Faszination Science Fiction von Dr. Robert Hector
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Faszination Science Fiction

Science Fiction in anderen Ländern


Der Großteil der SF-Literatur wird in den USA produziert, der SF-Markt der anderen Länder wird durch Übersetzungen amerikanischer, teilweise auch britischer Autoren bestimmt. Lediglich in den Ostblockländern hat sich bis zum Zusammenbruch 1990 eine eigenständige phantastische Literatur etabliert.

Der russische Raketenpionier Konstantin Ziolkowski schrieb einige utopische Romane wie "Auf dem Monde" (1893) und "Außerhalb der Erde" (1920). A. Bogdanov verfaßte eine marxistisch orientierte Sozialutopie über eine kommunistische Herrschaft auf dem Mars, "Der rote Stern" (1908). Eine solche Gesellschaft muß in A. Tolstoi`s "Aelita" (1922) erst noch aufgebaut werden. Eine herbe Kritik am neu entstandenen Sowjetstaat enthält J. Samjatin`s "Wir" (1920), eine Dystopie über einen repressiven Staat, der individuellen Bedürfnissen keine Chance läßt. A. Beljajew war in den 20er Jahren sehr populär, er veröffentlichte mehrere Erzählungen über Organtransplantationen, u.a. "Der Amphibienmensch" (1928). Zu dieser Zeit kursierten in Rußland auch mehrere SF-Magazine, gewöhnlich mit Geschichten um böse Erfinder gefüllt. Ein typischer Vertreter der 30er Jahre mit ihren technischen Utopien war G.B. Adamov. In "Der Bezwinger des Erdinnern" (1937) wird der Bau eines geothermischen Kraftwerkes geschildert, in "Das Geheimnis zweier Ozeane" (1939) geht es um ein futuristisches U-Boot.

Die 50er Jahre brachten einen Wandel in der russischen SF. Das technologische Magazin "Wissen ist Macht" veröffentlichte Geschichten von Bradbury und Lem, einige russische Autoren schrieben über früher verpönte Themen wie Roboter, Zeitreisen und Außerirdische. Erzählungen ausländischer Autoren wie Lem, Asimov, Sheckley, Leinster, Pohl und Clarke wurden gedruckt. I. Jefremov verfaßte 1959 die weltberühmte kommunistisch-technische Utopie "Andromeda".

Zu den berühmtesten russischen Gegenwartsautoren zählen die Gebrüder Strugatzki. Sie wenden sich in ihren Romanen gegen eine üebrsteigerte Technikgläubigkeit, stellen verkrustete Gesellschaftsstrukturen in Frage und thematisieren die ethische Verantwortung des Menschen. Sie schrieben Romane wie "Es ist nicht leicht, ein Gott zu sein", "Montag beginnt am Samstag", "Die Schnecke am Hang" und "Picknick am Wegesrand".

Weitere bekannte russische Autoren der neueren Zeit sind S. Gansowski, G. Gor und I. Warschawski.

Polen besitzt mit Stanislaw Lem einen der führenden SF-Autoren der Welt, die beiden Tscheschen Karel Capek und Josef Neswadba stehen kaum dahinter zurück.

In Japan entwickelte sich die SF nach dem Zweiten Weltkrieg ähnlich wie in Westdeutschland. Amerikanische SF war sehr populär, und bald waren Monsterfilme wie "Godzilla" und Fernsehserien wie "Astroboy" bei den Jugendlichen sehr beliebt. Autoren wie Kobe Abe ("Die vierte Zwischeneiszeit") oder Sakyo Komatsu ("Der Tag der Auferstehung") erlangten einen hohen Bekanntheitsgrad. Kein Wunder für ein Land, das nach dem Trauma der beiden Atombombenabwürfe von 1945 eine rasante technologische Entwicklung durchlief und durch Fortschritte im "Computer and Communication" - Bereich eine der führenden Wirtschaftsnationen der Welt wurde. Erfolgreich im Ausland wurden die Comics "Akira" (Otomo Katsuhiro) und "2001 Nights" (Hoshino Yukinobu).

