenden Kräfte das Ziel, alle organischen und anorganischen Strukturen der Erdenwelt in ein absolut berechenbares Korrelat eines beherrschbaren Weltsystems zu transformieren, in dem alle Relationen bis zu den Metastrukturen auf die Zahl 1 zurückzuführen sind. Die unberechenbaren Äußerungsformen des Lebens und der Natur gilt es auf das mathematisch Greifbare zu reduzieren. Die Menschen sind das unterschiedslose graue Geschlecht. Jeder erhält gleich viel und ist gleich groß, jeder ist die Zahl 1. Die Erde ist planiert, von grauem Leichtmetall und Schienen bedeckt, in gleichgroße Quadrate aufgeteilt. Über der Erde hängt ein geladenes, dichtmaschiges Netz. Es gibt keine Vögel, keine Bäume, keinen Wind mehr.
Der Plan der evolutionären Vollendung, vom Menschen zur Menschmaschine zur Maschinenmaschine, geht einer mit der Ausräumung der letzten Unwägbarkeiten: der Meere und der Gebirge. Als hybrides Symbol wird TUZUB 37 gebaut, ein ungeheurer, in den Himmel ragender Turm. Dann bricht die Apokalypse über die verdammte Welt herein. Unter den Verzweiflungsschreien der Menschenmaschinenmassen "Gebt uns eine Seele" entfaltet sich die Rache der vergewaltigten Lebenskräfte, der Erde, des Wassers, der Luft. Das letzte Leben der Erde stirbt.
Gurk untermalt das surrealistische Geschehen mit imaginären Gesprächen der letzen lebenden Wesen, Tiere und Pflanzen, eines Dichters und eines Philosophen in den Schaugefängnissen der grauen Menschen und der geisterhaft-mystischen Kommunikation von Luft- und Bergdämonen, der Seelen des Meeres und des uralten Landes.
Die 26 Buchstaben des Alphabets betiteln in Reihe die 26 Kapitel des Romans, sie stehen im Gegensatz zur formelhaften Erstarrung der Sprachwelt de grauen Menschheit, In gnadenloser Konsequenz charakterisiert der Autor die extrapolierte Maschinenwelt in kurzem schlagwortartigen Sätzen, formelhaften Aussagen, bewußten Monotonien, in Verzicht auf Farbigkeit.
1919 wurde "Balthasar Tipho" von Hans Flesch veröffentlicht. Auf dem Stern Karina hat eine Menschenrasse die Zustände einer kapitalistischen Weltordnung bis in ihre letzten Konsequenzen fortentwickelt. Die Gesellschaft ist durch äußerste Gegensätze geprägt, und der Despot Balthasar Tipho vertritt den Geist des Planeten in seinem Extrem. Doch existiert in diesen Lebewesen ohne Emotion eine Sehnsucht nach tieferem Erleben, als es Genuß, Macht oder Prachtentfaltung sein können. Tipo erfährt, daß er als letzte verdorbene Äußerung eines elitären kapitalistischen Systems dazu gezüchtet wurde, diese Gesellschaft zu desavouieren..
Der Roman verkündet expressionistische Zivilisationskritik und das Ende der Menschheit durch eine autark gewordene Technik und ihre hypertrophen gesellschaftlichen Entsprechungen.
Alfred Döblin, Autor von "Berlin Alexanderplatz", experimentierte in zwei Romanen mit SF-Themen: "Wadzek`s Kampf mit er Dampfturbine" (1918) und "Berge, Meere und Giganten" (1924). In letzterer Geschichte beschreibt er in Manier eines Olaf Stapledon die Geschichte der Menschheit bis ins 27.Jahrhundert. Der Mensch wird immer abhängiger von der Technik, neue Mechanismen der Unterdrückung entlehnt,. Die Ausübung von Macht wird immer leichter, etwa durch Kontrolle der Energieströme, welche die Stadtstaaten versorgen. Als Nahrungsmittel knapp werden, müssen die Menschenmassen künstlich ernährt werden. Statt der erhofften Befreiung bringen die Maschinen die Unterdrückung aller individuellen Regungen. Rebellionen gegen die Maschinen scheitern, alles treibt perfektionierter Entfremdung zu.
Im Osten entsteht eine Gegenbewegung, und es kommt zu einem verheerenden Krieg mit Strahlenwaffen. In das verwüstete Land dringen allmählich Chinesen und Mongolen ein., In Berlin sabotieren die Machthaber rdas eigene System, bis hin zur Massenvernichtung, um der Überbevölkerung Herr zu werden. Es kommt zu neuen technischen Großtaten - Landgewinnung aus dem Meer, Auftauen der Eisgebiete - doch die Natur rächt sich mit der Wiederentstehung von Tieren und Pflanzen aus der fernen Erdvergangenheit: Saurier und andere Ungeheuer greifen die Zivilisation an, die ihrerseits gigantische Mutanten erschaffen, um bestehen zu können. Die menschlichen Städte werden unter die Erde verlegt, und zum Schluß kriechen die Überlebenden daraus hervor.
Dieses utopisch-visonäre Werk spiegelt die Ratlosigkeit und den Pessimismus der damaligen Zeit angesichts der sich abzeichnenden technischen und gesellschaftlichen Umwälzungen wider.
Curt Siodmak verfaßte etwa zehn Romane, die dem SF-Genre zuzurechnen sind, darunter "F.P.1 antwortet nicht" (1931), der 1933 von der UFA mit Hans Albers verfilmt wurde und der von einer Plattform im Atlantik handelt, sowie die phantastischen Kriminalromane "Stadt hinter Nebeln" (1931),"Rache im Äther" (1932) und "Die Macht im Dunkeln" (1937). Wegen der Nazis emigrierte er in die USA, wo er als Verfasser von Filmdrehbüchern, als Regisseur und Produzent bekannt wurde. Großen Erfolg hatte der Roman "Donavan`s Brain" (1943), in dem es um Experimente mit einem Gehirn außerhalb seines Trägerkörpers geht.
Franz Werfel entwirft in seinem 1946 posthum veröffentlichten Roman "Stern der Ungeborenen" ein Kaleidoskop von Bildern aus der Welt des Jahres 102000, dem Zeitalter der "astromentalen Menschheit". Er schildert das materialistische Paradies einer hochgradig durchzivilisierten Welt ohne Mühen und Sorgen. Die Technik ist zur Vollkommenheit gereift und erlaubt die Regelung aller existentiellen Bedürfnisse des Menschen. Krieg ist nur noch Gegenstand wissenschaftlicher Erörterungen, und der individuelle Tod durch "Retrogenese" überwunden.. in diesem posttechnischen Zeitalter geraten die Schilderungen des Autors zur Karikatur unserer eigenen heutigen Wünsche und Hoffnungen. Hinter den finalen Ausformungen der astromentalen Zivilisation erscheinen die Schematisierungen, Uniformitäten und Beziehungslosigkeiten des zukünftigen Unmenschen. Alles ist machbar, und doch stellt sich das Leben als sinnlos dar. Werfel geht es um die Bedürfnisse des Menschen und die Paradoxien des Fortschritts.
Nicht nur die Literatur, sondern auch der Film brachte in Deutschland einige Meisterwerke, die mit dem Phantastischen und dem Utopischen assoziiert waren. 1913 erschienen zwei Streifen mit ästhetischen Innovationen, die das Doppelgängermotiv behandeln. "Der Andere" und "Der Student von Prag". In "Der Andere" wird das "Dr. Jekyll and Mr Hyde" - Motiv variiert: Ein Staatsanwalt leidet nach einem Sturz von einem Pferd an einer Persönlichkeitsspaltung, da bricht er schließlich als "Der Andere" an der Seite eines Ganoven in seine eigene Villa ein. Berühmt wurde hier das Stilmittel der Nahaufnahme, die den Protagonisten ins Dämonische transzendiert: "Im Bilde erscheint, riesengroß, bloß nur noch ein Kopf und beichtet sein geheistes Leben. Alle störende Umgebung ist versunken."
"Der Student von Prag" (Regie: Stellan Rye) basiert auf einem Stoff von Hanns Heinz Ewers, der grotesk-grauenerregende Inhalte bevorzugt, die an Edgar Allen Poe und die phantastischen Novellen der deutschen Romantik erinnern. Der Prager Student Balduin verkauft sein Spiegelbild und heiratet sich in die adelige Oberklasse hoch. Als sich selber zugewandter Janus kreuzt das Spiegelbild als Widersacher seines Glücks immer wieder seine Wege, bis er in äußerster Verzweiflung seinen Widersacher niederschießt - mit seinem Alter ego bringt er zugleich sich selber um. Durch Bildteilung und Mehrfachbelichtung werden Balduin und sein Spiegelbild gleichzeitig auf die Leinwand gezaubert.
1914 schuf Paul Wegener mit er ersten Verfilmung des "Golem"-Stoffes die Vorstufe zum Horrorfilm. Das Vorbild dürfte Goethes "Faust" entlehnt sein, in dessen Teil II Alchimist Wagner den künstlichen Menschen aus der Retorte zeugt. Mit dem thematisch und allegorisch weiterführenden Remake "Golem, wie er in die Welt kam" (1920) inszenierte Paul Wegener die kurze Lebensfrist eines aus Lehm geformten, handelnden Geschöpfes. Die Fremdbestimmung der vom Magier Rabbi Loew implantierten menschlichen Regelungselemente wird zum eigentlichen Faszinosum des Films. Angesiedelt im mittelalterlich-düsteren Prag, weist die optische Perspektive aus verwinkelten, kippenden Bauten des Architekten Hans Poelzig den Film dem Expressionismus zu.
Ebenso erzählt "Homunculus" (1916, Regie: Otto Rippert) die Erschaffung eines Menschen aus der Retorte. Homunculus, der künstliche Mensch, ist zunächst ein menschliche Idealtypus mit außergewöhnlichen geistigen Eigenschaften. Erst als er von seiner Herkunft erfährt, fühlt er sich als Außenseiter und wandert ruhelos durch die Welt, immer auf der Suche nach menschlicher Gesellschaft. Von dieser Umwelt wird er als Mensch ohne Seele, ans Handlanger des Teufels empfunden. Die zurückgewiesene Sehnsucht des Homunculus verwandelt sich in Haß, und er wird zum rachsüchtigen Diktator, der in seiner Tyrannei schließlich einen Weltkrieg vom Zaun bricht. Ein Blitzstrahl beendet seine Herrschaft. 1918 entstand "Alraune" (Hanns Heinz Ewers): ein Wissenschaftler nimmt an einer Prostituierten eine künstliche Befruchtung mit dem Samen eines Mörders vor. Der Mörder zieht die so erzeugte Alraune, ein weibliches Gegenstück zu Homunculus, auf, um zu beweisen, daß der Charakter eines Menschen mehr von Umwelt und Erziehung als durch seine Veranlagung geprägt ist. Alraune wird zum menschlichen Ungeheuer, zu einem mechanischen Vamp, dessen einziger Lebenszweck es ist, Männer in Ruin, Zerstörung und Selbstmord zu treiben.
"Das Kabinett des Dr. Caligari" (1919, Robert Wiene) berichtet von einem Wesen zwischen Alptraum und Wirklichkeit; durch dieses Werk wurde der Filmexpressionismus begründet. Aus heutiger Sicht war der Schausteller Caligari, der auf einem Jahrmarkt des norddeutschen Marktfleckens Holstenwall sein Medium Cesare als Werkzeug seiner hypnotischen Macht vorführt, eine Inkarnation der zukünftigen Führergestalt. Cesare, von einem Studenten als Insasse einer Irrenanstalt, deren Chef Dr. Caligari ist, entlarvt, tötet unter Hypnose Menschen. Caligari ist hier Verkörperung von Autorität, Tyrannei und Massenhypnose.
Der Film wurde nicht nur wegen der ungewöhnliche Studiokulisse mit ihren verzerrte Perspektiven, mit Überdehnungen auf die Kulissen gemalten Schatten weltberühmt, sondern auch wegen des von Wiene verwendeten Virage-Verfahrens. Die Tagesabläufe erscheinen monochrom mit Braungelb, nächtliche Sequenzen Blaugrün, im Rauminnern erscheint gelegentlich Blaßrosa. Wiene unheimliche Phantastik und seine Kunst, geistige Räume außerhalb des Sichtbaren zu schaffen, inspirierte Autoren zur Entdeckung der menschlichen Psyche und zur kinematographischen Psychologie.
1921 erzielt F.W. Murnau mit "Nosferatu" den Durchbruch als Regisseur. Nach Motiven des Romans "Dracula" (1897) von Bram Stroker entstand mit dieser "Symphonie des Grauens" ein visuell-phantastisches Gruselkabinett. Bedeutsam ist die Geisterfahrt durch karpatischen Nebelwand zum schloß des Grafen Nosferatu, eine als Negativfilm konzipierte Sequenz, die mit unterschiedlichen Projektionsgeschwindigkeiten arbeitet und so eine unerhört gespenstische Atmosphäre schafft. Mit seiner furchterregenden expressiven Gestik steht Nosferatu, dessen nächtliches Erscheinen für viele Menschen den Tod bedeutet, im übertragenen Sinne auch als Metapher für die Pest, die Pest wiederum als Zeichen für gefährdetes menschliches Dasein.
"Caligari" wurde mehrmals nachgeahmt, so in Robert Wienes "Orlacs Hände" (1924), im "Wachsfigurenkabinett" (1924) von Paul Leni oder in "Der müde Tod" (1921) und "Dr. Mabuse, der Spieler" (1922), beide von Fritz Lang. "Der Müde Tod" spielt im 18. Jahrhundert, Protagonist ist ein unheimlicher Fremder, die Verkörperung des Schicksals schlechthin. Drei Episoden spielen im Bagdad Harun al Raschids, im Venedig der Renaissance und in einem märchenhafte China. Ein junges Mädchen fordert darin vom Sendboten des Todes das Leben ihres Geliebten zurück. In den Traumepisoden gibt ihr der Todesengel Gelegenheit, drei gefährdete Menschenleben zu retten. Als dies mißlingt, sucht sie einen Menschen, der bereit ist, an der Stelle ihres Freundes zu sterben; doch findet niemanden. Erst dadurch, daß sie ihr eigenes Leben aufs Spiel setzt, wird sie im Tode mit dem Geliebten vereint.
"Dr. Mabuse, der Spieler" berichtet von dem unheilvollen Wirken eines verbrecherischen Übermenschen, der mittels hypnotischer Fähigkeiten eine Bande williger Geschöpfe zu Mordtaten verleitet und am Ende selbst wahnsinnig wird. In der Titelfigur wird das Böse als Menetekel der Menschheit inszeniert.
Fritz Lang spart in "Dr. Mabuse" nicht mit kritischen Anspiegelungen auf die marode Nachkriegsgesellschaft mit ihrer amoralischen Endzeitstimmung. Die Verleihfirma warb mit folgendem Satz: "Eine von Krieg und Revolution zusammengefegte, zusammengetrampelte Menschheit rächt sich für die Jahre qualvollen Ernstes, indem sie von Begierde zu Genuß, von Genuß zu Begierde treibt."
Lang knüpfte später mit in einem Tonfilm an das Thema an: "Das Testament des Dr. Mabuse" (1932). Der dämonische Chef einer Nervenklinik ist als Reinkarnation Mabuses dessen Testamentsvollstrecker. Als eine Art menschenverachtender Antichrist sollte er nach Lang Analogien zum Führer nahelegen.
Langs Filme "Die Nibelungen", bestehend aus "Siegfrieds Tod" (1923) und "Kriemhilds Rache" (1924), sowie der SF-Klassiker "Metropolis" (1926) gerieten zu ornamentalen Orgien, die zwar durch Architektur und Kostüme bestachen, aber nicht mehr die innere Kraft von Langs früheren Werken erreichten.