Frankreich besitzt eine große literarisch-utopische Tradition: Cyrano des Bergerac ("Historie comique contenants les ètats et empires de la lune", 1657), Voltaire ("Micromegas", 1750), Louis Sebastian Mercier ("L`an deux mille quatre cent quarante", 1771), Jules Verne, dessen Zeitgenosse Camille Flammarion ("Rècits de L`infini", 1872) sowie der Autor und Zeichner Albert Robida. Um die Jahrhundertwende schrieb J.H. Ainè Rosny eine große Zahl von SF-Romanen, die häufig in prähistorischer Zeit spielten. Maurice Renard beschrieb in "Le Docteur Lerne" (1908) die Geschichte eines Chirurgen, der Gehirne verpflanzt. Renè Barjeavel`s Roman "Ravage" ist eine Weltuntergangsvision, in der in Frankreich nach einem verheerenden Krieg nur noch eine agrarische Kultur existiert. Weitere bekannte Erzählungen Barjavel`s sind "La nuit de temps" (1968), in der in der Antarktis zwei Überlebende einer seit 900 000 Jahren ausgestorbenen Kultur entdeckt werden, sowie "Le grand secret" (1973), in der es um eine Weltuntergangsdroge geht.

Die Ära nach dem Zweiten Weltkrieg war zunächst vom amerikanischen Einfluß bestimmt, aber bald versuchten französische Autoren eigene Wege zu gehen: Philippe Curval ("Le Ressac de l`espace", 1962; "L`Homme à Rebours", 1974, ein Parallelweltroman), Michel Jeury ("Les temps incertain", 1973), Daniel Drode ("Surface de la Planete", 1959), Gerard Klein ("Le Sceptre du Hasard", 1968; dazu einige Zeitreisegeschichten), Pierre Pelot ("Mais so les Papillons Trichent", 1974; scharfe Kritik an den sozialen Zuständen in Frankreich), Jean Pierre Andrevon, Daniel Walther, Dominique Douay.

Auch einige französische Mainstream-Autoren verfaßten bekannte SF-Romane: Pierre Boulle mit "La Planete des Singes" (1963) oder Robert Merle mit "Malevil" (1972); aus beiden Romanen wurden eindrucksvolle Filme (Planet der Affen, Malevil).

Autoren der jüngeren Zeit sind Emmanuel Jouanne, Jean Claude Dunyach, Alain Paris oder Rene Sussan.

Auch Italien besitzt einige bedeutende Vertreter der klassischen phantastischen Literatur wie Dante Alighieri ("Die Göttliche Komödie") oder Tommaso Campanella ("Citta des Sole", 1602). Im 19. Jahrhundert schrieb Emilio Salgaro einige wissenschaftlich-technische Romane wie "Duemile Leghe sotto Ameroica" (1888) und "Le Meraviglie del Duemila" (1907). Im 20. Jahrhundert verhinderte der amerikanische Einfluß die Entwicklung einer eigenständigen italienischen SF. Bekannte zeitgenössische Autoren sind Sandro Sandrelli ("Caino del Spazio", 1962) und Lino Aldani, berühmt ist der Illustrator Karel Thole.

Ähnlich ist die Situation in Skandinavien. Um die Jahrhundertwende schrieb der schwedische Erfinder Otto Witt einige futuristische Erzählungen, ähnlich wie der Däne Niels Meyn. Bemerkenswert ist Karin Boyes dystopischer Roman "Kallocain" (1940), weiterhin Harry Martinsons Vers-Epos "Aniara" (1956), in dem das Thema Generationenraumschiff aufgegriffen wird. Bedeutende Autoren unserer Tage sind Sam J. Lundwall, Bertil Martensson, Oyvind Myrhe, Jon Bing und Tor Age Bringsvaerd.

Bekannte australische SF-Schriftsteller sind A. Bertram Chandler, David Lake und Cherry Wilder; Donald H. Tuck ist als Verfasser von Sekundärliteratur berühmt geworden. Seit 1952 werden in Australien regelmäßig SF-Cons abgehalten, seit 1969 der "Ditmar Award" verliehen. 1975 fand der Worldcon in Melbourne statt.


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