Trotzdem: "Metropolis" wurde zum unübertroffenen Meisterwerk. Die Idee zu diesem Film entstammt der ersten Begegnung Fritz Langs mit der Stadt New York. Um den Eindruck aus Größe, Licht und Konstruktion wiederzugeben, wurde das sogenannte Schüftan-Verfahren eingesetzt, das mit Hilfe verschiedener Projektionen, Kamera-Masken und Spiegel winzige Studio-Modelle als riesige Bauten erscheinen ließ. Faszinierend auch die Darstellung der Menschenmassen, die sich dem automatisierten Rhythmus der Maschinen unterordnen: der Mensch wird zum Objekt im Räderwerk der Produktion, ähnlich wie in Charlie Chaplins "Modern Times". Eine Schlüsselszene war der ekstatisch-laszive Tanz der Roboter-Imitation Maria, die die Arbeiter aufwiegelt und dazu treibt die Maschinen zu vernichten.
Der Filmexpressionismus war eine spezifisch deutsche Schaffensperiode, Autoren wie Wiene, Leni, Wegener, Lang und Murnau drehten ihre Filme ausschließlich im Atelier. Architektur, Dekor, Kostüm, Beleuchtung, Licht und Schatten waren aktive Partner der Protagonisten und erzeugten gemeinsam eine suggestive Atmosphäre des Irrealen, in der Seelenqualen, Ängste und Traumata, aber auch Symbole und Visionen ästhetisch überzeugend vermittelt wurden. Die in Sinnbildern architektonisch dargestellte Deformation der Welt und die dysfunktionale Ordnung der Gesellschaft wurden zu Charakteristika dieser Filme. Nicht das Sichtbare, sondern das Immaterielle sollte sichtbar gemacht werden. Die sinnlich wahrgenommene künstliche Wirklichkeit bedeutet nur den Durchgang zur psychisch erfahrbaren Wirklichkeit. Gezeigt wurde de individuelle Auflehnung gegen die Willkür der Macht, gegen die Macht der Verhältnisse und des Faktischen, gegen die Entmündigung des Menschen.
Dämonen und Tyrannen wie Nosferatu, Caligari oder Mabuse wurden zu Sinnbildern einer verunsicherten Geselllschaft, deren Risse mit den oberflächlichen Mitteln der Unterhaltung nur noch notdürftig gekittet wurden. Die Bedrohung der Identität des bürgerlichen Individuums wurde auf offenbar in der Erschaffung künstlicher Menschen durch wissenschaftliche Methoden, sei es "Homunculus", "Alraune" oder "Golem". Dieses Thema gewann zusätzliche Bedeutung durch die medizinische Forschung und durch das Aufkeimen einer genetischen, rassistische dynastischen Ideologie des Faschismus. Es ging dabei jedoch weniger um naturwissenschaftliche Erklärungen oder anschauliche Rationalisierungen wie in der amerikanischen Science Fiction, sondern darum, die Krise eines Menschenbildes umzusetzen, das den Menschen klar umgrenzt zwischen den Welten des reinen Geistes und der reinen Mechanik ansiedelte. Geist und Mechanik, Mensch und Maschine waren so durcheinandergeraten wie die politische oder weltanschauliche Ordnung dieser Zeit.
Der deutsche phantastische Film war bevölkert von Geistermenschen, Vampiren, Doppelgängern, künstlichen Retortenwesen, wahnsinnigen Tyrannen und Besessenen. Auf so seltsame Weise diese "Halbmenschen" zum Leben gelangten, auf so gewaltvolle und bizarre Weise müssen sie es auch wieder verlieren: die Gesellschaft vernichtet, was sie an Ungeheurem hervorgebracht hat. So wurde das Unbehagen und die Angst der Nachkriegsgesellschaft wiedergegeben, ohne Ordnung leben zu müssen und dem Verfall alter Wertvorstellungen hilflos zuzusehen. Vielleicht wurde auch der unbewußte Wunsch reflektiert, daß diese drohende Unordnung durch eine archaische, tyrannische oder dämonische Machtergreifung verhindert werden könnte.
Zu Beginn der Tonfilmzeit waren im deutschen Film phantastische Stoffe kaum noch vertreten. Die Verstörung und Zerrissenheit, das Alptraumhafte des expressionistischen Films und die politische und erotische Thematik der Filme Langs wichen der positiven Sicht einer an der Technik orientierten Zukunft. In "F.P.1 antwortet nicht" (1932) erbaut der von Hans Albers dargestellte Held künstliche schwimmenden Inseln im Atlantik, die Flugzeugen als Zwischenstation auf ihrer Reise von Kontinent zu Kontinent dienen. "Der Tunnel" (1933, Kurt Bernhardt) berichtet vom Bau einer unterseeischen Verbindung Zwischen Europa und Amerika. In "Gold" (1934) geht es um eine Maschine, die das wertvolle Edelmetall herstellen kann.
Mit "Metropolis" war die Periode des phantastischen deutschen Films zu Ende gegangen, in der Symbole, Pathologien und Alpträume regiert hatten, "Gold" bildete den Abschluß von Filmen mit technokratischer Phantasie und abenteuerlicher Handlung. In der Folgezeit verschwand unter den Nationalsozialisten alles Spekulative und Phantastische aus den Filmen, eine Ausnahme bildete "Münchhausen" (1943, Joseph von Baky), in dem die Abenteuer des Lügenbarons erzählt wurden, der unter anderem auf einer Kanonenkugel zum Mond reitet. Viele Regisseure, Techniker und Schauspieler gingen nach Hollywood, wo sie ihr Werk fortsetzen konnten.
Die Phantastik hat in Deutschland eine großartige Tradition, in den Geschichten, Romane und Filmen spiegelt sich der jeweilige Zeitgeist wider. Manche Werke beeinflußten auch die Entwicklung der amerikanischen SF, und Heftreihen wie "Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff" oder "Sun Koh" können als Vorläufer der Perry Rhodan-Serie angesehen werden.
Die Zeit von der Jahrhundertwende bis zum Zweiten Weltkrieg stellte eine Epoche der Veränderungen dar, in der in kurzen Abständen an den Fundamenten des bisherigen Weltbildes gerüttelt wurden. In den durch Wirtschaft, Wissenschaft und Technik, durch Urbanisierung und Säkularisierung sich rapide wandelnden Industriestaaten entstanden neue Formen des menschlichen Zusammenlebens, der Massenpolitik und der Massenkommunikation. Kommunikationsmedien wie Telefon, Telegraph, Radio und Film sowie neue Verkehrsmittel wie Auto und Flugzeug kündigten das technische Überspringen ungewohnter Distanzen an. Die neuen Erfahrungsräume waren weiter, durchorganisierter und zugänglicher als bisher, zugleich aber auch anonymer, komplexer und undurchschaubar. Zur Steuerung des technologischen, ökonomischen und sozialen Wandels und als Antwort auf die Herausforderung der kapitalistischen Gesellschaft durch den Sozialismus bildet sich der Interventions- und Wohlfahrtsstaat heraus, der die Stellung des Einzelnen in Staat und Gesellschaft von Grund auf veränderte.
Neue Erkenntnisse der Natuwissenschaftler, Mediziner und Ingenieure führten zu grundlegende Umweltveränderungen. Die von diesen geschaffene Technik schien den vertrauten Zusammenhang der Familien der Bürger und der auf Aufstieg bedachten Arbeiter zu zerstören. Die Psychoanalyse öffnete unbekannte Tiefen der eigenen Seele. Ähnlich beunruhigend wirkte der Hinweis der Biologen auf den ständigen Kampf ums Dasein, der in die Gesellschaft übertragen wurde und nach dem allein Erfolg oder Mißerfolg über de Stellung eines Menschen zu bestimmen schien. Die Menschen, die in den Fabriken arbeiten mußten, gerieten in Abhängigkeit von Maschinen, die über Art und Schnelligkeit ihrer Bewegung bestimmten - Entfremdung und Entindividualisierung ließen Ängste aufkommen.
Die Wechselwirkungen zwischen den Menschen und deren Beziehung zu Technik, Wissenschaft und Kunst führte zu einer besonderen Art, die Wirklichkeit zu sehen.: in der Physik revolutionierten Relativitätstheorie und Quantentheorie die Newtonsche und Maxwellsche Weltsicht und führten zu neuen Erkenntnissen über Raum, Zeit, Materie, Energie und mikrokosmischen Prozessen. In der Malerei brachen Konstruktivisten, Kubisten, Surrealisten und andere mit der bisherigen Sicht- und Darstellungsweise. Im Kubismus wurde der einheitliche Raum eines Bildes zerstört, der Betrachter sah statt dessen viele Räume vor sich, die in den abstrakten Werken von Kandinsky und Klee, auf denen nur noch Linien und Flächen zueinander in Relationen stehen, auch noch aufgegeben wurden. Ähnlich verschwand in einigen Werken de Literatur die bisher vertraute Realität, so in den Kurzgeschichten von Franz Kafka und James Joyce. In der Musik gaben einige Komponisten auf, ihre Kompositionen in die vertraute Tonalität von Dur-oder Moll-Tonarten einzufügen. Schönbergs Zwölfton-System wurden auch die vom Menschen als harmonisch gehörten Intervallen nicht mehr bevorzugt. Statt dessen brachten sie nur noch de einzelnen Tönen oder Tonreihen, die oft vielfältigen Rhythmen unterworfen wurden, zueinander in Beziehungen.
Bei allen diesen Veränderungen wurde - nach Isolierung einzelner Ausschnitte, Gestalten, Formen und Rhythmen -von den Menschen ihre Wirklichkeit in euer Weise gesehen, gehört oder empfunden. Gegen diesen Wandel wehrten sich die Anhänger der traditionellen Sehweise. So verbanden sich mit den verschiedenen Sichten der Wirklichkeit gesellschaftliche und politische Tendenzen, die sich gegenseitig erbittert bekämpften. So wandelt sich nicht nur die Entwürfe zur Gesellschafts- und Weltordnung, sondern auch die Realität der Machtverhältnisse in er Welt. Die Vorherrschaft Europas wurde durch das Aufkommen der Vereinigten Staaten und Japans als neuer Weltmächte angefochten, und auch die Befreiung der Kolonialvölker kündigte sich an.
So ähnelt die Zwischenkriegszeit in verblüffender Weise der heutigen Epoche, in der althergebrachte Wahrheiten ungültig werden und eine Orientierungslosigkeit die Menschen unsicher macht. Die Versprechungen eines High-Tech-Paradieses auf der Grundlage von Kommunikations-, Computer und Gentechnologie kontrastieren in seltsamer Weise zu neuen nationalistischen und fundamentalistischen Strömungen. Islamische Gotteskrieger und asiatische Drachen und Tiger konkurrieren mit der kalten Rationalität des Westens. Die Notwendigkeit einer ökologischen Kehrtwende wir durch die Standortdebatte ad
absurdum geführt, Treibhauseffekt und Ebola-Viren finden ihre filmische Entsprechung in "Waterworld" oder "Outbreak". Entprechen sich die damaligen Vorahnungen der Nazi-Tyrannei und der Schrecken des Zweiten Weltkrieges sowie die heutigen apokalyptischen Visionen einer zukünftigen Welt, die von Pest, Hungersnot, Krieg und Tod bedroht wird? Das scheinbare Ende aller Sicherheit bestimmte die Diskussionen damals wie heute.
Die Science Fiction in Deutschland vor dem Zweiten Weltkrieg reflektierte diese Unsicherheiten, die die alten Wahrheiten zerstörten. In den Romanen und Filmen wurden Technik-Euphorie, kritische Hinterfragung des technischen Fortschritts, gesellschaftliche Folgen des ökonomisch-technologischen Fortschritts und Expeditionen in die wahnsinnigen Untiefen des psychischen Inner -Space thematisiert, neben einer technikgläubigen Trivialrichtung gab es scharfsinnige Analysen und Extrapolationen der gegenwärtigen Verhältnisse. Die deutsche SF hatte damals einen international bedeutend höheren Stellenwert als heute, wo allenfalls Filmregisseure wie Roland Emmerich und Wolfgang Petersen in Hollwood mit Filmen wie "Stargate" oder "Outbreak" Erfolge feiern. Heute dümpelt die deutsche SF dahin und hat höchstens in der Perry Rhodan-Serie einen eigenständigen Charakter.
Science Fiction in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg
Die SF hat in Deutschland eine lange und populäre Tradition. Kurd Laßwitz, Hans Dominik, Bernhard Kellermann, Thea von Harbou, Rudolf Heinrich Daumann oder Otto Willi Gail waren vor dem zweiten Weltkrieg vielgelesene Schriftsteller. 1908 startete die erste deutsche utopische Heftserie "Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff", von 1933-36 erschien die Serie "Sun Koh - der Erbe von Atlantis" mit ingesamt 150 Heften, und auch "Jan Mayen, der Herr der Atomkraft" hatte einigen Erfolg. Im "Zukunftsroman", "Weltraumroman" oder "utopischen Roman" wurde die letzten Geheimnisse der Erde enthüllt oder man flog zum Mond oder zu den Nachbarplaneten Mars und Venus, wobei sich meist tüchtige deutsche Ingenieure und Wissenschaftler gegen ausländische Bösewichte zur Wehr setzen mußten. In der amerikanischen SF dagegen waren die Weltraumfahrer bereits zu fremden Sternen und Galaxien vorgedrungen und wurden mit intergalaktischen Imperien konfrontiert.
So waren die deutschen Leser irritiert, als sie nach Kriegsende mit der amerikanischen SF der "Goldenen Jahre" überschüttet wurden. Verunsicherung und Ablehnung waren die Folge. Die populären Leihbuchverlage mußten Asimov und andere wieder fallenlassen und zu deutscher SF, verfaßt von Lohnschreibern, zurückkehren. Der Gebrüder Weiß-Verlag griff nach Heinlein ("Endstation Mond" und Hamilton ("Herrscher im Weltraum") wieder auf altbewährte Autoren wie Dominik, Koch und Freder van Holk zurück, und die 1952 erschienenen "Rauchs Weltraumbücher" mit Schriftstellern wie Campbell, Williamson, Asimov und Simak wurden zu einem verlegerischen Fiasko, vom letzten (vierten) Band wurden nur noch 900 Exemplare abgesetzt.
Diese Mißerfolge prägten die SF-Szene der BRD für die nächsten Jahre. Science Fiction wurde nur noch als Leihbuch oder Heftroman veröffentlicht, Lohnschreiber mußten sich an die festgefahrenen Richtlinien der Lektoren halten und ein bis zwei Hefte pro Monat abliefern. Die Folge waren Romane mit stereotypen Hauptfiguren und billigen Handlungsklischees, SF wurde fortan gleichgesetzt mit Trivialliteratur und Groschenheft.
1953 brachte der Erich Pabel - Verlag im Rahmen der Utopia-Reihe die Heftserie "Jim Parker" heraus, deren Held die Planeten des Sonnensystems erforschte und in den Tiefen des Alls auf fremde Intelligenzen traf.
1954 folgten die Utopia-Großbände, die ohne Serienheld auskamen und in denen auch Stories von amerikanischen Spitzenautoren veröffentlicht wurden, die allerdings schlecht übersetzt und wegen der begrenzten Seitenzahl drastisch gekürzt waren. 1955 erschien das "Utopia-Magazin", welches eine Reihe von klassischen amerikanischen Kurzgeschichten brachte.
Der Moewig-Verlag gab ab 1957 die Heftreihe "Terra" und ab 1958 die Reihe "Terra-Sonderband" heraus; im gleichen Jahr folgte "Galaxis", die deutsche Version des amerikanischen Magazins "Galaxy".
Ein wichtiges Phänomen dieser Zeit waren die Leihbuchverlage. In den 50er Jahren produzierten spezialisierte Verlage eigens für diesen Markt Bücher, Pappbände mit Klarsichtfolie (Supranyl) auf stark holzhaltigem Papier. Die größte Zahl von Leihbüchern gab der Bewin-Verlag heraus, gefolgt von den Gebrüdern Zimmermann. Die auf SF spezialisierte Versandbuchhandlung "Transgalaxis" mit ihren regelmäßigen Bestellern konnte unter Heinz Bingenheimer Einfluß bei den Gebr. Zimmermann nehmen und Sonderausgaben in Lizenz drucken lassen, so daß Titel wie van Vogt`s "The World of Null-A", Dick`s "Time out of Joint" oder Smith`s "Lensmen"-Serie auf deutsch erscheinen konnten.
Die Leihbücher wurden zusammen mit den Heften zur Keimzelle der deutschen SF. Bekannte Leihbuchautoren waren K.H. Scheer, W.D. Rohr und J.E. Wells. 1960 gab es in der BRD 288 Leihbuchhandlungen, die später durch den Aufschwung von Heftromanen, Taschenbüchern und des Fernsehens zugrundegingen.
Mitte der 50er Jahre wurde der "Science Fiction Club Deutschland" (SFCD) gegründet, dessen Mitglieder große Anstrengungen unternahmen, die Popularität der SF in Deutschland zu steigern. Einer der Gründungsväter war Walter Ernsting (Clark Darlton), der vorher bei Pabel die Utopia-Großband-Reihe herausgegeben und übersetzt hatte.
1960 startete der Wilhelm Heyne -Verlag mit dem Titel "Die Triffids" von John Wyndham sein Taschenbuchprogramm, das bis heute sehr beliebt und erfolgreich ist. Im gleichen Jahr begann der Goldmann-Verlag die Hardcover-Reihe "Goldmanns Zukunftsromane" mit Werken von Asimov, Clarke und Heinlein, die 1962 durch "Goldmanns Weltraum-Taschenbücher" fortgesetzt wurde.
1961 erschien im Pabel-Verlag die Perry Rhodan-Serie, der ein beispielloser Erfolg beschieden sein sollte und die zur "Größten Weltraumserie der Welt" avancierte. K.H. Scheer und Clark Darlton waren die Initiatoren der Serie, die alle nur denkbaren SF-Topoi von Weltraumfahrten über Zeitreisen, Roboter, Aliens, Superwaffen, Supercomputer usw. verwendete. Das Epos schildert die Geschichte der Menschheit in der Zukunft und berichtet von der Erforschung des Weltalls, beginnend in der heimatlichen Milchstraße über entfernte Galaxien bis hin in andere Universen und Dimensionen. Übergeordnete Wesenheiten wie die Superintelligenz ES bestimmen die Geschicke des Kosmos, doch auch sie sind dem Moralischen Code und dem GESETZ unterworfen...
Die unglaubliche Komplexität des PR-Kosmos und die Ideenvielfalt der Autoren machten es den Konkurrenzserien schwer, sich am Markt zu halten.
1962 startete ebenfalls im Pabel-Verlag die Serie "Mark Powers - der Held des Weltalls", in der auf sämtliche Klischees der Trivial-SF zurückgegriffen wurde. Auffällig war das häufige Auftreten von verrückten Wissenschaftlern, die sich mit Kräften anlegten, die ihnen später außer Kontrolle glitten. Die Serie lief bis 1964.
1966 startete der Kelter-Verlag die Serie "Ren Dhark - Weg ins Weltall". Die Handlung beginnt im Jahre 2050. Um der Bevölkerungsexplosion Herr zu werden, kolonisiert die Menschheit geeignete Planeten anderer Sonnensysteme. Einer dieser Kolonistenraumer mit Ren Dhark an Bord muß auf dem Planeten Hope notlanden. Die Hinterlassenschaft einer technisch weit fortgeschrittenen Rasse, der "Mysterious" wird entdeckt, und in der Folgezeit müssen sich Ren Dhark und seine Mannen gegen fremde Rassen, Energiewesen oder Robotraumer erwehren. Es stellt sich heraus, daß die Mysterious Menschen der Erde sind, die vor 50 000 Jahren vom versunkenen Kontinent Lemuria aufbrachen und ein galaktisches Großreich gründeten.
Kurt Brand, selbst Perry Rhodan-Autor, verfaßte die Exposés und schrieb gut die Hälfte aller 98 erschienenen Romane. Damit war zwar eine gewisse Kontinuität der Handlung gewährleistet, aber stilistisches Unvermögen und Ungereimtheiten der Handlung machten der Serie 1969 den Garaus.
1966/67 lief im Bastei-Verlag die Heftserie "Rex Corda - der Retter der Erde", insgesamt 38 Hefte lang. Im Jahre 1992, zwanzig Jahre nach dem dritten Weltkrieg, gerät die Erde in einen seit Jahrtausenden währenden galaktischen Krieg zwischen Laktonen und Orathonen (Doc Smiths Lensmen-Zyklus läßt grüßen), aber Rex Corda gelingt es auf geschickte Weise, die beiden verfeindeten Fremdrassen gegeneinander auszuspielen. Mit Hilfe des Kunststoffs "Becon" werden irdische Raumschiffe unverwundbar, und die außerirdischen Schurken können zur Strecke gebracht werden. Federführend bei "Rex Corda" war H.G. Francis(kowsky), der 1967 auch die Serie "Ad Astra" mit dem Weltraumhelden Chet Morrow initiierte.
"Ad Astra" erschien innerhalb der "Utopia"-Reihe des Pabel-Verlages; die Autoren orientierten sich an den technischen Voraussagen der damaligen Zeit für das 21. Jahrhundert, etwa wiederverwendbare Raumfahrzeuge, interplanetarer Raumverkehr oder Photonenraketen. Im Jahre 2010 bestehen auf Venus, Mars und den größeren Monden des Sonnensystems Kolonien. Verbrecherische Konzerne, Terrororganisationen und außerirdische Hypnos versuchen die Erde zu unterwandern, aber Chet Morrow kann die Anschläge abwehren. Im Alpha-Centauri-System wird auf verschiedenen Planeten intelligentes Leben gefunden, das aber von den "Geierköpfen" brutal unterdrückt wird. Diese bösartigen Außerirdischen vernichten am Schluß die Erde.
Obwohl die Serie von reaktionären Klischees erfüllt war, wurden auch kritische Töne angeschlagen. Probleme wie Arbeitslosigkeit, Nord-Süd-Gefälle oder Monopolkapitalismus wurden aufgezeigt, aber insgesamt konnte "Ad Astra" keine Alternative zur Perry Rhodan-Serie bieten und wurde nach 21 Heften eingestellt.
Auch in den 70er Jahren gab es Versuche, SF-Heldenserien herauszubringen, denen aber ebenfalls kein dauerhafter Erfolg beschieden war. 1971 brachte der Kölner Kleinverlag "Andromeda" (später Astro-Verlag") die Serie "Raumschiff Promet" heraus, die es auf 65 Hefte brachte; Initiator der Serie war Kurt Brand. Die Weltraumexpeditionen des Raumschiffs Promet wurden mit der Pleite des Verlags eingestellt.
Im Marken-Verlag erschien ab 1974 die "Zeitkugel"-Serie, deren Protagonisten Zeitreisen in die Vergangenheit und Zukunft unternahmen, wobei insbesondere historische Ereignisse und Sagen verwendet wurden. Nach Band 90 wurde die Serie in "Erde 2000" umbenannt, in den restlichen 44 Heften wurde nur noch über Reisen in die Zukunft berichtet. 1978 erfolgte die Einstellung der Reihe, an der unter anderem Kurt Mahr, Kurt Brand und W.A. Hary mitarbeiteten.
Im Bastei-Verlag kam 1975/76 die "Commander Scott" - Serie heraus, die deutsche Ausgabe der amerikanischen Serie "Cap Kennedy" von E.C. Tubb und Lin Carter. Obwohl die deutsche Fassung gegenüber der aus nur 16 Folgen bestehenden Originalserie radikal entschärft wurde - die Aufspürung des Gegners endete stets mit dessen völliger Vernichtung - kam mit Band 42 das Aus.
1979 erschien ebenfalls bei Bastei die "Terranauten" - Serie, konzipiert von Thomas R. P. Mielke und Rolf W. Liersch, als Autoren zeichneten Thomas Ziegler, Horst Pukallus, W.A. Hary, Ronald M.Hahn und Andreas Brandhorst. Es war eine ökologisch orientierte Alternative zur sonst klischeehaften Heft-SF und enthielt auch gesellschaftskritische Elemente; der kommerzielle Erfolg blieb ihr aber versagt und die Serie wurde mit Band 99 eingestellt. Sporadisch erschienen später noch einige Terranauten-Abenteuer im Taschenbuchprogramm von Bastei, welche die Handlung fortführten.
Um das Jahr 2500 erlebt das Sternenreich der Menschheit einen rapiden Zerfall. Verantwortlich dafür war die Einführung eines neuen Raumschiffantriebs, der Kaiserkraft, die sich als technische Fehlentwicklung und Gefahr für das Universum erwies. Die Kaiserkraft sollte an die Stelle der Treiber treten, psionisch begabter Raumfahrer, die mit ihren PSI-Kräften Raumschiffe über interstellare Entfernungen bewegen konnten. Gegen die Kaiserkraft führen die Terranauten, eine von Treibern gegründete Widerstandsorganisation, einen erbitterten Kampf. Ihr Hauptgegner ist Lordoberst Valdec, der Vorsitzende des über die Erde und ihr Sternenreich herrschenden Konzils der Konzerne.
Die Treiber benötigen für ihre Arbeit die Misteln des Baums Yggdrasil. Der Urbaum Yggdrasil ist nur eine Komponente des Interkosmischen Anti-Entropie-Systems. Einst bewohnten die Uralten den Prä-Kosmos, das Vorgänger-Universum. Es war eine Welt unermeßlicher Schönheit und Harmonie; alles Leben, alle Intelligenz waren rein pflanzlicher Natur. Durch gewaltige Sporenschwärme hatte sich die Flora über das gesamte Universum verbreitet. Doch es kam zur Entropiekatastrophe, der uralte Garten Eden war dem Untergang geweiht. Die Uralten waren entschlossen, das kosmische Wissen zu bewahren und in den neuen Kosmos, der aus dem alten in einem Urknall hervorgehen sollte, hinüberzuretten. Um dem neuen Universum das Schicksal des alten zu ersparen, wurde ein Anti-Entropie-System initiiert, dessen Komponenten neun sogenannte "Spektren", die Weltenbäume und die "Lange Reihe " waren. Es kommt zur Entscheidungsschlacht zwischen David terGorden, der als "Erbe der Macht" einer der "Spektren" ist, und Max von Valdec...
1986 startete der Merkur-Verlag die Serie "Star Gate", die im 21. Jahrhundert auf einer von Konzernen beherrschten Erde spielte. Das Star Gate ist ein gigantischer Transmitter, welcher den Menschen das Tor zu den Sternen öffnen soll. Doch die Serie hatte nur einen kurzen Atem...
Auf immerhin über 40 Hefte brachten es die "Abenteurer" aus dem Bastei-Verlag in den Jahren 1992/93. Eine Mischung aus SF, von Däniken und Indiana Jones, in der Mythen und Rätsel der irdischen Vergangenheit eine wesentliche Rolle spielten. Doch zur Enträtselung der Geheimnisse um Atlantis kam es nie...
So schlugen alle Versuche fehl, neben "Perry Rhodan" eine andere Heftserie zu etablieren. Einzig erfolgreich war die PR-Schwester "Atlan". Die Faszination der Rhodan-Serie ist schwer zu ergründen. Es ist eine fiktive Geschichte der Menschheit in der Zukunft, eine sich immer weiter verästelnde Rätselwelt, in der die Geheimnisse des Kosmos erforscht werden. Neben dem Interesse der Leser am "Abenteuer Weltraum" und an der "Faszination Technik" ist es die enge Beziehung zwischen Autoren und Lesern, welche zum Erfolg beiträgt. Die Perry Rhodan - Hefte stellen seit Jahren die einzig noch bestehende originäre SF aus Deutschland dar, zumindest was den Literaturbereich betrifft.
DDR-SF
Als im Oktober 1949 auf dem Boden der sowjetischen Besatzungszone ein zweiter deutscher Staat, die DDR, gegründet wurde, war auch die SF anderen Einflüssen unterworfen als im Westen. Die Science Fiction war ein Genre, welche im öffentlichen Bewußtsein mit den technischen Abenteuerromanen eines Hans Dominik identifiziert wurde, und so orientierte sich auch die DDR-SF der 50er Jahre an technischen Erfindungen, garniert mit visionären Vorstellungen einer sozialistischen Gesellschaftsordnung.
Die SF-Literatur der DDR begann mit Ludwig Tureks Kurzroman "Die Goldene Kugel" im Jahre 1949. Mit Hilfe von Wesen von der Venus wird die Erde nach sozialistischem Muster umgestaltet. In der Folgezeit dominieren sogenannte "Produktionsromane", Erzählungen um den wirtschaftlichen Aufbau einer neuen Gesellschaft, in der die Technologie eine tragende Rolle spielt. Häufig sabotierten westliche Agenten diese Vorhaben. Ein Beispiel dazu ist der Roman "Gigantum" von Eberhardt del`Antonio.
Von Ende der 50er bis Mitte der 60er Jahre stand der Vorstoß ins All im Mittelpunkt der DDR-SF, animiert durch die Erfolge der sowjetischen Raumfahrt wie die Sputnik-Signale aus der Erdumlaufbahn oder Gagarins erster Raumflug. Günther Krupkat schrieb bereits 1956 den Weltraumroman "Die Unsichtbaren", und in der Kinderzeitschrift "Mosaik" erschien 1958/59 eine Bildergeschichte, in der die Protagonisten in einem fremden Raumschiff ins All entführt wurden und dort andere Planeten erkundeten. 1960 wurde der DEFA-Film "Der schweigende Stern" (nach dem Roman "Der Planet des Todes" von Stanislaw Lem) in den Kinos aufgeführt. In den frühen Raumfahrtgeschichten stand häufig der Raumflug mit seinen technischen Problemen im Mittelpunkt der Handlung.
Bald wurden Landungen auf fremden Planeten geschildert, wobei die Raumfahrer eine kapitalistische Ausbeutergesellschaft vorfanden, die durch eine Revolution überwunden wurde. Beispiele dafür waren "Titanus" (1959) von del`Antonio oder "Das Geheimnis des Transpluto" (1962) von Lothar Weise. Hubert Horstmann wies in seinem Roman "Die Stimme der Unendlichkeit" darauf hin, daß soziale Probleme nicht zwangsläufig allein mit Hilfe des wissenschaftlich-technischem Fortschritts zu lösen sind.
Im Jahre 1963 erschienen zwei DDR-Romane mit Däniken-Touch: Krupkats "Als die Götter starben" sowie "Der blaue Planet" von Carlos Rasch. In ferner Vergangenheit landen fremde Raumfahrer in Mesopotamien und finden dort eine altorientalische Klassengesellschaft vor. Die "Interplanetare Revolution" fand diesmal nicht auf anderen Planeten, sondern in der Vergangenheit statt.
Rasch propagierte auch die Hinwendung der SF weg von fremden Welten hin zu irdischen Belangen: "Im Schatten der Tiefsee" (1965) spielt in der Ostsee, wobei Algenfarmen zur Lösung des Welternährungsproblems beitragen sollen.
"Heimkehr der Vorfahren" (1966) von del`Antonio ist der Entwurf einer utopischen kommunistischen Gesellschaft, in der die Menschheit frei von Ausbeutung existiert. "Die andere Welt" (1966) von Herbert Ziergabel ist ein psychologisches Drama um den verzweifelten Kampf einer havarierten Raumschiffbesatzung auf einem anderen Planeten. Eine erstaunliche Themenvielfalt wie Zeitreise, Zeitverwerfungen, Roboter, oder intelligente Delphine beinhaltet Raschs Roman "Magma am Himmel" (1975).
Ab den 70er Jahren öffnete sich die DDR-SF für Impulse von außen. Internationale SF wurde veröffentlicht, etwa Iwan Jefremovs Roman "Das Mädchen aus dem All" oder Lems Werke "Der Unbesiegbare", "Robotermärchen", "Eden" oder "Sterntagebücher". 1972 bis 74 erschien die dreibändige internationale Anthologie "Der Diamentenmacher", "Die Ypsilon-Spirale" und "Das Zeitfahrrad", zusammengestellt von Edwin Orthmann, weitere Erzählungen ost- und westeuropäischer Autoren folgten, auch erschienen Stories von Bradbury, Asimov, Pohl, Wells, Huxley und Stapledon. Die Themen- und Motivvielfalt der DDR-SF erweiterte sich, Humor und Satire fanden sich auch in einem technisch bestimmten Umfeld wider, die Zahl der Neuerscheinungen und die Auflagenzahlen stiegen sprunghaft an. Viele der in den 70er Jahren publizierten SF-Bücher erreichte eine Auflage von etwa 100 000 Exemplaren.
Zu den erfolgreichsten SF-Autoren der DDR der 70er Jahre gehören Johanna und Günter Braun mit Romanen wie "Unheimliche Erscheinungsformen auf Omega XI" (1974) oder "Der Utofant" (1981). Ironie und Satire finden sich in vielen Erzählungen von Wolf Weitbrecht, Erik Simon oder Angela und Karlheinz Steinmüller.
In der Folgezeit kann eine gewisse Differenzierung der DDR-SF in eine unterhaltungsliterarische und eine sozialkritisch-analytische Linie unterschieden werden, oder anders: Abenteuer-SF versus Problem- und Experimental-SF.
Themen der Abenteuer-SF sind traditionelle Motive wie Zeitreisen, Raumfahrten oder Roboter, bestimmende Autoren dieser Sparte sind Alexander Tröger, Karl-Heinz Tuschel, Rainer Fuhrmann oder Klaus Frühauf. In den 80er Jahren kamen Hans Bach, Thomas K. Reich und Michael Szameit dazu.
Zu den Vertretern der anspruchsvollen SF gehören Ernst-Otto Luthardt ("Die klingenden Bäume", 1982), Gert Prokop ("Der Samenbankraub", 1983), Erik Simon ("Mondphantome, Erdbesucher", 1987), Hans-Jürgen Dittfeld ("Landung in Targestan", 1986) oder Angela und Karlheinz Steinmüller ("Windschiefe Gerade", 1984).
Der Roman "Andymon" (1982) von A. und K. Steinmüller ist eine Raumfahrtgeschichte mit utopischen Elementen, in Gottfried Meinholds "Weltbesteigung" (1984) geht es um soziale und menschliche Werte in einer zunehmend technisierten Welt, und Alfred Lemans "Schwarze Blumen auf Barnard 3" (1986) handelt von den Schwierigkeiten menschlichen Zusammenlebens unter ungewöhnlichen Umständen.
In diesen Werken und auch in den Romanen von Gert Prokop und Gerhard Branstner geht die SF weit über das Niveau der Unterhaltungsliteratur hinaus, thematisiert werden die Probleme heute lebender Menschen in ihrer sozial-technologischen Umwelt samt ihren moralischen und psychischen Einflüssen. Der Erzählungsband "SAIÄNS-FIKTSCHEN" (1981) von Franz Fühmann ist geprägt von Zukunftsängsten und von Herausforderungen unseres Jahrhunderts, auf die die Menschheit möglicherweise keine Antwort finden wird.
So reichte die DDR-SF der 80er Jahre in ihren besten Werken durchaus an das internationale Niveau heran, auf der anderen Seite gab es auch eine Menge von Erzählungen und Romanen, die literarisch bedeutungslos blieben. Der Fall der Berliner Mauer 1989 bedeutete, auch durch die Umstrukturierungen im Verlagswesen bedingt, das Ende der DDR-SF. Autoren wie die Steinmüllers oder Erik Simon versuchten, im Westen ihr Werk fortzuführen.
Einflußreiche DDR-Autoren und ihre Werke:
Eberhardt del`Antonio, geb. 1926
"Gigantum" (1957): Ein Supertreibstoff wird zur großtechnischen Nutzung verwendet
"Titanus" (1959): Menschen gelangen mit einem Photonenraumschiff zu dem Planeten Titanus, dessen Bewohner in Klassenkämpfe verstrickt sind.
"Heimkehr der Vorfahren" (1966): Die Titanus-Expedition kehrt nach 345 zur Erde zurück und findet eine kommunistisch geprägte Menschheit vor.
Günter Braun (geb. 1928) und Johanna Braun (geb. 1929)
"Der Irrtum des großen Zauberers" (1972): Ein Diktator regiert ein Konsumparadies, in dem die Arbeit von Maschinen erledigt wird und die Menschen dahinvegetieren. Ein Junge rebelliert gegen das Zwangssystem.
"Unheimliche Erscheinungsformen auf Omega XI" (1974): Zwei Raumfahrer starten zu einem fernen Planeten, der von seltsamen Ereignissen heimgesucht wird. Es handelt sich dabei um die Folgen eines hemmungslos produzierenden Wirtschaftssystems, dessen Produktionsapparat ein Eigenleben entwickelt hat.
Klaus Frühauf (geb. 1933)
In Weltraumabenteuern wie "Mutanten auf Andromeda" (1974), "Am Rande wohnen die Wilden" (1976). "Stern auf Nullkurs" (1979) oder "Das verhängnisvolle Experiment" (1984) werden konventionelle Themen wie Mutationen, künstliche Umwelten, Insektenstaaten oder kybernetisch veränderte Menschen abgehandelt.
"Genion" (1981) ist ein Roman über genetische Manipulation, in "Die Bäume von Eden" (1983) geht es um rätselhafte Fälle von Geistesverwirrungen.
Günther Krupkat (geb. 1905)
"Als die Götter starben" (1963): Auf dem irdischen Mond und auf dem Marsmond Phobos werden Überreste einer Zivilisation entdeckt, die von dem Planeten Meju-Ortu stammt. In ferner Vergangenheit hatten Bewohner dieses Planeten auf die Erde die Terrasse von Baalbek gebaut.
"Nabou" (1968): Nabou ist der Konstrukteur eines phantastischen Vehikels, welches sich unter Wasser und im Erdinnern fortbewegen kann. Bei der Expedition der "Sindhbad" findet in der Tiefe eine Begegnung mit einer fremdenartigen Lebensform statt. Nabou ist ein Bioroboter, der vor 6000 Jahren von den Bewohnern von Meju-Ortu auf der Erde als Beobachter zurückgelassen wurde.
Alfred Leman (geb. 1925)
Die Erzählbände "Das Gastgeschenk der Transsolaren" (1973, gemeinsam mit Hans Taubert verfaßt) und "Der unsichtbare Dispatcher" (1980) handeln von Raumfahrtabenteuern und Begegnungen mit Außerirdischen. Die Kurzgeschichte "Die Revision" spielt auf einem Wüstenplaneten mit einer langsam erlöschenden Biosphäre, auf dem Raumfahrer die Fauna erforschen und eine intelligente Spezies vor dem Aussterben bewahren.
"Schwarze Blumen auf Barnard 3" (1986): Neun Kosmonauten werden auf einem fremden Planeten ausgesetzt und müssen sich auf der fremden Welt mit Problemen des menschlichen Zusammenlebens auseinandersetzen; erschwert wird dies durch die Konfrontation mit einer einheimischen Rasse.
Gert Prokop (geb. 1932)
"Wer stiehlt schon Unterschenkel" (1977) und "Der Samenbankraub" (1983): Detektivgeschichten in einer hochtechnisierten Welt des 21. Jahrhunderts, wobei der Privatdetektiv Timothy Truckle angeblich perfekte Verbrechen aufklärt.
Heiner Rank (geb. 1931)
"Die Ohnmacht der Allmächtigen" (1973): Der Planet Astilot ist eine Welt des materiellen Überflusses, die Menschen werden von Robotern bedient, die Produktion ist vollautomatisiert. Doch ein solches Utopia fordert zum Widerstand heraus...
Erik Simon (geb. 1950)
Erzählbände "Fremde Sterne" (!979) und "Mondphantome, Erdbesucher" (1987). Verfaßte 1987 gemeinsam mit Olaf R. Spittel das sekundärliteratische Werk "Die Science fiction der DDR - Autoren und Werke".
Angela Steinmüller (geb. 1941) und Karlheinz Steinmüller (geb. 1950)
"Andymon" (1982): Auf einem automatisch gesteuerten Raumschiff werden einige Jahr vor der Ankunft auf dem Planeten Andymon aus tiefgefrorenen befruchteten Eizellen Retortenkinder erzeugt. Aus einigen der Kinder entwickeln sich Kollektivbewußtseine; die weitere Handlung schildert das Terraforming des Planeten und die mit der Besiedlung verknüpften Probleme der Menschen.
"Windschiefe Geraden" (1984). Kurzgeschichtenband: "Reservat": Das menschliche Bewußtsein wird im Augenblick des Todes in einen anderen Körper transferiert. "Der Schwarze Kasten": Hilfscomputer werden mit dem menschlichen Gehirn verbunden und nehmen ihm bestimmte Prozeduren ab. "Das Auge, das niemals weint": Mittels eines Sensors für Korpuskular- und Gammastrahlen können radioaktive Umweltverseuchungen geortet werden.
"Pulaster" (1986): Erzählung über Menschen auf dem Dschungelplanet Pulaster, auf dem intelligente Saurier leben.
Michael Szameit (geb. 1950)
"Im Glanz der Sonne Zaurak" (1983)
"Alarm im Tunnel Transterra" (1982)
"Das Geheimnis der Sonnensteine" (1984)
Space Opera - Trilogie um eine kommunistische Welt, in der interstellare Raumreisen eine Selbstverständlichkeit sind. Die Menschheit wird mit den Relikten einer geheimnisvollen Sonnenstein-Zivilisation konfrontiert und begegnet unter anderem Energiefressern, die sämtliche Arten von Energien in sich aufnehmen und dadurch die menschliche Kultur bedrohen.
"Drachenkreuzer Ikaros" (1987): Doch eine erhöhte Sonnenaktivität wird das Leben auf der Erde bedroht, und es bricht eine Krankheit aus, welche sich in einer Beschleunigung aller Lebensprozesse äußert.
Karl-Heinz Tuschel (geb. 1928)
"Das Rätsel Sigma" (1974): Eine geheimnisvolle Seuche breitet sich in einer Stadt aus und läßt die Bewohner in Tiefschlaf verfallen.
"Kurs Minosmond" (1986): In einer kommunistischen Zukunftsgesellschaft hat jeder Bürger drei Berufe, um seine Fähigkeiten voll auszuschöpfen. Schließlich entwickelt sich die Menschheit evolutionär weiter, ein Homo superior ist am Entstehen.
Herbert Ziergiebel (geb. 1922)
"Die andere Welt" (1966): Ein Raumschiff kollidiert mit einem Asteroiden und gerät antriebslos in eine Umlaufbahn um die Sonne. Für die Besatzung wird das Schiff zum Gefängnis; geschildert wird der verzweifelte Überlebenskampf.
Das Phänomen "Perry Rhodan"
Als am 8. September 1961 die Perry Rhodan-Serie mit dem Titel "Unternehmen Stardust" startete, dachte niemand daran, daß daraus einmal die größte SF-Serie der Welt werden würde. Die Serie, von K.H. Scheer, Walter Ernsting und Kurt Bernhardt konzipiert, war zunächst auf 30 Hefte angelegt, aber schon nach Erscheinen von Band 4 stieg das Leserinteresse sprunghaft an. Bald bekam die Serie Ableger: Taschenbücher, Comics, eine Schwesterserie ("Atlan"), ein Magazin, Hardcoverausgaben. Zusätzlich erschienen Nachauflagen, Lizenzausgaben kamen in Französisch, Englisch, Japanisch, Portugiesisch, Holländisch und Italienisch heraus. "Perry Rhodan" wurde zum Synonym für deutsche SF, obwohl dies, zumindest in der Anfangszeit, gleichbedeutend war mit Schund, Groschenroman, Faschismus und Militarismus, zumindest für einige lautstarke Kritiker der Serie.
Sämtliche klassische SF-Elemente wurden in die Serie integriert: Reisen zu anderen Sternen, entfernten Galaxien oder gar in fremde Universen und Dimensionen, Zeitabenteuer, Roboter, Computer, Mutanten, Unsterblichkeit, schnelle Raumschiffe, mörderische Waffen, Aliens, galaktische Imperien, Überwesen. Die Serie beschreibt den Entwicklungsweg der Menschheit im Kosmos auf der Suche nach ihrer kosmischen Bestimmung. 1961 publiziert, beginnt die Geschichte mit der fiktiven Mondlandung des Astronauten Perry Rhodan im Jahr 1971 (und verfehlt damit nur knapp das historische Ereignis von Apollo 11 von 1969). Rhodan trifft dort auf gestrandete Außerirdische und kommt in den Besitz einer Supertechnologie, die es ihm erlaubt, die zerstrittene Menschheit zu einen und sich gegen feindlich gesinnte galaktische Intelligenzen zur Wehr zu setzen. Die Milchstraße ist vor allem von menschenähnlich aussehenden Aliens bevölkert, doch bald reicht sie als Betätigungsfeld nicht mehr aus, und die "Terraner", wie die Menschen von der Erde genannt werden, erkunden fremde Galaxien wie Andromeda, M 87 und NGC 4594. Auch dort warten mächtige Gegner auf die Terraner, und Perry und seine Freunde wie Atlan, Gucky oder Bull, die durch Zellaktivatoren die relative Unsterblichkeit erlangt hatten, trotzen allen Gefahren in den unendlichen Weiten des Weltraums.
Immer tiefer gerieten die Menschen in einen Strudel von Ereignissen von kosmischer Bedeutung, und sie lernten einige Ordnungsprinzipien des Universum kennen. Da gab es Wesen, die ein höheres Entwicklungsniveau als die Terraner erreicht hatten, sogenannte Superintelligenzen. Sie herrschten über ganze Gruppen von Galaxien, den "Mächtigkeitsballungen". Eines dieser Überwesen war ES, ein Konglomerat von Milliarden von Bewußtsein, das in einer rätselhaften Beziehung zur Erde und der Menschheit stand. ES hatte einigen der Menschen die Unsterblichkeit verliehen.
Die Superintelligenzen entwickelten sich, je nachdem ob sie eine geordnete oder chaotische Evolution des Universums befürworteten, entweder zu Materiequellen oder zu Materiesenken. Aber damit war die evolutionäre Entwicklung, die durch das "Zwiebelschalenmodell" veranschaulicht wurde, noch nicht beendet: In einer geheimnisvollen Reich "jenseits der Materiequellen" residierten die "Kosmokraten", die als Hüter der kosmischen Ordnung begriffen werden konnten. Ihre Gegenspieler waren die Chaotarchen. Um die Entwicklung von Leben und Intelligenz im Universum zu beschleunigen, sandten die Kosmokraten Sporenschiffe und Sternenschwärme aus, die Lebenssporen auf bislang unbewohnten Planeten aussäten und die Intelligenz primitiver Wesen steigerten. Die Stellvertreter der Kosmokraten in diesem Universum waren die Sieben Mächtigen.
Schließlich erkannten die Menschen, daß die Entwicklung des Universums von einem Kosmischen Schöpfungsprogramm, dem "Moralischen Code", determiniert ist. Analog zur Struktur der DNA besteht der Moralische Code aus einzelnen "Kosmo"-Nukleotiden und durchzieht in Form einer Doppelhelix das Universum. Während einer Expedition in ein fremdes Universum erkennt Perry Rhodan, daß der Moralische Code auch die Entwicklung anderer Universen beeinflußt, wahrscheinlich sogar die Gesamtheit des Multiversums, dessen einzelnen Universen in den überdimensionalen Hyperraum eingebettet sind. In den einzelnen Kosmonukleotiden werden potentielle Vergangenheiten und Zukünfte ausgebrütet, von denen nur jeweils ganz bestimmte zur Wirklichkeit werden. Selbst die Kosmokraten scheinen die Herkunft und die wahre Bedeutung des Moralischen Codes nicht zu kennen, die Beantwortung dieser Fragen rührt an den Fundamenten des Kosmos...
Perry Rhodan kratzte immer mehr an den Wandungen der Schöpfung, doch es stellte sich heraus, daß sich die Natur nicht ungestraft manipulieren ließ. Eines der Kosmonukleotide machte "dicht", und eine kosmische Katastrophe trat ein, der ein Dunkles Zeitalter folgte. Rhodan mußte die abgeschottete Milchstraße aus den Klauen einer rätselhaften Macht namens Monos befreien, und einige Jahre später forderte die wahnsinnig gewordene Superintelligenz ES gar die Zellaktivatoren wieder ein. Letztlich war der Kosmokrat Taurec für diese Ereignisse verantwortlich: er "zeugte" seinen Sohn Monos und manipulierte ein Kosmonukleotid, so daß ES "verrückt" wurde.
Danach erforschte die Menschheit einen großen kosmischen Leerraum, und es stellte sich heraus, daß unser Universum ähnlich wie ein Möbiusband zwei "Seiten" hat, welche sich komplementär entsprechen: das "Parresum", das dem von uns zu beobachtenden Universum entspricht, und das "Arresum", ein lebensfeindliches Kontinuum, das von der Kristallentität "Abruse" bewohnt ist.
Schließlich werden die Terraner mit der "Brücke in die Unendlichkeit" konfrontiert. Rhodan wird zum "sechsten Boten" der Koalition Thoregon, die einen dritten, unabhängigen Weg zwischen Kosmokraten und Chaotarchen beschreiten will. Ein unheimlicher Gegner namens Shabazza will Thoregon und die Terraner mittels Wesen wie Goedda, Jii`Nevever oder den Guan a Var vernichten, und hinter Shabazza steht sein geheimnisvoller Meister namens Torr Samaho, der Kommandant der kosmischen Fabrik MATERIA...
Die nun über fast vier Jahrzehnte währenden Weltraumabenteuer Perry Rhodans lassen klare Entwicklunglinien erkennen. In den ersten 500 Bänden, die die Handschrift von K.H. Scheer trugen, standen Action und Konflikte im Vordergrund, die Serie glich einem Wildwestabenteuer und hatte einen technisch-militaristischen Charakter. Perry Rhodan, von Kritikern als "Hitler des Weltraumzeitalters" tituliert, trat als Eroberer des Universums auf. Gigantische Raumschlachten wurden geschlagen, mit Ultrawaffen, gegen die eine Atombombe wie ein harmloses Feuerzeug wirkt, ganze Sonnensysteme wurden zerstört. Mit Raumschifftriebwerken, die auf fünf- und sechsdimensionaler Basis arbeiteten, wurde der Abgrund zwischen den Sternen und Galaxien überwunden. Diese Ära reflektierte den optimistischen Zeitgeist der 60er Jahre, deren technologische Entwicklung ihren Höhepunkt in den ersten Schritten Neil Armstrongs auf dem Mond erreichte, und den damals herrschenden Kalten Krieg mit der Drohung einer nuklearen Apokalypse.
Bald aber wurde klar, daß dieses "immer höher, schneller, weiter" auf Dauer die Leser langweilen würde. Der Zeitgeist begann sich zu wenden, die Grenzen des Wachstums wurden spätestens mit der Ölkrise offenbar, und eine Technikmüdigkeit und gar -feindlichkeit machte sich breit: Atomkraftwerke wurden zum Symbol eines zweifelhaften Fortschritts, die Sorge der Menschen galt der Erhaltung der Natur und der Kontrolle der Rüstungsspirale.
Es wäre zuviel gesagt, wenn man behauptete, die PR-Serie hätte damals einen sozialkritischen Touch erhalten. Es war vor allem das Verdienst von Willi Voltz, der der Serie eine neue Richtung gab, hin in Richtung Philosophie, Mystik und Humanismus. Die Geheimnisse des Kosmos, die Bestimmung der Menschheit im Universum standen nun im Vordergrund. Im Konzert der kosmischen Mächte spielten die Terraner nur eine untergeordnete Rolle, und es galt zunächst, sich in diesem Labyrinth zu orientieren. An die Stelle von schneidigen Raumschiffkommandanten und draufgängerischen Einzelkämpfern, die zuerst schossen und dann nachdachten, traten nun einsame, sensible Wesen, die ihre Bestimmung in einem chaotischen Kosmos suchten: Alaska Saedelaere, Kytoma und Callibso, alle von Willi Voltz in unglaublich eindringlicher Weise dargestellt.
Auch Fragen der Hochrüstung, der Umweltverschmutzung und der Selbstbestimmung des Menschen wurden angeschnitten, gewalttätige Lösungen der Konflikte wurden nach Möglichkeit vermieden.
Aber nach und nach wurde deutlich daß sich die Autoren, indem sie an den grundlegenden Fragen des Kosmos rührten und gar abstrakten Phänomenen wie der Entropie eigene Wesenheiten zuordneten, übernommen hatten. Die Menschen wurden zu Befehlsempfängern, ja Sklaven höherer Mächte, und die Darstellung dieser höheren Mächte in vermenschlichter Form konnte die Leser nicht zufriedenstellen. Schließlich starb Willi Voltz, der die Handlung der Serie fast ein Jahrzehnt bestimmt hatte, und hinterließ ein tiefe Lücke, die bis heute nicht adäquat gefüllt wurde. Ökopax Thomas Ziegler sorgte noch für einige surrealistische Höhepunkte: da schrumpften Menschen auf Virengröße,, bekamen eine eigene Miniaturerde zugeteilt und wurden mit einem gigantischen Computer vernetzt, das überfielen "Traummotten" die Erde und ließen die Menschheit in Agonie versinken, da wurde Perry Rhodan in eine Traumwelt entführt, in der sein Bewußtsein in Tausende von Einzelteilen aufgesplittert wurde. Viele der technisch orientierten Leser konnten mit solchen Eskapaden nichts anfangen, und ab etwa Band 1250 versuchten die Autoren, der Serie eine andere Richtung zu geben, hin zum farbigen Weltraumabenteuer. Der Physiker Klaus Mahn und der eher fantasy-behaftete Ernst Vlcek übernahmen die Exposéredaktion, und trotz aller Vorsätze ging die Gigantomanie weiter: ein fremdes Universum, das durch das Eingreifen einer Supermacht sich wieder kontrahierte, ein interuniverseller Galaxientransfer, surrealistische Kämpfe zwischen Superwesen...
Mit Band 1400 wurde ein Neuanfang versucht, die Handlung war wieder actiongeladen und abenteuerlich.
Trotz guter Ideen (Cyborgs, Einstein-Rosen-Brücken, Cyberspace, linguistische Weltprägung, Parallelwelten, Moebius-Struktur des Universums) waren die folgenden Zyklen wegen ihrer fehlenden logischen Stringenz und Nichtbeachtung einfachster wissenschaftlicher Facts unbefriedigend.
Mit Band 1800 begann ein neuer Großzyklus, der die Serie in neue Gefilde führen sollte und zumindest zu Anfang etwas von dem "Sense of Wonder" ausstrahlte, welcher die Serie früher so lesenswert machte. "Die Brücke in die Unendlichkeit" weist in Richtung Band 2000, vier apokalyptische Reiter bedrohen die Menschheit, die in eine Auseinandersetzung kosmischen Ausmaßes hineingezogen wird. Die Koalition Thoregon und Shabazza stehen sich gegenüber.
Zum 35-jährigen Jubiläum startete der Verlag einige Merchandising-Aktivitäten: neben einem Computerspiel und einer Multimedia-CD-ROM kamen eine Single und ein CD-Album sowie eine Perry Rhodan - Oper heraus. Erfolgreich war ein Sammelkartenspiel, Raumschiffmodelle und diverse CD-Roms ergänzten das Programm.
Der "ewige Kosmonaut" lebt noch immer von seiner äußerst aktiven Fangemeinde, die regelmäßig ihre Treffen ("Cons") veranstaltet und eigene Zeitschriften ("Fanzines") herausgibt. Letztlich ist der Erfolg der Serie auch durch den intensiven Kontakt zwischen Autoren und Lesern begründet. Sogenannte "Weltkongresse" (in Mannheim, Saarbrücken, Karlsruhe, Mainz), "Perry Rhodan-Tage" (in Sinzig) und ungezählte regionale Cons (Braunschweig, Hamburg) zeugen von dem Enthusiasmus der Fans.
Nachdem von deutschen Autoren kaum noch Taschenbücher erscheinen, stellen die PR-Hefte die einzig noch bestehende originäre SF aus Deutschland dar. Bis zur Jahreswende wurden 2000 Heftromane, über 400 Taschenbücher und 68 gebundene Hardcover auf den Markt gebracht. Die Auflage liegt bei über einer Milliarde Exemplaren, somit wurde "Perry Rhodan" zur größten Science Fiction - Serie der Welt. Auch wenn es den Autoren zunehmend schwerer fällt, wirklich neue und grandiose Ideen zu bringen, darf man doch hoffen, daß ein konzeptioneller Durchbruch gelingt und nach Jahren der Agonie ein neue Welle der Begeisterung die Rhodan-Serie ins 21. Jahrhundert tragen wird.
Deutsche SF-Autoren und ihre Werke
Während in den USA SF-Spitzenautoren mit bis zu siebenstelligen Summen für ihre Romane beehrt werden, fristen deutsche SF-Autoren ein eher kümmerliches Dasein und können in den seltensten Fällen allein von der Schreibe leben, wie der Fantasy-Autor Wolfgang Hohlbein oder die Perry Rhodan-Autoren. Viele verdingen sich zusätzlich als Übersetzer, neben diverse Verlagsjobs an oder schreiben nebenberuflich. Nachstehend werden einige wichtige deutsche SF-Autoren vorgestellt.
Kurt Laßwitz, 1848-1910
Klassiker der deutschen utopischen Literatur. Hauptwerk: "Auf zwei Planeten" (1897), in mehrere Sprachen übersetzt.
Paul Scheerbart, 1863-1915
Vereinigte in seinen Romanen religiöse und mystische mit futuristischen Elementen. Hauptwerke: "Astrale Noveletten" (1912), "Lesabèndio" (1913)
Hans Dominik, 1872-1945
Elektroingenieur und Schriftsteller, in dessen Romane der technische Fortschritt das Hauptthema ist. Romane: "Die Macht der Drei" (1922), "Atlantis" (1925), "Ein Stern fiel vom Himmel" (1934), "Atomgewicht 500" (1935)
Bernhard Kellermann, 1879-1950
Unternahm viele Reisen, über die er in Journalen und Büchern berichtete. Verfaßte den Klassiker "Der Tunnel" (1913) über eine Unterwasserverbindung zwischen Europa und Amerika.
Rudolf Heinrich Daumann, 1896-1957
Schrieb neben technisch orientierten Zukunftsromanen auch sozialkritische Werke. "Gefahr aus dem Weltall" (1939), "Protuberanzen" (1940)
Carl Amery, geb. 1922
Kritischer Katholik, in der ökologischen Bewegung engagiert. Mainstream-Autor. SF-Werke: "Das Königsprojekt" (1974) über den Versuch, mittels eines Zeitparadoxons die christliche Glaubensspaltung zu vermeiden; "Der Untergang der Stadt Passau" (1975) über eine Gesellschaft, die nach einer Katastrophe in einer zerstörten Welt überleben muß.
Herbert W. Franke, geb. 1927
Physiker und Philosoph, arbeitete als Herausgeber bei Goldmann und Heyne. Themen seiner Romane sind die Angst vor einer übermächtigen Technik, die Angst vor totaler Manipulation und die Angst vor dem Verlust des Menschlichen. Romane: "Das Gedankennetz" (1961), "Die Glasfalle" (1962), "Der Elfenbeinturm" (!965), "Zone Null" (1970)
Reinmar Cunis, 1933-1989
Romane über die Gefahren moderner Technik mit sozialkritischem Einschlag: "Zeitsturm" (1979) über eine Zeitreise mit Hilfe psychedelischer Drogen und elektrischer Hirnmanipulation; "Der Mols-Zwischenfall" (1981) über parapsychologische Forschung; "Wenn der Krebsbaum blüht" (1987) über eine Gesellschaft nach de ökologischen Zusammenbruch der Industrienationen.
Wolfgang Jeschke, geb. 1936
Seit 1970 Herausgeber von SF-Buchreihen, Anthologien und enzyklopädischen Werken. Einer der zentralen Figuren in der deutschen SF. Roman: "Der letzte Tag der Schöpfung" (1981), eine Zeitreisegeschichte um die Ausbeutung der Ölvorräte in ferner Vergangenheit.
William Voltz, 1938-1984
Von 1975-84 Exposèredakteur der Perry Rhodan - Serie, der er einen mystisch-pazifistischen Einschlag gab und in der er als Autor durch seine einfühlsamen Romane glänzte.
Thomas R.P. Mielke, geb. 1940
Romane: "Grand Orientale 3301" (1980), der in einer Parallelwelt nach einem kernfusionstechnischen Zwischenfall spielt; "Der Pflanzenheiland" (1981), ein von der Ökologiebewegung inspirierter Post Doomsday-Roman; "Das Sakriversum" (1983), die Geschichte einer von der Außenwelt abgeschnittenen Gesellschaft unter dem Dach einer großen Kathedrale, die einen Neutronenbombenangriff überlebt hat.
Michael Weisser, geb. 1948
Romane mit kalter, emotionsloser Sprache: "SYN-CODE 7" (1982) über Gentechnik; "Digit" (1983) über Mikroelektronik und Computertechnik; "Off Shore" (1984) über Ölförderung auf Bohrinseln.
Ronald M. Hahn, geb. 1948
Autor, Übersetzer, Literaturagent, Lektor, Verfasser von Sekundärliteratur; seine Kurzgeschichten zeugen von Humor und Gesellschaftskritik
Horst Pukallus, geb. 1949
Übersetzer von Bester`s "The Demolished Man" und den Hauptwerken Brunner`s; Autor von gesellschaftskritischen Erzählungen : "Das Rheinknie bei Sonnenaufgang", "Die Wellenlänge der Wirklichkeit" (Themen: Industriespionage, Einfluß der Konzerne)
Peter Schattschneider, geb. 1950
Physiker, der SF-Geschichten mit exaktem naturwissenschaftlich-technischem Hintergrund schreibt; Roman: "Singularitäten: Ein Episodenroman im Umfeld Schwarzer Löcher" (1984)
Uwe Anton, geb. 1956
Autor, Übersetzer, Verfasser von Sekundärliteratur. Publizierte u.a. eine umfangreiche Star Trek - Enzyklopädie, schrieb über den Horror-Autor Stephen King und über den SF-Autor Philip K. Dick. Übersetzte Comics wie Superman und Batman. Veröffentlichte 1995 sein erstes Perry Rhodan - Taschenbuch und 1998 seinen ersten PR-Roman.
Andreas Brandhorst, geb. 1956
Autor und Übersetzer; schreibt Science Fantasy mit exotischen Szenarien und Gestalten; Romane: "Der Netzparasit" (1983): ein Netzreiter kann über ein Dimensionsnetz von einer Wirklichkeit in die andere überwechseln; "Mondsturmzeit" (1984); "In den Städten, in den Tempeln" (1984, zusammen mit Horst Pukallus): ein Karrieremensch reist zur Venus, um dort seine Tochter zu suchen, und findet dort eine gewaltfreie Gesellschaft vor, in der er mit seinen Methoden nicht durchkommt.
Thomas Ziegler, geb. 1956
Autor und Übersetzer; Themen sind Desorientierung, Manipulation und Reglementierung des Menschen; schrieb an den Serien "Die Terranauten" und "Perry Rhodan" mit; Romane: "Zeit der Stasis" (1979, mit Uwe Anton): in Deutschland wird nach einer nuklearen Katastrophe eine faschistische Diktatur errichtet; "Alles ist gut" (1983): apokalyptische Ereignisse in einem zukünftigen Köln; "Die Stimmen der Nacht" (1984): durch einen Morgenthau-Plan wird die BRD zu einem Agrarstaat umfunktioniert.
Andreas Eschbach, geb. 1959
Studierte Luft- und Raumfahrttechnik und war später als Software-Entwickler und Systemanalytiker tätig. Seine Romane "Der Haarteppichknüpfer" (1995), "Solarstation" (1996) und "Jesus Video" (1998) wurden hochgelobt und mit Preisen bedacht. Im Roman "Jesus Video" taucht bei Ausgrabungen im heutigen Israel die Gebrauchsanweisung für eine Videokamera auf, und diese Anleitung ist 2000 Jahre alt... 1998 erschien auch der Perry Rhodan - Roman "Der Gesang der Stille" (Heft 1935).
Während zu Beginn bis Mitte der 80er Jahre deutsche Autoren wenigstens noch gelegentlich einen Roman bei einem Verlag veröffentlichen konnten, sah die Situation in den Jahren danach (bis heute) düster aus. Die zur Reduktion ihrer SF-Programme gezwungenen Verlage setzten auf bekannte angloamerikanische Autoren und Serien wie "Star Trek" oder "BattleTech". Da auch alle Heftserien bis auf "Perry Rhodan" eingestellt wurden, veröffentlichen derzeit (fast) nur PR-Autoren deutsche SF: Robert Feldhoff, Ernst Vlcek, H.G. Francis, Hubert Haensel, Arndt Ellmer, Susan Schwartz, Uwe Anton und Rainer Castor.
Warum es keine eigenständige deutsche SF gibt, ist umstritten. Da bemängeln die einen den fehlenden Mut die fehlende Unterstützung der Verlage, andere beklagen das nicht vorhandene handwerkliche Können der meisten deutschen Autoren, und wieder andere die fehlende Ausbildung.
In den 80er Jahren setzten sich deutsche Autoren oft gesellschaftskritisch mit den Gefahren der Technik auseinander, die Geschichten spielten häufig in einer nahen Zukunft. Vielfach fehlte stilistisch der letzte Schliff, inhaltlich wurde zu oft "mit erhobenem Zeigefinger" gearbeitet.
Letztlich hat der fehlende Erfolg ökonomische Gründe: die Verlage setzen ihre Werbemittel lieber für einige wenige bekannte amerikanische Autoren ein, die einen Mindestabsatz versprechen. Die Auflage der Heyne-Taschenbücher beträgt 5000 bis 10 000.
Deutsche SF-Filme nach dem Zweiten Weltkrieg
Infolge der Nazi-Diktatur gingen viele Regisseure, Techniker und Schauspieler nach Hollywood, wo sie ihr Werk fortsetzen konnten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die verbliebene technische Tradition der UFA vor allem in zwei Studios gepflegt: in den aus den UFA-Betrieben hervorgegangenen Defa-Studios der DDR sowie in den Bavaria-Studios in München. In den Defa-Studios entstand 1959 "Der schweigende Stern" (Kurt Maetzig, westdeutscher Titel: "Raumschiff Venus antwortet nicht"), in dem ein irdisches Raumschiff die Geheimnisse der Venus ergründen will. In den Bavaria-Studios wurde 1948 die Satire "Der Herr vom anderen Stern" (Heinz Hilpert) mit Heinz Rühmann produziert, in de sich ein Außeridrischer in ein Erdenmädchen verliebt.
In den 50er bis 70er Jahren wurden kaum deutsche SF-Filme fürs Kino hergestellt. Ein Flop wurde die deutsch-italienisch-spanische Gemeinschaftsproduktion "Perry Rhodan - SOS aus dem Weltall" (1966, Primo Zeglio), in dem die ersten Hefte der Romanserie verarbeitet wurde, heraus kam allerdings nur eine billige Räuber- und Gendarm-Geschichte. Alexander Kluge drehte zwei Filme, die allerdings nur für Programmkinos geeignet waren: In "Willi Tobler und der Untergang der 6. Flotte" (1969) geht es um Oppurtunismus in einem galaktischen Bürgerkrieg, in "Der große Verhau" (1970) um kapitalistische Machenschaften im All. "Traumstadt" (1973, Johannes Schaaf) beschreibt ein Utopia totaler Freiheiten, das zu einem Ort der Selbstzerstörung und Perversion geworden ist. "Die Hamburger Krankheit" (1978, Peter Fleischmann) erzählt die Geschichte einer Gruppe von Außenseitern, die sich nach Ausbruch einer Seuche in Hamburg in den Süden der Republik durchschlagen und mit katastrophalen Verhältnissen konfrontiert werden. Die Macht der Medien thematisiert "Kamikaze 1989" (1982, Wolf Gremm) mit Rainer Werner Faßbinder in der Hauptrolle. "Es ist nicht leicht, ein Gott zu sein" (Peter Fleischmann) ist die Verfilmung eines Romans der Gebrüder Strugatzki um die Frage, inwieweit eine entwickelte Zivilisation eine "primitive Kultur" beeinflussen darf. Mit amerikanischer Hilfe drehte Wolfgang Petersen die aufwendigen Werke "Die unendliche Geschichte" (1984, nach dem Roman von Michael Ende) und "Enemy mine" (1985), die Geschichte einer Freundschaft zwischen einem Menschen und einem Außerirdischen. Petersen ging später nach Hollywood, wo er spätestens nach dem Killerviren-Thriller "Outbreak" zum Star wurde. Denselben Weg schlug Roland Emmerich ein. In "Das Arche Noah Prinzip" (1984) wird ein Wettersatellit als Waffe mißbraucht, in "Joey" (1985) wird die Hauptfigur finsteren Mächten ausgesetzt. Dann folgte "Moon 44" und später der Durchbruch in Hollywood: 1992 drehte Emmeric "Universal Soldier", eine Story um wiederbelebte Vietnamkrieger, die als High-Tech-Soldaten Terroristen jagen sollen, 1995 folgte "Stargate", ein Fantasyabenteuer um Ägypter, Außerirdische und die Herkunft der Menschheit. 1996 schließlich "Independence Day", die Invasion der Erde durch Außerirdische.
Deutsche SF-Fernsehproduktionen
Nachdem Professor Heinz Haber Mitte der 60er Jahre in seinen Wissenschaftssendungen "Unser blauer Planet", "Der Stoff der Schöfpung" und "Der offene Himmel" die Zuschauer über neuere astronomische und physikalische Erkenntnisse aufgeklärt hatte, war der Boden bereitet für Weltraumabenteuer in deutschen Flimmerkisten. 1966 versuchte man in deutsch-italienisch-spanischer Koproduktion, mit "Perry Rhodan - SOS aus dem Weltall" den Erfolg der Heftromanserie im Kino zu wiederholen, aufgrund der lächerlichen Machart jedoch vergeblich. Mitte der 60er Jahre wurde im amerikanischen und britischen Fernsehen eine Welle von SF-Serien ausgestrahlt, und am 8. September 1966 drang das später legendäre Raumschiff Enterprise mit seiner Crew zum ersten Mal zu seiner fünfjährigen Mission zu "Galaxien vor, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat".
Neun Tage später, am 17. September 1966 startete um 20.15 im Ersten Deutschen Fernsehen der Schnelle Raumkreuzer Orion von seiner Unterwasserbasis zu seinen legendären Patrouillenflügen.
"Was heute noch wie ein Märchen klingt, kann morgen Wirklichkeit sein. Hier ist ein Märchen von übermorgen: Es gibt keine Nationalstaaten mehr, es gibt nur noch die Menschheit und ihre Kolonien im Weltall. Man siedelt auf fernen Sternen, der Meeresboden ist als Wohnraum erschlossen. Mit heute noch unvorstellbaren Geschwindigkeiten durcheilen Raumschiffe unser Milchstraßensystem. Eins dieser Raumschiffe ist die ORION, winziger Teil eines gigantischen Sicherheitssystems, das die Erde vor Bedrohung aus dem All schützt. Begleiten wir die ORION und ihre Besatzung bei ihrem Patrouillendienst am Rande der Unendlichkeit!"
Untermalt von den futuristischen Klängen eines Peter Thomas, steuert eine legendäre Crew ihre Raumschiff durch die Tiefen den Alls: Commander Cliff Allister McLane (Dietmar Schönherr), Leutnant Tamara Jagellovsk (Eva Pflug), Leutnant Mario de Monti (Wolfgang Völz), Leutnant Hasso Sigbjörnson (Claus Holm), Leutnant Atan Shubashi (F.G. Beckhaus), Leutnant Helga Legrelle (Ursula Lillig); dazu die Militärs von Führungsstab, General Winston Woodrov Wamsler (Benno Sterzenbach), Oberst Henryk Villa (Friedrich Joloff), General Lydia van Dyke (Charlotte Kerr) und Marschall Kublai-Krim (Hans Cossy.
In sieben Folgen im Abstand von 14 Tagen wurden die Abenteuer des schnellen Raumkreuzers geschildert, am jeweiligen Samstagabend waren die Straßen in Deutschland leergefegt.
In der ersten Folge "Angriff aus dem All" steht die Relais- und Fernmeldestation MZ 4 im Mittelpunkt. Als die ORION diesen Außenposten, empfängt die Crew seltsame Signale. McLane schickt Sigbjörnson und Shubashi mit einem Beiboot vom Typ LANCET zu der Station. Die Besatzung ist tot, und bald taucht ein seltsam flimmernder Außerirdischer auf, der immun gegen Strahlenwaffen ist. Im All nähern sich sieben unbekannte Flugobjekte der ORION, und das irdische Raumschiff muß die Flucht ergreifen. Auf MZ 4 gelingt es Atan und Hasso, die Fremden mittels Sauerstoff zu töten. Der Laborkreuzer CHALLENGER zerschellt an einem Magnetschirm, den die Frogs um MZ 4 errichtet haben. Mittels Funk können Atan und Hasso Hilfe von der Erde anfordern.
In "Planet außer Kurs" werfen die Frogs einen im Gebiet der Jagdhunde einen Planeten aus seiner Bahn, der die Eigenschaften einer Supernova besitzt. Der Planet rast in einer Spiralbahn auf die Erde zu. Das Raumschiff HYDRA unter General Lydia van Dyke entdeckt den teuflischen Plan der Außerirdischen und strahlt einen Notruf ab. Die ORION kann die Leitstelle der Frogs auf einem Asteroiden in der Vesta-Gruppe zerstören, aber der Kurs der Nova bleibt unverändert. Der Plan, den Planeten mit Antimateriebomben zu vernichten, scheitert. Schließlich lädt die Besatzung die ORION mit kontrateräner Energie auf und steuert das Schiff in den Irrläufer, nachdem vorher die Besatzung in LANCETs umgestiegen ist.
"Hüter des Gesetzes" spielt auf dem Asteroiden Pallas, auf dem Germanicum-Erze abgebaut werden
Als sich die Kolonisten nicht mehr melden, dringen die Mitglieder der Orion-Crew in das unterirdische Bauwerk ein, werden aber von Arbeitsrobotern überwältigt. Die Roboter rebellierten, nachdem es unter den Kolonisten zu Kämpfen wegen der Droge Euphorin gekommen war, und übernahmen das Kommando, weil sie darauf programmiert waren, menschliches Leben zu schützen. Es gelingt, die Roboter umzuprogrammieren.
"In Deserteure" setzen die Frogs Telenose-Strahlen gegen irdische Raumfahrer ein und zwingen sie, mit ihren Raumschiffen zu desertieren. Mittels der Strahlen werden die Gehirnströme der Menschen durch fremde überlagert. Auch auf der ORION wird die Besatzung manipuliert, aber die Gefahr kann gebannt werden, und McLane steuert den Raumkreuzer zu der Basis der Frogs, von der aus die Telenose-Strahlen ausgesandt werden, und vernichtet sie mit einer neuen Waffe, den Overkill-Projektor.
In "Der Kampf um die Sonne" wird auf einem bislang unfruchtbaren Planetoiden niedere Vegetation entdeckt. Unerklärliche Sonneneruptionen führen zu Klimakatastrophen auf der Erde, der die Versteppung droht. Es stellt sich heraus, daß die Sonnenprotuberanzen von Chroma aus gesteuert werden. Hier lebt die Nachkommenschaft ehemaliger Neptun-Kolonisten, die sich vor mehr als 400 Jahren im Ersten Galaktischen Krieg auf die Seite der Rebellen geschlagen haben. Da die eigene Sonne erkaltet, wurde die irdische Sonne angezapft.
Chroma wird von Frauen beherrscht, "SIE" ist die Herrin von Chroma. McLane gelingt, "SIE" von ihrem verbrecherischen Vorhaben abzubringen...
"Die Raumfalle" spielt vorwiegend auf dem Asteroiden Mura, wo eine Kolonie von Verbannten unter Führung des größenwahnsinnigen Wissenschaftlers Tourenne lebt. Die ORION wird nach Mura gelockt; die Verbannten wollen das Raumschiff übernehmen und zu den Frogs überlaufen. Die Orion-Crew wird gefangengenommen, und es stellt sich heraus, daß der Asteroid von einem elektromagnetischen Kraftfeld umgeben ist. Doch in das Kraftfeld kann mit Hilfe einer explodierenden LANCET ein Loch gerissen werden, und die ORION kann aus der Raumfalle ausbrechen; Tourenne und seine Rebellen werden überwältigt.
In der siebten Folge "Invasion" planen die Frogs eine Großoffensive gegen die Erde. Oberst Villa ist von den Außerirdischen umprogrammiert, und fast gelingt es ihm, die terrestrische Verteidigung auszuschalten. Die submarinen Startbasen der Raumverbände werden überflutet, doch schließlich ganz Villa überführt werden. Im Raumsektor Gordon kann die ORION die Energieversorgung der Frogs mittels Overkill vernichten. McLane wird zum Oberst befördert...
Die Faszination der "Phantastischen Abenteuer des Raumschiffs ORION" ist schwer zu erfassen. Bislang gab es in Deutschland kaum Science Fiction-Filme im Fernsehen oder im Kino, Perry Rhodan war gerade dabei, die Geheimnisse der Andromeda-Galaxis zu ergründen, und zwei neue SF-Romanhelden versuchten Paroli zu bieten: Ren Dhark und Rex Corda.
"Raumpatrouille" wurde in den Münchner Bavaria-Studios produziert, der Etat verschlang 3,4 Millionen Mark und machte das Projekt zum bis dahin teuersten des deutschen Fernsehens. Die Grundideen für die einzelnen Episoden lieferte Rolf Honold, die Drehbücher schrieben Honold und "W.G. Larsen", ein Autorenkollektiv der Bavaria, dem unter anderem Oliver Storz und Michael Braun angehörten. Für die Tricktechnik war Theo Nischwitz verantwortlich, der bereits an "Münchhausen" mit Hans Albers mitgewirkt hatte. Daneben sorgte der Filmarchitekt Rolf Zehetbauer für das Design der Serie.
Die ORION wurde in drei Ausführungen gebaut, die zwischen 30 und 160 cm durchmaßen; die Modelle bestanden aus Aluminium, Gips, Holz und Plexiglas. Um einen Raumflug darzustellen, wurde ein Modell vor dünnen Nylonfäden vor schwarzem Hintergrund aufgehängt und von einer auf einer Schiene rollenden Kamera aufgenommen. Der Sternenhimmel oder Planetenaufnahmen wurden später dazugemischt.
Tricktechnisch besonders aufwendig war der Start de ORION von der Tiefseebasis 104. Die Wasserszenen wurden in der Münchner Technischen Hochschule, die ein Wasserbecken für Strömungsversuche besaß, vorbereitet. Windmaschinen sorgten für Wellen, und mit einer Cinemascope-Linse wurden die aufgenommenen Bilder verzerrt. Die Luftblasen, die von der aufsteigenden ORION erzeugt wurden, wurden mit Hilfe von in ein Aquarium geworfenen Alka-Selzer-Tabletten realisiert.
Der Kommandostand der Orion war ein 28 Meter durchmessendes Gebilde aus Chrom, Plexiglas, Schaumstoff und Pappe, in welche Kabel und Glühbirnen integriert wurden. Ein Bügeleisen diente als Hauptschalter im Maschinenraum, daneben wurden Bleistiftspitzer, Plastikbecher und Wasserhähne benutzt.
Zur Darstellung der flimmernden Exoterristen, der Frogs, verwandte man fotomechanische Tricks, die Umrisse stammten von Statisten.
Im Jahr 3000 bewohnt die Menschheit den Meeresgrund. Das Starlight-Casino, die Wohnungen der Raumfahrer und die Startbasen der Raumschiffe lagen allesamt unter Wasser, durch riesige Glasscheiben sah man Fische über die Akteure hinwegschwimmen.
Zum futuristischen Dekor gehörten auch die Orion-Mode, ein Weltraum-Look mit engsitzenden Overalls, und auch die von Peter Thomas komponierte Filmmusik, der "New Astrounautic Sound", der mit Hilfe einer elektronischen Orgel gestaltet wurde.
"Raumpatrouille" wurde zur Legende, später ausgestrahlte SF-Fernsehserien wie "Invasion von der Wega" (1970), "Time Tunnel" (1971), "UFO" (1971) und sogar "Raumschiff Enterprise" (ab 1972) erreichten nie das Flair der Orion-Abenteuer. Der Arthur Moewig-Verlag in München erwarb die Buchrechte an der Serie, und Perry Rhodan - Autor Hans Kneifel schrieb die TV-Episoden zu Romanen um. Der große Erfolg führte dazu, daß Kneifel weitere Geschichten dazuerfand. Der Dara-Zyklus ging davon aus, daß vor 10 000 Jahren das technisch hochentwickelte Volk der Dara mit einem gigantischen, kugelförmigen Raumfahrzeug auf vielen Planeten eine kosmische Aussaat verbreitete, um seine Zivilisation im Weltall zu verbreiten. Das Schiff besuchte auch die Erde und machte die Menschheit zu Erben der Dara. Im Dezember 1970 wurde die Taschenbuchserie "Raumschiff ORION" mit Band 35 eingestellt.
Ab 1972 erschienen die ORION-Romane in vierwöchentlichem Rhythmus innerhalb der Heftromanreihe Terra Astra, schließlich erschienen sogar die neu verfaßten Bände 36 bis 41. Im Juli 1976 wurde mit ORION-Band 42 "Kreuzweg der Dimensionen" ein neuer Zyklus gestartet, an dem neben Hans Kneifel auch H.G.Ewers 42 mitarbeitete. Die Erde wird in die Auseinandersetzungen der beiden kosmischen Urmächte verstrickt, der guten Macht Varunja und der bösen Entität Rudraja, die sich schon in ferner Vergangenheit erbittert bekämpften. Varunja trat für eine kosmische Ordnung ein, in der sich die Kulturen frei entfalten konnten, während Rudraja auf Ausbeutung und Zerstörung aus war. Die beiden Urmächte zerstörten sich in einem kosmischen Inferno, aber Bruchstücke von ihnen blieben weiterhin aktiv.
Der schnelle Raumkreuzer bekam nun eine eigene, wöchentlich erscheinende Heftserie unter dem Titel "ORION". Der englische SF-Graphiker Eddie Jones malte die Titelbilder, als zusätzlicher Autor zeichnete H.G. Francis, Harvey Patton und Horst Hoffmann. Im Juni 1978 wurde die Serie dann wieder innerhalb von Terra Astra fortgesetzt. Hoffmann gestaltete die Jugendabenteuer der Orion-Crew, dabei wurde im sogenannten Amalh-Zyklus über den Zweiten Stellaren Krieg berichtet. Gegner der Erde in diesem Krieg waren rebellierende Kolonialwelten unter Führung des Planeten Amalh. Im Januar 1984 fand die ORION-Serie mit Band 145 ("Zeitblockade") ihren vorläufigen Abschluß. Der Raumkreuzer wurde von einem unsichtbar gähnenden Schlund erfaßt und ins Meer der Zeiten geschleudert..
Doch die Geschichte der ORION ging weiter: 1985 wurde einige Raumpatrouille-Folgen in Rahmen einer Special-Effects-Retrospektive auf den Berliner Filmfestspielen gezeigt und lösten bei den Zuschauern Begeisterungsstürme aus. Ein Berliner Programmkino veranstaltete Raumpatrouille-Nächte; der Erfolg dieser Vorführungen führte dazu, daß die Orion-Abenteuer auch in anderen Städten aufgeführt wurden. "Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes ORION" wurden zum Programmkino-Hit der Saison 1989/90.
In der Folgezeit gab es immer wieder Gerüchte um eine Neuauflage der Serie, teils mit den alten Schauspielern; 1995 gab es erste konkrete Nachrichten. Der Privatsender Pro-7 kaufte die Lizenz und einigte sich mit dem deutschen Regisseur Roland Emmerich ("Universal Soldier", "Star Gate"). Von Matthias Peipp, dem Leiter der Pro-7-Spielfilmredaktion, stammen folgende Worte: "Es gibt Grundmythen und zeitlose Plots, die ihren Reiz nie verlieren und jede Generation aufs neue fesseln." "Orion 2" soll zwölf Folgen a 45 Minuten plus Pilotfilm enthalten. Emmerich wird nicht nur produzieren, sondern zum Teil auch schreiben und zumindest den Pilotfilm auch drehen. Drehorte sollen Hollywood und München sein, die Ausstrahlung soll ab 1997 erfolgen. Von der alten Crew wird niemand mehr dabeisein, Gastauftritte sind jedoch nicht ausgeschlossen; die Tricktechnik soll auf dem neuesten Stand sein. Zum Inhalt äußerte sich Peipp: "Da jede Dekade eigene neue Ängste hat, werden wir jetzt auf die unglaublichen Entwicklungen der Kommunikationstechnik, auf Cyberspace, Aidsviren und ähnliches eingehen."
Der Erfolg der siebenteiligen Reihe im Jahre 1966 ermunterte die Fernseh-Verantwortlichen, amerikanische und englische Serien aufzukaufen und zu senden: "Invasion von der Wega" (1970/71), "UFO" (1971), "Time Tunnel" (1971), "Raumschiff Enterprise" (1972/73).
Aber auch einzelne Filme liefen recht erfolgreich: Wolfgang Menges "Millionenspiel" (1970) und "Smog" (1973) irritierten die Zuschauer, weil hier Realität und Fiktion nur schwer auseinanderzuhalten waren. "Das Millionenspiel" war eine fiktive Fernsehshow, in der die Mitspieler eine Million gewinnen konnten, wenn sie eine Jagd auf Leben und Tod überstanden, und "Smog" war ein fiktives Dokumentarspiel über eine durch Luftverschmutzung verursachte Katastrophe. "Welt am Draht" (1973, Regie: Rainer Werner Faßbinder, nach dem Roman "Simulacron-3") thematisierte eine Welt, die nur eine Simulation eines gigantischen Computers ist.
Rainer Erlers fünfteilige Serie "Das Blaue Palais" (1974) behandelte die SF-Themen Wissensverpflanzung mittels Gehirntransplantation, Unsterblichkeit, Telepathie, Antimaterie und ein neuer Werkstoff. Von Erler stammten auch die Fernsehfilme "Die Delegation" (1970), ein fiktiver Dokumentarfilm über die Landung eines UFOs, "Operation Ganymed" (1977), die Geschichte einer Raumschiffbesatzung, die auf eine verwüstete Erde zurückkehrt, sowie "Plutonium" (1979) über den Schmuggel von atomwaffenfähigem Material. Auch hier zeigte sich, wie schnell die Wirklichkeit die SF einholen kann.
In der Serie "Alpha Alpha" spielte Karl Michael Vogler einen Geheimagenten, die rästelhafte Fälle zu lösen hat. "Die Insel der Krebse" (1975, Gerhard Schmidt) berichtet über allesfressende krebsähnliche Roboter, die sich selbst reproduzieren können.
1978 erschien die Serie "Geschichten aus der Zukunft" mit Heinz Haber als Kommentator, im gleichen Jahr wurde ein Paket von 37 zum Teil erstklassigen internationalen SF-Filmen im Deutschen Fernsehen ausgestrahlt, zu einer Zeit, als Science Fiction durch das "Star Wars"-Fieber auch in Deutschland einen Boom erlebte.
Die Verfilmung der "Mars Chroniken" (1980, Michael Anderson), eine amerikanisch-britisch-deutsche Gemeinschaftsproduktion, erwies sich als Flop; die Atmosphäre aus Bradburys Roman konnte in keiner Phase in den Film hinübergerettet werden. "Wir" (1982, Voytech Jasny) und "Der Preis" (1983, Lutz Heering) spielen in totalitären Zukunftsstaaten, in "Das schöne Ende dieser Welt" (1983, Rainer Erler) werden hochgiftige Pflanzenschutzmittel, die in Europa und den USA verboten sind, für die Dritte Welt produziert. Die radioaktive Verseuchung durch Abfälle thematisiert der Film "Im Zeichen des Kreuzes" (1983, Rainer Boldt).
In den 90er Jahren floppte die europäische Gemeinschaftsproduktion "Mission Eureka".
Daneben gab es einige in Deutschland produzierte Kinofilme, die später im Fernsehen gezeigt wurden: In Alexander Kluges "Willi Tobler und der Untergang der 6. Flotte" (1969) ging es um oppurtunistische Verhaltensweisen in einem galaktischen Bürgerkrieg, und Johannes Schaaf beschrieb in "Traumstadt" (1973) ein Utopia totaler Freiheiten, welches sich in einen Ort der Selbstzerstörung und Perversion verwandelte. "Die Hamburger Krankheit" (1978, Peter Fleischmann) erzählte die Auswirkungen des Ausbruchs einer Seuche in Deutschland. Die Macht der Medien thematisierte "Kamikaze 1989" (1982, Regie Wolf Gremm, mit Rainer Werner Faßbinder in der Hauptrolle).
Mit amerikanischer Hilfe drehte Wolfgang Petersen die aufwendigen Werke "Die unendliche Geschichte" (1984) und "Enemy Mine" (1985). Von Roland Emmerich stammten "Das Arche Noah Prinzip" (1984), "Joey" (1985) und "Moon 44".
Wim Wenders verfilmte 1991 "Bis ans Ende der Welt", eine chaotische Reise um die Welt, an deren Ende der Protagonist mit seinen eigenen visualisierten Träumen konfrontiert wurde.
Roland Emmerich und Wolfgang Petersen feierten in Hollywood Triumphe: Emmerich mit "Universal Soldier" (1992) "Stargate" (1995) und "Independence Day" (1996); Petersen mit dem Virusthriller "Outbreak" (1995).
Mit dem Aufkommen der Privatsender kam es zu einem Science Fiction - Boom in deutschen Fernsehern. RTL, SAT.1, PRO SIEBEN und andere senden machten vor allem amerikanische Serien in Deutschland populär. Derzeit können die Jugendlichen täglich SF in der Flimmerkiste sehen, von Star Trek über Babylon 5, Akte X bis zu Earth 2.
Deutsche SF-Comics
"NICK, der Weltraumfahrer" war eine legendäre Comicserie in den 50er und 60er Jahren, welche viele jugendliche Leser in ihren Bann zog. Im Jahre 1958 legte der Walter Lehning-Verlag in Hannover mit "Sputnik explodiert!" das erste NICK-Heft im Piccolo-Format vor, als Streifenheftchen für 20 Pfennige - Zielgruppe waren hauptsächlich die Sechs- bis Vierzehnjährigen. Schöpfer dieser SF-Fortsetzungsstory war Hansrudi Wäscher.
Ein Jahr vor dem Start der Serie piepste ein russischer Sputnik die ersten Signale aus dem All. Die Serie begann im Jahre 2008. Im fiktiven Jahr 1971 war über London ein Militärflugzeug mit einer Wasserstoffbombe an Bord abgestürzt. Daraufhin schlossen sich 1975 alle Länder der Erde zu einer Weltregierung zusammen. Eine Mondbasis entstand, und schließlich wurde ein neuer Raumschiffantrieb entwickelt, welcher der Menschheit das Tor zu den Sternen öffnete.
Zusammen mit seinem Freund Tom erkundete Nick die Venus, die von Sauriern und primitiven Eingeborenen bewohnt war. Später ging es gegen Marsmenschen, und mit dem ersten überlichtschnellen Raumschiff drangen Nick und seine Freunde in einen subatomaren Mikrokosmos ein und stürzten dessen Herrscher. Es folgte eine Sternenexpedition, auf der die Menschen mit planetenaussagenden Nebeln, unheimlichen Verformern, Fischmenschen, Metallfressern und einem gigantischen Transmitternetz einer längst verstorbenen Zivilisation konfrontiert wurden.
Im weiteren Verlauf kamen Dimensionsspiralen und Zeitverzerrungen ins Spiel, die Erde erlebte eine Invasion durch die "Herren der Galaxis". Wesen mit PSI-Kräften tauchen auf, und fremde Aggressoren wollen die Menschheit testen...
Nick ist ein Pionier und Forscher, der die Geheimnisse des grenzenlosen Weltalls erkunden will. So ist diese Comic-Serie ein gewaltiges Weltraum-Epos mit phantastischen Ideen und einer begeisternden Handlung. Von 1958 bis 1960 erschienen insgesamt 139 Heftchen im Piccolo-Format; danach wurde die Serie im Großbandformat mit 121 Heften von 1959 bis 1963 fortgesetzt.
Von Hansrudi Wäscher stammten weitere Comics mit SF-Elementen. Die Piccolo-Serie "AKIM" um den gleichnamigen Urwaldhelden wurde ursprünglich von dem italienischen Comiczeichner Augusto Pedrazza entwickelt. Wegen angeblicher Brutalitäten und sexueller Anspielungen meldete sich bald die Bündesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften. Nach wiederholter Indizierung knüpfte schließlich Hansrudi-Wäscher an Pedrazzas Serie an und schuf "AKIM - neue Abenteuer". Wäscher wagte sich an Themen jenseits des Tarzan-Mythos: Hinter den "schwarzen Sümpfen" gab es eine Welt aus der Urzeit der Erde, mit Sauriern, Steinzeitmenschen und den Urgewalten der Natur. Zur Dschungel-Fantasy kam bald auch die SF: Ein Außerirdischer vom Planeten Kor in Andromeda landet mit seinem Raumschiff und Superroboter im Dschungel. Sein Planet ist vom Untergang bedroht, und so sucht sein Volk eine neue Heimat. Akim kann jedoch die Ausrottungspläne der Fremden vereiteln.
Von AKIM gab es 196 Heftchen, danach folgte die Serie "TIBOR - Sohn des Dschungels", ebenfalls von Hansrudi Wäscher konzipiert. Auch hier wimmelte es von Sauriern und Urzeitvölkern. Ein SF-Szenario drehte sich um eine zur Erde zurückkehrenden Weltraumkapsel, welche im Dschungel landete und die Samen einer Venus-Pflanze enthielt, die in einer Quelle auch zu keimen begann. Die Riesenpflanze sorgte für allerlei Unruhe im Urwald...
Eine weitere berühmte Figur Wäschers war "SIGURD - Der ritterliche Held. Hier gab es Geisterwölfe, Geisterreiter, Gespenster und Magier. Die Heftchen spielten in der Unterwelt und handelten von Drachenkämpfen, heidnischen Riten und Riesenmonstern.
Populär waren auch die Perry Rhodan - Comics. Zunächst wurde Romanhandlungen ins Bild umgesetzt. Im Jahre 1967 erschien das erste Heft, damals erschien die Reihe unter dem Titel "Perry Rhodan im Bild". Nach kurzer Zeit wurde daraus "Perry, unser Mann im All". Die Hefte wurden zunehmend bunter und erzählten nicht mehr die Handlung der Romane nach, sondern brachten in poppig-psychedelischen und mit einer Menge Sex angereicherten Zeichnungen eigene Stories, die zuweilen einen fantasyhaften Charakter annahmen. In einem Großzyklus ging es um die Reise zum Mittelpunkt des Universums.
Neben der Hauptstory gab es jeweils eine Geschichte mit Atlan ("Atlan, der Weise aus dem Weltall"); später kam ein Comic hinzu, welches nach SF-Kurzgeschichten gezeichnet wurde. Auf der Rückseite der Hefte fabd sich meist eine großseitige Zeichnung unter dem Titel "Perry Star-Galerie", dazu kamen Kontaktseiten mit Leserbriefen und das "Perry-Magazin" mit allgemeinen Informationen.
Die Hefte erschienen zweiwöchentlich, das Script stammte von Dirk Hess, die Zeichnungen von einem "Studio Giolitti". Die PR-Comics liefen bis zur Nummer 129 und sind heute unter Sammlern besonders gesucht.
Die Perry Rhodan - Comics wurden 1993 neu aufgelegt, schließlich erschienen auch neue Comicabenteuer, die zu einem späteren Zeitpunkt der fiktiven Serienhandlung spielen.
Im Bastei-Verlag erschien als Albenserie "Die Götter aus dem All", eine Comic-Reihe nach den Erfolgsbüchern von Erich von Däniken.
Die übrigen SF-Comics in Deutschland waren Übersetzungen meist amerikanischer Ausgaben. In der faszinierenden Reihe "Illustrierte Klassiker" (die Originalreihe "Classics illustrated" lief von 1941 bis 1971) wurden Geschichten der Weltliteratur in Comicversion erzählt. Diese Comics enthielten unter anderem die Jules Verne - Abenteuer "Robur der Sieger", "Der Herr der Welt", "Reise zum Mittelpunkt der Erde", "Von der Erde zum Mond" oder "20 000 Meilen unter dem Meer"; weiterhin die H.G. Wells - Erzählungen "Die ersten Menschen im Mond", "Die Zeitmaschine" oder "Der Krieg der Welten".
Anklang fand auch die "Astronautenfamilie Robinson", die in der Originalversion seit 1962 als "Space Family Robinson" lief, eine Art "Star Trek" für Kleinkinder. Erfolgreich war auch die Comic-Fassung der Serie "Planet der Affen". Das Unbehagen an Robotern und die Angst vor einer umfassenden Automatisierung kam in "Magnus", einem Kämpfer gegen Roboter, zum Tragen.
Im Sog von "Star Wars" schwappte 1977 auch eine SF-Comic-Welle auf die Bundesrepublik über mit den Albumfassungen der alten englischen Serie "Trigan" oder "Luc Orient".
Publikumslieblinge waren und sind natürlich die Superhelden Comics um "Superman", "Batman", "Die Fantastischen Vier" oder "Die Spinne". Renner waren auch "Valerian und Veronique" und vor allem "Akira".
Deutsche SF-Hörspiele
Wie anderswo, so führen die SF-Hörspiele auch in Deutschland ein Schattendasein. Allerdings haben die Hörspielreihen der verschiedenen Sendeanstalten ein zwar kleines, aber dafür treues Publikum.
Bis Mitte der 60er Jahre wurden die Hörspiele nicht seriengebunden ausgestrahlt, einige namhafte Autoren verfaßten die Werke: "Günter Eich: "Träume" (1951), Friedrich Dürrenmatt: Das Unternehmen der Wega" (1955), Jens Rehn: "Der Chefrechner oder 1+1=3" (1961), Stanislaw Lem; "Gibt es sie, Mister Johns?" (1963).
Ab 1967 sendete der Süddeutsche Rundfunk die monatliche Hörspielreihe "Science Fiction als Radiospiel" aus dem Studio Heidelberg, Ende 1993 wurde die Reihe eingestellt nach fast 300 Sendeterminen eingestellt. 1970 strahlte der Deutschlandfunk 30 SF-Hörspiele aus. 1973 produzierte der Hessische Rundfunk die Reihe "Prozesse der Zukunft", und seit 1974 bringt der Bayrische Rundfunk monatlich ein SF-Hörspiel.
Man unterscheidet Originalhörspiele und solche, die nach literarischen oder sonstigen Vorlagen konzipiert wurden. Die meisten Hörspiele werden primär für den Hörfunk produziert, daneben aber auch für den Tonträgermarkt (Schallplatten, Kassetten, CDs), wobei allerdings solche Werke eher für Kinder und Jugendliche gedacht sind. So gab es die Serien "Commander Perkins", "Perry Rhodan" und "Abenteuer im Weltraum".
Besondere Verdienste im Bereich des deutschen SF-Hörspiels hat sich Dr. Dieter Hasselblatt erworben, der sich auch auf SF-Cons für einen höheren Bekanntheitsgrad dieses Mediums einsetzt und regelmäßig Artikel in diesem Bereich veröffentlicht.
Deutsche SF-Musik
Während in den USA und England SF-Musik vielfach dazu diente, Dorgenerfahrungen in musikalische Gewänder zu hüllen, wurde in Deutschland mit Hilfe des Synthesizers die rein elektronische Rockmusik populär.
Kultfigur dieser Musik ist Klaus Schulze. Nach kurzen Gastspielen bei Tangerine dream und Ash Ra Tempel startete er 1971 eine Solokarriere. Nach "Irrlicht" (1972) und "Cyborg" (1973 brachte er 1974 "Blackdance" heraus, eine LP, auf der er den Tagesablauf eines Menschen in Musik umsetzte. Er nannte seine Musik "Picture Music", da mit den gehörten Klängen Bilder assoziiert werden sollten. Klassisch angehaucht war das Album "Timewind", das dem Schaffen Richard Wagners gewidmet war. Nach "Moondawn" folgte 1978 "X", das musikalische Bioraphien von Nietzsche, Bach, Kleist u.a. enthielt. Während Schulze im eigenen Land auf Unverständnis stieß, wurde er im Ausland, vor allem in Frankreich, gefeiert.
1967 wurde Tangerine Dream gegründet, 1970 erschien ihre erste LP "Electric Meditation", die das Leben nach dem Tod zum Thema hatte. 1971 erschien "Alpha Centauri", danach "ZEIT", auf der die Schöpfungsgeschichte des Universums nachgezeichnet wurde. Die Klangstrukturen wiederholten sich oft, die Musik wurde monoton.
Ein weiterer Vertreter kosmischer Musik war Ash Ra Tempel, eine futuristische LP war "Ash Ra Tempel starring Rosi", auf der ein Fotomodell zur Musik SF-Geschichten erzählte.
Die Gruppe Kraftwerk wurde mit Songs wie "Radioaktivität" und "Wir sind die Roboter" auch im Ausland populär. Weitere Bands mit SF-Einschlag waren Amon Düül, King Ping Me und auch Can, die durch ihren Kommissar-Song "Spoon" bekannt wurden. Udo Lindenberg besang in "Gerhard Gösebrecht" ein Männchen aus dem All, auf seiner LP "Galaxo Gang" erschienen mehrere SF-Lieder orwellschen Charakters. Auch Peter Maffay hatte zuweilen ein Faible für SF: Die "schöne neue Welt" hatte Anleihen von Huxley, und "Eiszeit" war eine Warnung vor einem nuklearen Inferno.
In den 80er Jahren besangen Gruppen der Neuen Deutschen Welle wie Extrabreit, Ideal oder SYPH eine Welt mit zubetonierten Städten und vollautomatisierten Fabriken. 1982 gelang Peter Schilling mit "Major Tom" ein Superhit über einen Astronauten, der völlig losgelöst über der Erde schwebt.
Über allem schwebt jedoch der bekannteste deutsche SF-Song: die Titelmelodie der "Raumpatrouille" von Peter Thomas.
Fandom in Deutschland
Ähnlich wie in den USA bildeten sich auch in Westdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg SF-Clubs. 1955 wurde als Dachorganisation der "Science Fiction Club Deutschland" (SFCD) ins Leben gerufen. 1970 wurde in Heidelberg zum ersten und bisher einzigen Mal ein SF-Worldcon auf deutschem Boden veranstaltet.
Zahlenmäßig eine größere Bedeutung haben allerdings die Perry Rhodan- und Star Trek - Clubs bekommen. Während die Veranstalter der SFCD-Cons froh sein könne, einige hundert Besucher begrüßen zu dürfen, waren es bei den bisherigen Rhodan-Weltcons in Mannheim (1980), Saarbrücken (1986) und Karlsruhe (1991) jeweils 2000 bis 3000; eine ähnliche Zahl wird beim großen 2000er Jubiläumscon Ende 1999 in Mainz erwartet. Noch aktiver sind die Trekkies, deren Besucherzahlen bei den großen Cons noch höher liegen.
Empirische Untersuchungen über SF-Leser (speziell Perry Rhodan) hat Rolf Kellner von der Universität Tübingen durchgeführt. Er verteilte auf dem PR-Weltcon 1980 in Mannheim 1980 Fragebögen und erhielt einen Rücklauf von 400 Bögen. Demnach ist der durchschnittliche PR-Leser 21 Jahre alt, 60% sind jünger als 20 Jahre, 93% der Leser männlich, 15,5% sind Studenten, 39 % Schüler, 22,5% Arbeiter und Angestellte. 92% lesen auch andere Sachbücher, 88% lesen mindestens ein SF-Heft im Monat. 58% konsumieren Fachzeitschriften. In Bezug auf die Inhalte der SF zeigen 78% Interesse an galaktischen Forschungsreisen, 70% interessieren sich für die Entwicklung der sozialen Verhältnisse, 71% für die Technikentwicklung. Politisch wird von 73% ein demokratisches System befürwortet.
Immens ist der Besitz von SF-Heften und -Büchern bei den Fans: Durchschnittlich besaß jeder der Befragten 920 SF-Hefte und 291 Bücher bzw. Taschenbücher. Die Spitzenwerte lagen dabei bei ca. 5000 SF-Heften und -Büchern. Zur Lesesucht scheint in den meisten Fällen auch eine Sammel-Leidenschaft zu kommen.
Eine ähnliche Umfrage wurde im April 1995 auf dem FreiCon in Freiburg durchgeführt. Das Durchschnittsalter lag hier bei 32 Jahren, und viele Teilnehmer waren bereits seit 10 Jahren im Fandom.
In den 90er Jahren ist auf den Cons eine zunehmende "Überalterung" unter den Fans zu beobachten, "Oldies" über 30 sind eher die Regel als die Ausnahme. Dieses Phänomen könnte damit zu tun haben, daß die Jugendlichen heute einem großen Konkurrenzangeboten aus den Bereichen Video, Computer, Rollenspielen usw. ausgesetzt sind, welche Kaufkraft binden. Allgemein ist seit einiger Zeit ein Heftromansterben zu beobachten, einzig "Perry Rhodan" konnte sich am Markt halten.
Die Con-Szene ist vielgestaltig. Fleißig sind die Perry Rhodan - Fans. Neben vielen regionalen Treffs ragen natürlich die drei bereits erwähnten PR-Weltcons 1980, 1986 und 1991 heraus. Seit 1993 hat sich das rheinische Sinzig zu einer alljährlichen Pilgerstätte für die Rhodanisten entwickelt. 1996 fand in Garching bei München ein Jubiläumscon aus Anlaß des fiktiven 60. Geburtstages des Romanhelden statt.
Ebenfalls aktiv sind die Trekkies, die auf ihren Veranstaltungen häufig in Kostümen verkleidet die Helden der verschiedenen Star Trek - Serien bewundern. Der kommerzielle Aspekt ist aus der immensen Zahl von Merchandising - Artikeln ersichtlich.
Der SFCD veranstaltet jährlich einen Jahrescon, wobei die Resonanz wechselhaft ist. Wichtige Programmpunkte sind dabei die (meist langweilige) Mitgliederversammlung und die Verleihung des SFCD-Literaturpreises.
Die SF-Tage NRW finden seit 1988 statt und waren ursprünglich ein Con der SFCD-Regionalgruppe Niederrhein. Der Con erlangte bald Reputation, und bald nahmen renommierte Ehrengäste teil. 1997 erschienen SF-Größen wie Stephen Baxter und Ian McDonald, dazu gab es Programmschienen zu den Themen Perry Rhodan, Orion, Vorstellungen und Lesungen von Autoren, Gesprächsrunden zum Thema "Zukunft der Arbeit", Darstellungen von SF-Künstlern und vieles mehr.
Der "Erste Deutsche Fantasy Club" (EFCD) führt jährlich das "Fest der Fantasie" durch und richtet alle vier Jahre den "Kongreß der Phantasie" in Passau aus, auf dem vorwiegend akademische Vorträge zu einem bestimmten Thema gehalten werden; 1996 ging es um Traditionslinien in der deutschen phantastischen Literatur.
Keimzellen des Fandoms sind natürlich die Vereine. Der SFCD (Science Fiction Club Deutschland) wurde 1955 von Julian Parr und Walter Ernsting gegründet und ist damit der älteste deutsche SF-Club. Er gibt die Fanzines "Andromeda Nachrichten" und "Andromeda SF Magazin" heraus. Die Mitgliederzahl liegt zwischen 400 und 500; Hauptziel des Clubs ist die "kritische Auseinandersetzung mit SF, Fantasy, Phantastik und artverwandten Gebieten, besonders im Bereich der Literatur sowie in anderen Medien wie Hörspiel, Film, Theater, Fernsehen, Musik und bildender Kunst" - so steht es jedenfalls in der Satzung. Meist in den Sommerferien findet ein Jahrescon statt, es gibt mehrere Regionalverbände.
Zahlenmäßig eine große Rolle spielen die Perry Rhodan - Clubs. Gewissermaßen die Dachorganisation ist die "Perry Rhodan - Fanzentrale" (PRFZ), eine Interessenvertretung der PR-Leser mit Unterstützung der PR-Redaktion und der Verlagsunion Pabel-Moewig in Rastatt. Vierteljährlich wird das Magazin "SOL" publiziert, dazu erscheinen monatlich die "Perry Rhodan News" mit brandneuen Informationen zur "Größten Science Fiction - Serie".
Die Perry Rhodan - Clubs (PRCs) sind über die ganze Republik verteilt. Viele haben nur wenige Mitglieder und sind recht kurzlebig. Größenmäßig bedeutsam sind der ACD (Atlan Club Deutschland) und der SFCU (Science Fiction Club Universum); beide bringen diverse Publikationen heraus.
Dann gibt es Clubs, welche ihren Schwerpunkt auf TV-Serien legen. Am bekanntesten sind natürlich die Star Trek - Clubs, daneben gibt es Anhänger von "Raumschiff Orion", "Dr. Who", "Babylon 5", "Mondbasis Alpha" oder "Kampfstern Galactica".
Der "Erste Deutsche Fantasy Club" (EDFC) hat etwa 500 Mitglieder. Er veranstaltet den "Kongreß der Phantasie" in Passau und gibt einige sekundärliterarische Magazine und Bücher heraus. Der wesentlich ältere Fantasy-Club FOLLOW wurde 1984 in den EDFC integriert. FOLLOW beschäftigte sich mit Rollenspielen, speziell mit dem Strategiespiel "Armageddon", das auf der Fantasywelt Magira basiert.
Auf den Cons wird üblicherweise ein unüberschaubarer Blätterwald von Fanzines präsentiert. Informationsblätter mit Neuigkeiten aus allen Bereichen der SF und Phantastik sind "Science Fiction Media", Fandom Observer und FNL (Fandom Newsletter). Legendär sind die inzwischen eingestellte "Science Fiction Times" sowie "Munich Round Up" (MRU) von Waldemar Kumming, ein Fanzine mit Berichten von internationalen SF-Ereignissen.
Im ACD erscheint die Fan-Romanserie "Atlan", eine Fortsetzung der eingestellten Romanheftserie der Verlagsunion Pabel-Moewig, im SFCU die Reihen "Zeitraffer" (Handlungszusammenfassungen der Einzelhefte) und "Gedankenspiele" (pseudowissenschaftliche Hintergrundberichte zur PR-Serie). Viele Clubs geben ihr eigenes Fanzine heraus, üblicherweise eine Mischung aus Kurzgeschichten, Zeichnungen, Conberichten oder Analysen zu Filmen und Fernsehserien.
Aufgrund des Erfolges vieler SF-Fernsehserien bei den Privatsendern und der zunehmenden Popularität von SF-Filmen im Kino konnten auch SF-Magazine den Markt bereichern: Space View, Moviestar, TeleVision oder Starlog. Dazu kamen themenbezogene Magazine, etwa "Star Wars" oder "Akte X".
Literatur zur Science Fiction läßt sich bei verschiedenen Versandbuchhandlungen bestellen. Am bekanntesten ist "Transgalaxis", gegründet von Heinz Bingenheimer und weitergeführt von seinem Sohn Rolf. Bingerheimers Keller in der Taunusstraße 109 in Friedrichsdorf ist eine wahre Fundgrube für den Sammler.
Die Phantastische Bibliothek Wetzlar wird von Thomas Le Blanc geleitet und enthält Romane, Anthologien, Sekundärliteratur, Zeitschriften und Magazine aus den Gebieten klassische Phantastik, Science Fiction, Utopischer Roman, Fantasy, Horror, Weird Fiction, Märchen, Sagen und Mythen. Mit über 50 000 Titeln ist es die größte Phantastik-Bibliothek in Deutschland.
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